USA
Ausgang im Dunkeln: Hillary Clinton und Donald Trump als Vorwahlen-Dreamteam?

In der Nacht auf Dienstag geht es in Iowa los. Stehen dann Hillary Clinton und Donald Trump im Sommer als nominierte Präsidentschaftskandidaten gegeneinander im Rennen?

Renzo Ruf, Cedar Rapids (Iowa)
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KEYSTONE

Das ganzseitige Inserat ist ein Hingucker. «Kennen wir ihn wirklich?», steht in fetten Lettern unter einem unvorteilhaften Bild von Donald Trump, dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Nein, lautet die implizite Antwort – denn Trump, so steht es in der Anzeige, die gestern Sonntag in den auflagestärksten Zeitungen von Iowa publiziert wurde, setzt sich für Anliegen ein, die konservativen Amerikanern ein Graus sind.

Er will das Recht auf Waffenbesitz einschränken, die Steuern erhöhen und das Recht auf Abtreibungen schützen. Der Clou dieses Inserates und ähnlich gehaltener Werbespots: Sie stammen aus der Küche eines Wahlkampf-Vehikels mit dem Namen «Unsere Prinzipien», das kürzlich von konservativen Strategen gegründet worden ist.

Willkommen in Iowa, wo am Montagabend mit den Wahlversammlungen (Caucuses) die Vorwahlen beginnen – die im Sommer mit der Nomination der Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Republikaner enden werden.

Schlammschlacht der Kandidaten

In den letzten Stunden vor den Caucuses decken sich republikanische (und demokratische) Parteifreunde mit harter Kritik ein. Der New Yorker Milliardär Trump kritisiert den texanischen Senator Ted Cruz und macht sich lustig über die Tatsache, dass der Erzkonservative lange Jahre auch die Staatsbürgerschaft von Kanada besass. Cruz wiederum greift Marco Rubio, Senator aus Florida, hart an. Er sagt, er «sei ein Konservativer mit Rückgrat», und Rubio ein radikaler Reformer – der zum Beispiel den Millionen von Sans-Papiers in den USA eine Aufenthaltsbewilligung ausstellen wolle.

«Marco Rubio hat unser Vertrauen missbraucht», heisst es in einem TV-Spot von Ted Cruz. Rubio schliesslich lässt diese Attacke nicht unwidersprochen. Er sagt, dass der Wahlkampf seines Kontrahenten «auf einer Lüge» beruhe: Cruz stelle sich als ideologischer Purist dar. Dabei sei er ein ganz gewöhnlicher Politiker.

Der Grund für diese Nervosität: Der «Iowa Poll» der lokalen Zeitung «Des Moines», der in den letzten drei Jahrzehnten den Ausgang der Wahlversammlungen recht zuverlässig vorhergesagt hat, prognostiziert ein knappes Rennen der Republikaner. Demnach wird Trump von 28 Prozent der registrierten Parteifreunde unterstützt, Cruz von 23 Prozent.

Vor zwei Wochen hatte Cruz noch die Unterstützung von 25 Prozent der Republikaner genossen; Trump brachte es auf 22 Prozent. Auf dem dritten Platz folgt Marco Rubio mit 15 Prozent, was einem Plus von drei Punkten entspricht. Die Rohdaten der Umfrage deuteten allerdings darauf hin, dass die Unterstützer von Ted Cruz entschlossener seien, heute Abend bei den Wahlversammlungen aufzutauchen, sagte gestern die Demoskopin Ann Selzer.

Bei Demokraten liegt Clinton vorn

Bei den Demokraten sieht immer noch alles nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus: Die Ex-Aussenministerin Hillary Clinton bringt es im «Iowa Poll» auf 45 Prozent; ihr Kontrahent Bernie Sanders, Senator aus Vermont, auf 42 Prozent. Die Fehlerquote der Umfrage beträgt plus/minus 4 Punkte.

Entscheidend für den Ausgang der Caucuses wird letztlich sein, wer seine Anhängerinnen und Anhänger besser mobilisieren kann. Bei den Demokraten baut Clinton auf die ältere Stammwählerschaft der Demokraten, während Sanders junge Aktivisten für sich gewinnen will. Am Samstagabend organisierte er ein Konzert mit der Musikgruppe Vampire Weekend, das von bis zu 5000 Menschen besucht wurde. Höhepunkt des Festes: Sanders sang die alte Folk-Hymne «This Land is Your Land».

Bei den Republikanern baut Trump auf die unzufriedene Mittelschicht und religiöse Wähler. Letztere gehören auch zu den Stützen von Ted Cruz, der sich auf ein Netz von evangelikalen Kirchengängern abstützen kann.

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