Spionageskandal
60 Kunden in 40 Ländern: So geschäftet die Überwachungs-Firma «NSO Group»

Das israelische Tech-Unternehmen gilt als Weltmarktführer im Bereich Überwachungssoftware. Es hat illustere Kunden.

Marina Klimchuk, Samuel Schumacher
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Auf seiner Homepage verspricht das Unternehmen, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen.

Auf seiner Homepage verspricht das Unternehmen, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen.

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Die Welt «zu einem sichereren Ort machen»: Das sei das Ziel seiner Firma, sagt Shalev Hulio, der Chef der israelischen Tech-Unternehmung «NSO Group». Hulio, ein Ex-Soldat und Jurist, hat die Firma 2010 gemeinsam mit zwei Bekannten gegründet. Unter seiner Führung hat die einst kleine Tech-Bude in der Stadt Herzliya einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Sie gilt heute als weltweit führender Anbieter von Überwachungssoftware.

Das liegt vor allem an ihrem Best-Seller, dem Spionageprogramm Pegasus, das sich aus der Distanz auf Smartphones schmuggeln und zur Rundumüberwachung der infizierten Handys nutzen lässt. Laut dem am 30. Juni veröffentlichten Transparenz-Report der «NSO Gruppe» liefert das Unternehmen seine Software an insgesamt 60 Abnehmer in 40 Ländern.

Die Hälfte der Kunden sind Geheimdienste

Rund die Hälfte der Kunden sind Geheimdienste, der Rest Justizministerien und Armeeinstitutionen. Die Firma unterstreicht, dass sie selber keine Lauschangriffe durchführe, sondern nur die technischen Mittel zur Verfügung stelle.

Shalev Hulio, ein Ex-Soldat und Jurist, hat das Unternehmen 2010 gegründet.

Shalev Hulio, ein Ex-Soldat und Jurist, hat das Unternehmen 2010 gegründet.

CBS

Wenig überraschend dementiert die «NSO Group» die Vorwürfe an ihre Adresse. Lieber betont sie, dass dank Pegasus mehr als 100 Terroranschläge vereitelt und Tausende Menschenleben gerettet werden konnten. Pegasus habe geholfen, Pädophile zu verhaften und Menschenhandelsringe zu sprengen.

Darüber hinaus seien andere Softwarelösungen der Firma zur Ortung vermisster Menschen nach dem Monster-Erdbeben in Nepal 2015 oder dem verheerenden Staudammbruch in Brasilien 2019 verwendet worden.

«NSO Group» sei kein Einzelfall, sagt ein israelischer Experte

Jeder potenzielle Kunde werde genau durchleuchtet, betont Shalev Hulio im Transparenz-Report. Das israelische Verteidigungsministerium müsse alle Deals absegnen. Mit fünf ehemaligen Kunden habe man die Zusammenarbeit wegen missbräuchlichem Umgang mit der Software beendet.

Der Tel Aviver Cyber-Technologe und Bürgerrechtsaktivist Yuval Adam hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Er zeigt sich wenig überrascht über die Enthüllungen. Ähnliche Geschichten gäbe es immer wieder.

«Erst letzte Woche enttarnte die digitale Platform CitizenLab, wie das israelische Unternehmen Candiru Spyware an Regierungen verkauft und vielleicht sogar mit der NSO zusammenarbeitet, um Journalisten und Politiker auszuspähen.»

Attacken durch die Pegasus-Software abzuwehren sei fast unmöglich, sagt Adam. Umso wichtiger wäre eine genaue Überprüfung der Kunden. «Doch die NSO Group ist bereit, ihre Software an jeden zu verkaufen – auch an Staaten wie Saudi-Arabien und Bahrain, die die Menschenrechte mit Füssen treten.» Offenbar steht die weitere Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien allerdings auf der Kippe. Schliesslich, so schreibt die «NSO Group», wolle man den Schutz von Journalisten verstärken.