«Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeure», heisst es auf der Website des Vereins Swiss Groomer. «Ein Wettkampf im Schneiden von Hundehaaren? Gibt es so was wirklich?», so meine ersten Gedanken. Pudel mit Bommelfrisuren tauchen vor meinem inneren Auge auf.

Ein Blick auf das Programm des Wettkampfs zeigt jedoch: Der Pudel ist nur ein kleiner Teil der Meisterschaft. Neben ihm werden Setter, Spaniel und alle anderen nur erdenklichen Hunderassen frisiert. Vielleicht stelle ich mir das Ganze doch falsch vor? Ich versuche, meine Vorurteile beiseitezulegen, und entscheide mich, dem Wettkampf in der Mehrzweckhalle in Niedergösgen einen Besuch abzustatten.

Kein Stress bei Hunden

Tatsächlich: Beim Betreten der Halle sehe ich auf den ersten Blick keinen Pudel. Dafür einen Border Collie mit Sternen im Fell, einen Pekingesen mit Löwenmähne, einen Yorkshire Terrier mit langem, glänzendem Haar an den kurzen Beinchen. In der Freestyle-Klasse sind alle Rassen erlaubt. Nebenan sind die Spaniel und die Setter dabei, frisiert zu werden. Erstaunlicherweise ist kein Bellen zu hören, obwohl sich auf den Frisiertischen insgesamt 17 und im Publikum etliche weitere Hunde befinden. Die Tiere sind ruhig und friedlich, einige scheinen das Bürsten und Schneiden gar zu geniessen.

Zu Besuch bei der Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeure

Zu Besuch bei der Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeure

«Das Wohl der Tiere steht an erster Stelle», erklärt Vizepräsidentin des Vereins und Hundefrisörin Daniela Häusler. In der Jury werde auch darauf geachtet, dass kein Tier gestresst wirkt. Sollte dies der Fall sein oder ein Hund sich sichtlich unwohl fühlen, werde abgebrochen.

Frisur soll kein Nachteil sein

Was mittlerweile klar ist: Meine Ängste, den Hunden könnte es an einem Event wie diesem nicht gut gehen, waren umsonst. Aber wie steht es nun wirklich um das Pudel-Klischee? Daniela Häusler, selber Besitzerin dreier Exemplare, lacht. «Es gibt schon viele Pudel. Sie sind am Nachmittag dran», sagt sie. «Aber sie sind vom Handwerk her am schwierigsten», fügt sie an. Doch ganz so klischiert, wie ich mir das vorstelle, sind die Frisuren nicht, wie Häusler erklärt: «In der Bewertung ist wichtig: Der Hund darf nicht zur Lachnummer werden.» Zum Glück.

Zu Besuch bei der Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeure in Niedergösgen

Zu Besuch bei der Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeure

Was bei der Schweizer Meisterschaft der Hundefrisöre eigentlich sonst noch bewertet? «Die Rassenverbände schreiben vor, wie jede Rasse an einem Wettkampf auszusehen hat», so Häusler. Auch die Technik wird bewertet, und ebenfalls ist wichtig, dass die Frisur nicht zum Nachteil für den Hund wird.

Eine Durchsage ertönt: Die Zeit für die Freestyle-Klasse ist vorbei, die Scheren müssen hingelegt werden. Drei Jurorinnen betrachten die Vierbeiner ganz genau, machen sich Notizen. Fünf Minuten später posieren die drei Finalisten schwanzwedelnd für die Fotografen. Meine Vorurteile wurden hier glücklicherweise nicht bestätigt. Mit einer überarbeiteten Meinung verlasse ich die Halle und streiche beim Gehen einem grossen Schnauzer über den Kopf – hoffentlich habe ich ihm nicht die Frisur zerstört.