Wahlkampfbus

Station Bremgarten: «100'000 Flüchtlinge wären machbar»

Beim zweitletzten Halt des az-Wahlkampfbusses nahe der Bremgartner Altstadt kam es zur Debatte über Flüchtlinge, und ein erfolgloser Clown hatte auch einen kurzen Auftritt.

Ganz links am Podium in Bremgarten: Die Grüne Iréne Kälin in einem knallroten Mantel. «Warum kommen Sie in den Farben Ihrer politischen Konkurrenz, der SP? Müssten Sie nicht grün tragen?», fragt az-Chefredaktor und Moderator Christian Dorer zum Einstieg.

Die Antwort sei einfach, sagt Kälin. «Rot ist meine Lieblingsfarbe, grün leider nicht.» Zum Glück aber müsse man seine Partei nicht nach der Lieblingsfarbe aussuchen, sonst wären die meisten Politiker in einer schwarzen Partei.

Ob rot, grün oder schwarz – am az-Wahlkampfbus in Bremgarten geht es ganz schön bunt zu und her. Vor allem am Schluss. Aber dazu später. Zu Beginn steht nämlich ein ernstes Thema an: Haben wir ein Flüchtlingsproblem oder nicht? Und was können wir tun?

Fragen, die an den bisherigen Podien auch unter den Zuschauern heftig diskutiert wurden. Doch nun sind die sechs Nationalratskandidaten gefragt. «Hilft das Thema im Wahlkampf, um Angst zu schüren?», fragt Dorer.

«Auf keinen Fall», sagt SVP-Nationalrat Maximilian Reimann. «Aber wir haben es momentan mit einer Völkerwanderung zu tun.» Ein kurzer Blick auf die Notizen. Dann sagt er, Deutschland werde überfahren. Bald warnt er, die Schweiz werde jetzt noch verschont. Bald fordert er, man müsse wieder Grenzkontrollen einführen. Zwei Männer in schwarzen Winterjacken klatschen. Recht hat er, der Reimann!

Das wären 20 pro Gemeinde

Das sehen freilich nicht alle der gut 60 Zuschauer so. Auch nicht die Politiker. FDP-Mann Matthias Jauslin betont, wir hätten in der Schweiz noch lange nicht Flüchtlingszahlen wie Ende der Neunzigerjahre.

Damals nahm die Schweiz über 50'000 Kosovaren auf. Nun schreitet ein Zuschauer zum Podium: «Wie viel könnten wir überhaupt aufnehmen?» Kälin: 100'000. Aber es bringe nichts, wenn die Bevölkerung die Flüchtlinge nicht integrieren wolle. Arsène Perroud von der SP nickt.

100'000 wären machbar, sagt er und rechnet vor: Das wären etwa 4000 pro Kanton, im Aargau etwa 20 pro Gemeinde. Doch bei diesen Zahlen wird es dem SVP-Vertreter schwindlig: «Sobald wir 100'000 Flüchtlinge aufgenommen haben, kommen die nächsten 100'000», sagt er. «Jawohl», rufen die beiden Männer in den schwarzen Winterjacken.

Dunkel ist es unterdessen auch in Bremgarten geworden. Die Politiker haben sich längst unter die Zuschauer gemischt, da steigt ein junger Mann mit aufgesetzter Clownnase auf ein Podest und versucht, die Aufmerksamkeit zu gewinnen. «Staatliche Politik funktioniert wie Religion, sie lässt...» Doch niemand hört ihm zu. Entgeistert steigt er schliesslich vom Podest.

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