Aargau-Tour

Politologe: «Der Wahlkampfbus mobilisiert die Leute»

Politologe Daniel Bochsler über den Wahlkampfbus: «In dem direkten Kontakt erfahren die Wähler mehr über die Positionen der Parteien und Kandidaten.»

Politologe Daniel Bochsler über den Wahlkampfbus: «In dem direkten Kontakt erfahren die Wähler mehr über die Positionen der Parteien und Kandidaten.»

Der Politologe Daniel Bochsler erklärt, wie die Tour des Wahlkampfbusses durch den Kanton die Wahlen beeinflusst.

Herr Bochsler, mit dem az-Wahlkampfbus bringen wir die Nationalratskandidaten zu den Aargauer Wählern. An den Podiumsgesprächen in den elf Bezirkshauptorten können sie sich vor Ort ein Bild über die Politiker machen. Was bringt die Aktion?

Daniel Bochsler: Die Medien haben eine wichtige Funktion im Vorfeld der Wahlen: Sie müssen aufzeigen, wo und für was die Parteien stehen und was ihre Inhalte sind. Viele Medien versuchen, auch selber Akzente zu setzen im Wahlkampf, indem sie Debatten organisieren. Die az macht dies nun mit den dezentralen Podiumsdiskussionen. In dem direkten Kontakt erfahren die Wähler mehr über die Positionen der Parteien und Kandidaten.

Inwiefern trägt die Bus-Tour zu einer höheren Wahlbeteiligung bei?

Der direkte Kontakt mit den Wählern bringt auf alle Fälle etwas. Einerseits für die Wahlteilnahme und andererseits für die Parteienmobilisierung. Wir wissen aus den USA und aus Grossbritannien, dass etwa Hausbesuche bei potenziellen Wählern durchaus etwas bewirken: Sie bewegen die Leute zur Wahl. Auch der az-Bus setzt auf den direkten Kontakt zwischen Kandidaten und Wählern. Wir können aber nicht wissen, mit welcher Motivation Leute an ein Podium kommen. Sind sie bereits politisch mobilisiert, sind es bereits Parteisympathisanten oder sogar Mitglieder? In diesem Fall hätte ein Anlass vor Ort eine geringere Wirkung.

Und wie stark hilft ein solches Podium zur Meinungsbildung?

Die Schweizer wählen insgesamt sehr stabil. Einen Wettbewerb gibt es aber dort, wo Parteien ein ähnliches Profil haben. Etwa zwischen SP und Grünen oder zwischen den bürgerlichen Parteien, die in vielen Fragen im selben Teich fischen, also zwischen FDP, CVP, GLP und BDP. An einem Podium werden aber nicht die Meinungen geändert. Ein Atomkraftgegner wird nicht plötzlich ein Befürworter. Aber vielleicht kann sich plötzlich die SP glaubwürdiger als Atomkraftgegnerin profilieren als die Grünen. Für einzelne Kandidaten ist es überdies entscheidend, Panaschierstimmen zu sammeln.

Sie sagen, die Wahlresultate bleiben stabil. Wie wichtig ist denn überhaupt der Wahlkampf?

In der Schweiz ist der Wettbewerb zwischen den Parteien minim. Wir haben sehr solide Verhältnisse und gehen von einem Erdrutsch aus, wenn eine Partei drei Prozente gewinnt oder verliert. Das bedeutet: Die meisten Wähler verändern ihre Haltung nicht allzu stark. Dadurch hat auch der Wahlkampf weniger grosse Auswirkungen. Die Parteien können auf eine starke Stammwählerschaft zählen. Und bei stabilen Verhältnissen spielen andere Fragen eine wichtigere Rolle – geschickte Bündnisse für die Ständeratswahlen und strategisch gute Listenverbindungen.

Gerade für neue Kandidaten ist der Wahlkampf doch entscheidend.

Womöglich können sie von einem aktiven Wahlkampf profitieren. Aber auch die vorherige Bekanntheit der Person ist nicht zu unterschätzen. 80 bis 90 Prozent der Kandidaten haben allerdings weder die Chance gewählt zu werden noch einen Ersatzplatz zu gewinnen. Sie sammeln vor allem Stimmen für ihre Parteien.

Können Sie bereits abschätzen, welche Partei im Aargau als Gewinner aus den Wahlen geht?

Es ist sehr schwierig, die in der Schweiz jeweils kleinen Veränderungen zu prognostizieren. Im Aargau kommt hinzu, dass die letzten kantonalen Wahlen 2012 stattfanden und damit relativ weit zurückliegen. Allerdings lässt sich aus den Wahlen vom Frühjahr in den Kantonen Zürich, Baselland, Luzern und Tessin abschätzen, dass wohl auch im Kanton Aargau die FDP dazugewinnen und die Grünen etwas verlieren werden.

Ein nationaler Trend.

Interessant ist, dass sich in den letzten zehn, zwanzig Jahren die Kampagnen verschoben haben. Vorher waren die Kantone sehr wichtig. Heute sind die Wahlen stärker national geprägt. Früher hingen nie schweizweit dieselben Plakate. Heute ist das normal.

Warum diese Veränderung?

Das hängt auch mit der veränderten Medienlandschaft zusammen. Fernsehen und Gratiszeitungen haben eher die nationale Politik im Visier. In vielen Kantonen gibt es keine bedeutenden Zeitungen mehr. Der Aargau ist da mit der az schon fast eine Ausnahme. Der Wahlkampfbus bringt den Wahlkampf zurück auf die lokale Ebene. Und da lassen sich die Leute durchaus auch mobilisieren.

Störer: Wahlkampfbus Störer

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