Drohend schieben sich Regenwolken über den az-Wahlkampfbus. Auf dem Theaterplatz in Baden, dem ersten Tour-Stopp, treffen nach und nach Gäste ein, blicken hoch zum Himmel, huschen in den Bus. Doch pünktlich zu Beginn des Podiums bricht die Sonne durch. Nur: Sonderlich heiter sind die Gesprächsthemen nicht. Es geht um das Sparpaket, das der Kanton schnüren will – obwohl die Bevölkerung im März ein früheres Sparpaket abgelehnt hat. Und es geht um die gewaltigen Flüchtlingsströme, die hierzulande Betroffenheit und bisweilen Angst auslösen.

Bei der ersten Station des az-Wahlkampfbusses in Baden geraten SVP-Stamm und Juso-Vock aneinander

Bei der ersten Station des az-Wahlkampfbusses in Baden geraten SVP-Stamm und Juso-Vock in der Flüchtlings-Frage aneinander.

Alle Podiums-Teilnehmer: Jonas Fricker (Grüne, Baden), Florian Vock (Juso, Baden), Lilian Studer (EVP, Wettingen), Susanne Voser (CVP, Neuenhof), Johannes Jenny (FDP, Dättwil), Luzi Stamm (SVP, Baden).

Themen, über die sich gut streiten lässt. Die gut 60 Zuschauer durften eine hitzige Diskussion erwarten zwischen den sechs geladenen Nationalratskandidaten: Jonas Fricker (Grüne), Florian Vock (Juso), Lilian Studer (EVP), Susanne Voser (CVP), Johannes Jenny (FDP) und Luzi Stamm (SVP). Für Spannung sorgt jedoch bereits die Einstiegsfrage von az-Chefredaktor Christian Dorer, dem Moderator. Er fragte Vock: «Junge Politiker dürfen frech sein, die Juso erst recht. Warum präsentieren Sie sich auf dem Wahlplakat wie ein Ministrant?»

Welche Schlagzeile die Nationalratskandidaten über einen Artikel setzen würden, der von ihnen selbst handelt.

Welche Schlagzeile die Nationalratskandidaten über einen Artikel setzen würden, der von ihnen selbst handelt.

Der 25-jährige Badener schaute verdutzt. Der Hintergrund: Auf seinem schwarzgrauen Wahlplakat trägt er ein bis oben zugeknöpftes, weisses Hemd mit rundem Kragen, die Haare adrett nach hinten gekämmt. Zaghaft holt Vock aus zur Antwort, atmet tief ein und kontert: «Das ist ein modernes Hemd aus London. Aber: Ihr älteren Journalisten wisst halt nicht mehr, was cool ist.»

Die Probleme türmen sich

Dann aber wird es ernst. Soll der Aargau nun Steuern erhöhen oder Ausgaben kürzen? Von linker Seite heisst es, der Kanton habe die Steuern gesenkt. Nicht aber für die gesamte Bevölkerung, sondern nur für die Reichen. «Nun haben wir ein Einnahmedefizit», sagt Vock.

Der az-Wahlkampfbus startet auf seine Tour

Der az-Wahlkampfbus startet auf seine Tour

Das sei doch völlig falsch, votiert FDP-Mann Jenny. Der Staat gebe ständig mehr Geld aus. «Wir haben ein Verkehrsproblem, ein Schulproblem, ein Einwanderungsproblem. Und immer mehr Steuern.» Ganz schön viele Probleme dräuen also über der Schweiz. Den Zuschauern könnte fast angst und bange werden. Obendrein referiert Fricker nun darüber, dass der Staat gerade in schwierigen Zeiten antizyklisch handeln soll – und schraubt sich dann empor zur Aussage: «Man darf den Staat jetzt nicht totsparen.» Und genau in diesem Moment ertönt ein Glockenschlag von der nahen Kirche und beendet den ersten Teil.

Asylwesen «in linker Hand»

Nun dreht sich die Diskussion um eine weitere existenzielle Frage: Was tun in der Flüchtlingskrise? «Haben wir im Aargau ein Flüchtlingsproblem?», fragt Dorer. Gemäss Sozialdirektorin Susanne Hochuli werde dies bloss von gewissen Parteien aufgebauscht.

«Eine unglaubliche Aussage», enerviert sich SVP-Nationalrat Luzi Stamm. Er schüttelt den Kopf und hämmert symbolisch auf den Tisch. Signalisiere die Schweiz, dass sie keine Flüchtlinge zurückschicke, setze man in Afrika eine Menschenwanderung in Gang. «Wer da noch sagt, wir hätten kein Asylproblem, gehört nicht auf diesen Posten.»

Für Stamm ist die Wurzel des Problems schnell ausgemacht: Das Asylwesen sei sowohl auf kantonaler wie auch auf Bundesebene in linker Hand. Zu lasch werde mit den bestehenden Gesetzen umgegangen.

Vock schüttelt den Kopf über Stamms Ausführungen und meint dann: Zynisch sei das. Weltweit seien 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Im letzten Jahr seien hier gerade mal 12 000 angekommen – eine vertretbare Zahl. EVP-Grossrätin Lilian Studer findet, man solle die Diskussion auf eine sachliche Ebene bringen. Ihre Lösung: Die Schweiz soll gemeinsam mit Europa nach Lösungen suchen und gegen Schlepper vorgehen. Bei allen Unstimmigkeiten sind sich alle Politiker zumindest in einem Punkt einig: Man müsse nun die Hilfe vor Ort verstärken.