Neunte Station

Der az-Wahlkampfbus in Zofingen: Grabenkampf um den Service public

Post, SRG, Polizei: Wie viel davon braucht es? Die sechs Politiker, die am verregneten Montag beim az-Wahlkampfbus dabei waren, waren sich uneins. Doch so kam es zu interessanten Diskussionen bei einem leckeren Apero.

Zofingen hat es gut. Vergleichsweise. Zwar verschwand die Post vor Jahren aus der Altstadt – und wurde durch einen Briefkasten ersetzt. Doch unweit entstand beim Bahnhof wieder eine neue Poststelle. 

Kleine Gemeinden trifft es hingegen härter. Beispielsweise Wiliberg, Thomas Burgherrs Wohnort. Es erfülle ihn mit Besorgnis, dass immer mehr Poststellen aus den Dörfern verschwänden, sagt der Aargauer SVP-Präsident beim az-Wahlkampfbus in Zofingen – auf dem Alten Postplatz.

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl sieht das anders: «Die Post erbringt eine bessere Leistung als früher. Ich kann heute einen Brief aufgeben und morgen ist er schon im Briefkasten.»

FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger nickt und ergänzt: «Verschickt man in Italien einen Brief mit der öffentlichen Post, ist es nicht sicher, ob er auch ankommt. In der Schweiz schon.»

Die beiden bürgerlichen Nationalräte werden sich noch öfters einig sein, an diesem Abend, beim neunten Podium der Tour durch den Aargau – einem Schlagabtausch zum Service public.

Was kann er leisten, was muss er leisten? So simpel die Einstiegsfrage von Beat Kirchhofer, Autor des Zofinger Tagblatts, so verschieden die Meinungen. Die Post geht ab!

Zweites Beispiel: SRG. Ginge es nach Guhl, dürften die Leistungen des Schweizer Fernsehens ruhig reduziert werden. Die bräuchten doch keine eigene Internetseite mit Nachrichten.

«Das können auch die Privaten», sagt er. Noch während Guhls Ausführungen hält Michael Kaufmann von der Jungen CVP das Mikrofon an die Lippen, möchte widersprechen, und lässt den Nationalrat dann doch ausreden. «Schön, dass wir hier einander nicht ins Wort fallen – nicht wie bei der letzten ‹Arena›-Sendung», sagt Guhl.

Bürgerliche gehen in Führung

Dann aber kommt Kaufmann doch zum Zug: Die Online-News von SRF seien wichtig, würden sie doch gerade von Jungen genutzt. Leute, die sich kein Zeitungsabo leisten könnten. Genau, findet SP-Grossrätin Viviane Hösli.

«Wenn es das Online-Angebot nicht gäbe, wäre das kaum zeitgemäss.» Burgherr wirft nun ein, der SRG werde allgemein zu wenig auf die Finger geschaut. Ihre Ausgaben seien zu hoch.

«Schade, dass die Bürger das neue Radio- und Fernsehgesetz angenommen haben.» Sagts und erntet damit die ersten Bravorufe des Abends. 1:0 für die Bürgerlichen.

Drittes Beispiel: Sicherheit. Eine Motion des Grünen-Grossrats Daniel Hölzle möchte im Kanton den gesetzlichen Mindestbestand von Polizisten aufheben. Im Aargau gäbe es zu viele. «Über Pensionierungen könnte man einige einsparen.»

Zumindest ein Zuschauer klatscht nun euphorisch. Er wäre nicht unglücklich, so scheint es, würden weniger Polizisten patrouillieren. Ausgleich der Linken. Doch nun doppeln die Bürgerlichen nach.

Guhl: «Wir brauchen mehr Patrouillen in den Dörfern – jetzt, wo es doch früher dunkel wird.» Und Eichenberger: «Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz wenig Polizisten.

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