Achte Station

az-Wahlkampfbus in Unterkulm: Was tun gegen Jobabbau?

Eine hochkarätige Runde war am Donnerstagabend beim az-Wahlkampfbus in Unterkulm. In der Diskussion ging es um die fortschreitende Deindustrialisierung - und ob die Politik tätig werden müsse.

Es wäre das hochkarätigste Podium der Bustour gewesen. Doch auch ohne Philipp Müller, der sich nach seinem Unfall aus dem Wahlkampf verabschiedete und deshalb nicht teilnahm, konnte sich das Aufgebot in Unterkulm sehen lassen: zwei Nationalräte, zwei Grossräte, ein ehemaliger Grossrat und ein ambitionierter Jungpolitiker.

Entsprechend erwarten die gut 50 Besucher auf dem Zentrumsplatz eine spannende Debatte. Eingehüllt in Winterjacken, unter fahlem, wolkenlosen Himmel treten die sechs Nationalratskandidaten schliesslich ans Podium. Eine herbstliche Kälte hat sich ausgebreitet.

Schnell geht es aber heiss zu und her. az-Redaktor und Moderator Mathias Küng will wissen, ob die Politik eingreifen muss, um die voranschreitende Deindustrialisierung zu stoppen. Oder ob man den freien Markt spielen lassen soll.

Bürokratiemonster besiegen 

«Den Staat braucht es dazu nicht», sagt FDP-Grossrat Ulrich Bürgi, der für Philipp Müller eingesprungen ist. «Wir bewegen uns in ganz Europa vom Industrie- zum Dienstleistungssektor.» Die Deindustrialisierung könne man nicht mehr aufhalten. SP-Nationalrätin Yvonne Feri ist da freilich anderer Meinung.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich selbst schreiben? Ulrich Bürgi, Yvonne Feri, Philippe Tschopp, Samuel Schmid, Sylvia Flückiger und Marianne Binder-Keller (v.l.) und ihre Antworten.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich selbst schreiben? Ulrich Bürgi, Yvonne Feri, Philippe Tschopp, Samuel Schmid, Sylvia Flückiger und Marianne Binder-Keller (v.l.) und ihre Antworten.

Als einzig linke Vertreterin am Podium steht sie inmitten bürgerlicher Kräfte. Die SP habe verschiedene Vorstösse eingereicht. Drei Beispiele: Erstens fordern sie einen Kündigungsschutz für Ältere. Zweitens soll der Bund aktiv werden für Weiter- und Umbildungen. Drittens soll ein Staatsfonds von zwei Milliarden Franken den KMU mit Darlehen helfen.

Die Linken fordern Massnahmenpakete, die Liberalen einen passiven Staat. Courant normal. Doch was sagt die politische Mitte? Für Philippe Tschopp von der Jungen BDP ist klar: «Wir müssen Regulierungen abbauen.» Etwa die Lebensmittelverordnung – ein 2000-seitiges Bürokratiemonster. Tschopp schüttelt den Kopf und verwirft seine Hände.

Dann rattert die Bahn vorbei

CVP-Grossrätin Marianne Binder-Keller kann sich Tschopp nur anschliessen. Problematisch seien auch die hohen Produktionskosten. Vor allem dürfe der Strompreis nicht ansteigen, skandiert sie nun im Takt des einsetzenden Warnsignals der Bahnschranke.

Und während die Wynental- und Suhrentalbahn vorbeirattert, setzt Samuel Schmid von der Sozial-Liberalen Bewegung ein: «Verschiedene Parteien haben gute Lösungen.» Gemeinsam müssten wir die Bildung stärken, wie es die SP fordere. Und Staatsaufträge dürften nur noch an hiesige Unternehmen gehen, wie das die SVP will.

Jungpolitiker kämpfen kreativ Jung und apolitisch? Mitnichten. Zahlreiche Jungparteien starten mit eigenen Listen ins Rennen um einen Nationalratssitz. So ist auch bei jedem Halt des az-Wahlkampfbusses mindestens ein Vertreter einer Jungpartei dabei. In Rheinfelden und Laufenburg waren es sogar zwei. Nur: Sich neben den Altmeistern und Koryphäen in Szene zu setzen, das ist schwierig. Dazu braucht es vor allem eines: Kreativität. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht: Die Jungen Grünliberalen etwa publizierten ein Kochbuch, die Juso organisierte einen Polit-Slam, die Junge SVP tuckert mit einem Wahlkampfmobil durch den Kanton und die Jungfreisinnigen verschickten 12 000 falsche Wahlcouverts. Ein besonders aktiver Jungpolitiker ist der 23-jährige Philippe Tschopp von der Jungen BDP, der am Podium in Unterkulm auftrat. Was unternimmt er, um sich abzuheben? «Ich setze vor allem auf Social Media», sagt er. Damit erreiche er eher junge Wähler als mit den gewöhnlichen Standaktionen. Die er freilich auch mache. Und weil Tschopps Wahlkampfbudget nicht so hoch ist wie jenes von anderen Jungparteien, ist er auf Facebook und seiner Website umso aktiver. Beispielsweise hat er ein Polit-ABC gestartet. Jeder Buchstabe gibt ein Thema vor. Bis zu den Wahlen will er alle abarbeiten und zu jedem Thema seine Position darlegen. (BAS)

Wahlwerbung Anders

Jungpolitiker kämpfen kreativ Jung und apolitisch? Mitnichten. Zahlreiche Jungparteien starten mit eigenen Listen ins Rennen um einen Nationalratssitz. So ist auch bei jedem Halt des az-Wahlkampfbusses mindestens ein Vertreter einer Jungpartei dabei. In Rheinfelden und Laufenburg waren es sogar zwei. Nur: Sich neben den Altmeistern und Koryphäen in Szene zu setzen, das ist schwierig. Dazu braucht es vor allem eines: Kreativität. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht: Die Jungen Grünliberalen etwa publizierten ein Kochbuch, die Juso organisierte einen Polit-Slam, die Junge SVP tuckert mit einem Wahlkampfmobil durch den Kanton und die Jungfreisinnigen verschickten 12 000 falsche Wahlcouverts. Ein besonders aktiver Jungpolitiker ist der 23-jährige Philippe Tschopp von der Jungen BDP, der am Podium in Unterkulm auftrat. Was unternimmt er, um sich abzuheben? «Ich setze vor allem auf Social Media», sagt er. Damit erreiche er eher junge Wähler als mit den gewöhnlichen Standaktionen. Die er freilich auch mache. Und weil Tschopps Wahlkampfbudget nicht so hoch ist wie jenes von anderen Jungparteien, ist er auf Facebook und seiner Website umso aktiver. Beispielsweise hat er ein Polit-ABC gestartet. Jeder Buchstabe gibt ein Thema vor. Bis zu den Wahlen will er alle abarbeiten und zu jedem Thema seine Position darlegen. (BAS)

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