Vierte Station

az-Wahlkampfbus in Bad Zurzach: «Stau ist ein Aargauer Problem»

Pünktlich über die A1 nach Bad Zurzach zu kommen, war für den az-Wahlkampfbus eigentlich nicht selbstverständlich. Denn der Kanton Aargau droht, im Verkehrschaos unterzugehen. Doch es gibt eine Lösung – und viele verschiedene Meinungen dazu.

Bis anhin erreichte der az-Wahlkampfbus immer pünktlich sein Ziel. Auch bei seinem vierten Stopp in Bad Zurzach. Nur: Das ist eigentlich nicht selbstverständlich. Vor allem nicht im Aargau, wo die A1 ständig verstopft sei, ein Kanton, der im Verkehrschaos unterzugehen drohe, wie die bürgerlichen Podiumsteilnehmer wieder und wieder betonen. 

Beispielsweise SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht. Er sagt: «Meine Chauffeure versuchen täglich, Backmehl pünktlich an die Bäcker zu liefern. Doch das wird immer schwieriger.» Es brauche einen konsequenten Ausbau auf sechs Spuren – nicht nur der A1. Auch Maya Bally Frehner von der BDP findet, zwischen Zürich und Bern müsse man den Verkehr endlich ausbauen, sowohl den öffentlichen wie auch den privaten.

Eine Forderung, die FDP-Grossrat Thierry Burkart gefällt: «Bitte wählen», sagt er zum Publikum und zeigt auf Bally Frehner. Für ihn ist klar: Der Stau auf der A1 ist vor allem ein Aargauer Problem. Über 60 Prozent nutzten die Autobahn, um innerhalb des Kantons vom einen zum anderen Ort zu gelangen. «Die Verstopfungen verlagern sich dann auf die Dörfer und Städte.»

Solche Probleme kennt Mia Kicki Gujer von den Juso nicht. Wie immer sei sie auch heute mit dem Zug angereist. «Ein Ausbau der A1 würde nur noch mehr Autofahrer einladen.» Doch was nun? Mehr Züge, mehr Strassen oder umsatteln aufs Velo? Eine Lösung hat der GLP-Mann Gian von Planta: «Wir müssen die regionalen Zentren stärken, damit nicht mehr alle nach Zürich oder Basel pendeln müssen.»

Mit der Parteidoktrin geimpft Von Antonio Fumagalli, Bundeshausredaktor Es scheint aus dem Rückenmark zu kommen. Thema ist der Verkehr – und Hansjörg Knecht, Ständeratskandidat der SVP, schafft es, innerhalb von zwei Sätzen den Bogen von seinen stauleidenden Mühlemitarbeitern zur sogenannten Masseneinwanderung in die Schweiz zu schlagen. Publikumswirksam, instinktiv, aus dem Rückenmark eben. Die Botschaft sitzt. Dass Knecht das beherrscht, erstaunt nicht. Er politisiert als Einziger der Referenten bereits im Bundesparlament und ist sozusagen offiziell mit der Parteidoktrin geimpft. Doch wer glaubt, dass die überregional noch nicht ganz so bekannten Kandidaten weniger linientreu sind und mit überraschenden Aussagen noch ein paar Stimmen von Stammwählern anderer Parteien zu erhaschen versuchen, irrt. FDP-Mann Thierry Burkart geisselt die «Subventionsjäger» zur Linken und zur Rechten, gemeint sind die Befürworter der Energiewende und die Bauern. BDP-Kandidatin Maya Bally Frehner sucht in der Migrationspolitik den Mittelweg zwischen Integration und schnellen Verfahren. Und Juso-Vertreterin Mia Kicki Gujer spricht angesichts der Flüchtlingskrise vom «Privileg zu helfen». Es ist Wahlkampf entlang der bekannten Parteilinien. Am erfrischendsten wirkt die Aussage von CVP-Kandidat Andreas Meier. Er gibt freimütig zu, ab und an so viel Wein zu trinken, dass er danach nicht mehr Auto fahren könne. Kennt man seinen Beruf, überrascht allerdings auch das wiederum nicht. Er ist Winzer. antonio.fumagalli@azmedien.ch

Kommentar des Polit-Profis

Mit der Parteidoktrin geimpft Von Antonio Fumagalli, Bundeshausredaktor Es scheint aus dem Rückenmark zu kommen. Thema ist der Verkehr – und Hansjörg Knecht, Ständeratskandidat der SVP, schafft es, innerhalb von zwei Sätzen den Bogen von seinen stauleidenden Mühlemitarbeitern zur sogenannten Masseneinwanderung in die Schweiz zu schlagen. Publikumswirksam, instinktiv, aus dem Rückenmark eben. Die Botschaft sitzt. Dass Knecht das beherrscht, erstaunt nicht. Er politisiert als Einziger der Referenten bereits im Bundesparlament und ist sozusagen offiziell mit der Parteidoktrin geimpft. Doch wer glaubt, dass die überregional noch nicht ganz so bekannten Kandidaten weniger linientreu sind und mit überraschenden Aussagen noch ein paar Stimmen von Stammwählern anderer Parteien zu erhaschen versuchen, irrt. FDP-Mann Thierry Burkart geisselt die «Subventionsjäger» zur Linken und zur Rechten, gemeint sind die Befürworter der Energiewende und die Bauern. BDP-Kandidatin Maya Bally Frehner sucht in der Migrationspolitik den Mittelweg zwischen Integration und schnellen Verfahren. Und Juso-Vertreterin Mia Kicki Gujer spricht angesichts der Flüchtlingskrise vom «Privileg zu helfen». Es ist Wahlkampf entlang der bekannten Parteilinien. Am erfrischendsten wirkt die Aussage von CVP-Kandidat Andreas Meier. Er gibt freimütig zu, ab und an so viel Wein zu trinken, dass er danach nicht mehr Auto fahren könne. Kennt man seinen Beruf, überrascht allerdings auch das wiederum nicht. Er ist Winzer. antonio.fumagalli@azmedien.ch

Sympathieträger der falschen Partei von Matthias Hug, Online-Praktikant Egal, ob man mit dem öV oder dem Auto fährt, links und rechts an den Strassenrändern stehen mehrere hundert Köpfe von Politikern, die gewählt werden wollen. Junge Erwachsene wie ich gelten als die, die kaum abstimmen gehen und die Politik einen alten Hut interessiert. Für mich gilt das nicht: Bereits an meinem achtzehnten Geburtstag habe ich das erste Mal den Stimmzettel ausgefüllt, damals unter anderem gegen die umstrittene «1:12»-Initiative. Nun bin ich Neuwähler und habe die Qual der Wahl. Wenn man nicht derselben Meinung ist wie die Eltern, muss man sich Informationen von einer neutralen Quelle beschaffen. Ich mache das vor allem im Internet auf den Plattformen der Parteien. Doch bei einer National- und Ständeratswahl sieht die Sache etwas anders aus. Ich will nicht irgendjemanden wählen, sondern Politiker, die am ehesten meine Meinung vertreten. An einem Anlass wie dem Wahlkampfbus lernt man die Politiker so kennen, wie sie sind, sie können die Antworten nicht zurechtbiegen – gesagt ist gesagt. Schlagfertigkeit ist von grossem Nutzen und Anekdoten zeigen, wie sehr ein Politiker Politiker oder eben Mensch ist. Die Erfahrungen, die man bei einer solchen Podiumsdiskussion sammelt, sind lehrreich. Nur ein Problem habe ich jetzt: Diejenigen Politiker, mit denen ich am meisten sympathisiere, sind die, deren Partei am wenigsten meinem Programm entspricht. matthias.hug@azmedien.ch

Kommentar des Neuwählers

Sympathieträger der falschen Partei von Matthias Hug, Online-Praktikant Egal, ob man mit dem öV oder dem Auto fährt, links und rechts an den Strassenrändern stehen mehrere hundert Köpfe von Politikern, die gewählt werden wollen. Junge Erwachsene wie ich gelten als die, die kaum abstimmen gehen und die Politik einen alten Hut interessiert. Für mich gilt das nicht: Bereits an meinem achtzehnten Geburtstag habe ich das erste Mal den Stimmzettel ausgefüllt, damals unter anderem gegen die umstrittene «1:12»-Initiative. Nun bin ich Neuwähler und habe die Qual der Wahl. Wenn man nicht derselben Meinung ist wie die Eltern, muss man sich Informationen von einer neutralen Quelle beschaffen. Ich mache das vor allem im Internet auf den Plattformen der Parteien. Doch bei einer National- und Ständeratswahl sieht die Sache etwas anders aus. Ich will nicht irgendjemanden wählen, sondern Politiker, die am ehesten meine Meinung vertreten. An einem Anlass wie dem Wahlkampfbus lernt man die Politiker so kennen, wie sie sind, sie können die Antworten nicht zurechtbiegen – gesagt ist gesagt. Schlagfertigkeit ist von grossem Nutzen und Anekdoten zeigen, wie sehr ein Politiker Politiker oder eben Mensch ist. Die Erfahrungen, die man bei einer solchen Podiumsdiskussion sammelt, sind lehrreich. Nur ein Problem habe ich jetzt: Diejenigen Politiker, mit denen ich am meisten sympathisiere, sind die, deren Partei am wenigsten meinem Programm entspricht. matthias.hug@azmedien.ch

az-Wahlkampfbus in Bad Zurzach: Welche Schlagzeile würden die Politiker über sich schreiben?

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