Sechste Station

az-Wahlkampfbus: «Hat der Aargau ein Imageproblem?»

Die sechste Station des az-Wahlkampfbusses war der bisherige Höhepunkt auf der Bus-Tour. Fast hundert Zuschauer kamen zum Podium, das sich nicht mit Flüchtlingen, sondern mit dem Aargauer Imageproblem beschäftigte.

In den vergangenen Tagen stand er in den Schlagzeilen, gestern aber auf dem Freischarenplatz in Lenzburg. Gemeint ist nicht etwa der az-Wahlkampfbus, sondern SVP-Grossrat Andreas Glarner.

Diesmal jedoch sprach er nicht über Flüchtlinge – wie im inzwischen berühmt gewordenen ARD-Interview. Dennoch bezog sich die Ausgangsfrage am sechsten Wahlkampf-Podium auch auf Glarners TV-Auftritt: «Hat der Aargau ein Imageproblem?», wollte az-Chefredaktor Christian Dorer von den Nationalratskandidaten wissen. 

Ferien am Hallwilersee

Auf der rechten Seite: die bürgerlichen Politiker, drei Männer. Auf der linken Seite: SP, GLP und CVP, drei Frauen. Als Erstes greift dann der Jüngste zum Mikrofon. Adrian Schoop von der Jungen FDP holt Luft und feuert maschinengewehrartig Sätze auf das Publikum: «Der Aargau hat natürlich kein Imageproblem. Ich habe sogar meine Sommerferien hier verbracht. Am Hallwilersee – und nicht in der Karibik.»

Dafür erntet Schoop Zustimmung. Sabine Sutter-Suter von der CVP hat eine Idee: Das Image als Durchgangskanton müsse man einfach umkehren. «Kommt her, hier lässt es sich gut leben.» BDP-Mann René Bossard findet, es kämen noch immer zu wenig Touristen in den Aargau. «Wer aber kommt, staunt, wie schön es hier ist.»

Rausgeputzt für den Einsatz in Lenzburg: Der az-‪‎Wahlkampfbus‬ hat am Nachmittag noch eine Dusche in der ‪Waschanlage‬ genommen.

Rausgeputzt für den Einsatz in Lenzburg: Der az-‪‎Wahlkampfbus‬ hat am Nachmittag noch eine Dusche in der ‪Waschanlage‬ genommen.

Schön ist es denn tatsächlich in Lenzburg, am Rand der Altstadt, bei untergehender Sonne. Noch nie strömten derart viele Leser zum Wahlkampfbus. Fast hundert sind gekommen – und werden nicht enttäuscht. Nach und nach entspinnt sich eine harsche Debatte: Wie soll der Aargau das Verkehrsproblem lösen? Glarner setzt auf den Autobahnausbau, SP-Frau Gabriela Suter will die Strassenkasse für den öV verwenden. Es brauche beides sagt Bossard, der Geschäftsführer des Regionalbus Lenzburg.

Erfolgreich in die Halbzeit

Der Stopp in Lenzburg war für den az-Wahlkampfbus ein Heimspiel. Hier fuhr er noch bis Anfang August als Linienbus. Die Halbzeit der Tour durch den Aargau hat er nun erfolgreich gemeistert; unfallfrei und ohne Schäden. Und was er bisher immer hatte: Wetterglück. Oft sorgte die Abendsonne für Wärme – vergangenen Montag wurden in Rheinfelden Zuschauer und Politiker sogar von spätsommerlichen Temperaturen verwöhnt. Regen gab es bisher nur in Bad Zurzach. Und das war gut so – denn dort befand sich der einzig gedeckte Platz der Tour.

Auf dem Freischarenplatz dreht sich die Debatte noch immer um das Verkehrsproblem. Auch Schoop votiert nun für den Autobahnausbau auf sechs Spuren. «Besonders für KMU muss der Verkehr unbedingt rollen», sagt er. Und während Glarner wiederholt, dass man endlich handeln müsse, breitet sich auf Gabriela Suters Gesicht allmählich Verzagtheit aus. Sie hält den beiden den oft zitierten Satz entgegen: «Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten.» Und: In 15 Jahren hätten wir wieder dieselben Probleme – eine verstopfte Autobahn. Glarner schaut derweil zu Boden, überlegt sich einen nächsten Konter. Die Diskussion hätte noch lange weitergehen können.

Junge Politiker überzeugen

Die Halbzeit der Tour war zugleich der bisherige Höhepunkt. Nicht nur wegen der Besucherzahl. Doch auch an anderen Orten ergaben sich spannende Diskussionen – mal hitziger, mal freundlicher, mal konstruktiver. Bemerkenswert: Unerfahrene Jungpolitiker sahen in den Debatten nicht etwa alt aus gegen die Polit-Schwergewichte. An fähigem Nachwuchs mangelt es offenbar nicht.

Auch nicht an Stoff für Debatten: Verkehr, Atomausstieg, Altersreform, Frankenstärke, das Verhältnis zur EU. Vor allem aber steuerten die Diskussionen früher oder später auf ein Thema: Flüchtlinge. Überraschend, dass es in Lenzburg nicht dazu kam.

Meistgesehen

Artboard 1