«Dugudaga-Dugudaga-Dugudaga!» Polo Hofer gibt Drummer Steve Grant im KVV-Studio in Niedergösgen den Groove seines Hits «Giggerig» von 1985 vor. Der erfahrene Profi, der schon mit Grössen wie Ben E. King, Curtis Mayfield, Simply Red oder Candy Dulfer spielte, versteht sofort. Und los gehts!

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Die az am Stadtfest Baden

Es ist die erste Probe der neuen Band von Sandra Rippstein mit Gastsänger Polo Hofer. Die 37-jährige Aargauerin, die man auch schon mal als Tina Turner des Wiggertals betitelt, sang schon mit Peter Reber, Phil Dankner, erarbeitete sich mit den Bluesaholics und danach mit ihrer Band The Rippettes im Kanton eine Fangemeinde mit englisch gesungenem Blues und Soul. Doch sie sang aus der Region für die Region. Dass sie längst zu den stärksten Frauenstimmen der Schweiz gehört, blieb bisher ein Geheimnis des Aargaus. Das könnte sich jetzt ändern. Denn Sandra Rippstein singt Mundart.

Der Startschuss für Rippsteins Mundart-Pop-Karriere fiel eigentlich schon 1997. Die junge Sandra sang damals in der Aargauer Band «generell» die Backing Vocals. Die Band erarbeitete sich ein ansehnliches Repertoire. Doch das Projekt versandete. Vor einem Jahr erinnerte sich Rippstein daran. «Eigentlich schade, dass mit dem guten Songmaterial nichts gemacht wurde», sagte sie vor einem Jahr – die Idee war geboren.

Zuerst entdeckte sie Pop Hofers Gitarrist

Zusammen mit ihrem Partner, dem Keyboarder Chris Heule, wurde das Material aktualisiert. Die Songs erhielten einen neuen Groove, einen neuen Sound, ein neues Kleid und natürlich einen neuen markanten Leadgesang. Dazu wurden die Texte angepasst. Die einst spontane Idee nahm Fahrt auf. Eine hochkarätige Band wurde zusammengetrommelt. Neben Grant konnte Marc Gerber, der aktuelle Gitarrist von Polo Hofer, gewonnen werden. Dazu die Aargauer «Cracks» Oliver Keller (Bass) und Moni Schär (Backing Vocals) sowie Stephan «Gesa» Geiser (Trompete) und Dave Feusi (Sax), die Memphis Horns der Schweiz. Das Resultat heisst «Filmriss»: leichtfüssiger, vielfältiger Mundart-Pop mit Einflüssen aus Soul und Disco im für Rippstein typischen «Zofiger» Dialekt.

«Sandra habe ich bis vor einem Jahr eigentlich nicht gekannt», sagt Polo Hofer nach der Probe. Augen und Ohren gingen ihm erst an einer Geburtstagsparty auf einem Camping-Platz am Bielersee auf. Dort spielten Sandra Rippstein & The Rippettes mit Polos Gitarrist Marc Gerber. «Ich wollte wissen, mit wem mein Gitarrist fremd geht», erzählt Polo. «Marc spielte grandios, doch da war noch diese Stimme: Sandra hat mich umgehauen. Sie ist ein Naturereignis und hat eine Power, die man nicht so schnell findet. Die meisten heutigen Sängerinnen schleichen sich eher durch die Songs und können höchstens im oberen Register Druck entfalten. Sandra ist aber auch im mittleren Bereich stark und gestaltet die Songs, füllt sie mit ihrer Energie,» schwärmt die Mundartlegende weiter.

Geld interessierte ihn nicht

Deshalb zögerte Polo auch keinen Moment, als Rippstein ihn ein paar Wochen nach der Initial-Begegnung in Biel für ein Mundart-Duett gewinnen wollte. «Er hat zugesagt, ohne zuvor über Geld gesprochen zu haben», erzählt Rippstein, «das war mir sehr sympathisch.» Auf dem Album «Filmriss», das am 31.August bei Nation Music veröffentlicht wird, singt er mit der Zofinger Sängerin den Disco-Funk-Song «Zucker im Härz». Die Single ist bei DRS1 bereits in die Playlist aufgenommen worden.

Die erste Probe in Niedergösgen läuft wie geschmiert. Kein Wunder bei dieser Band. Für die Konzert-Premiere und Plattentaufe am kommenden 21. August in Baden werden neben den Songs von «Filmriss» fünf Hofer-Klassiker ins Repertoire genommen. Neben «Giggerig» sind dies «Wyssebüehl», «Im letschte Tram» und «Wenn es nötig wär». Polo und Sandra umarmen sich, halten sich in den Refrains die Hand. Für die Premiere in Baden ist alles parat. Der Anfang ist gemacht. Doch wie geht es mit der Mundart-Karriere von Sandra Rippstein weiter? «Ich möchte natürlich weitermachen. Doch das hängt schon auch davon ab, wie das Album ankommt», sagt sie. «Die Musik ist super, der Gesang sowieso.

An den Texten könnte man aber schon noch etwas feilen», meint dazu Polo Hofer und empfiehlt der Sängerin, dass sie es selber probieren soll: «Sändle kann das», sagt er und will ihr dabei gern behilflich sein: «Ich will sie überzeugen, dass man intelligenten Mundart-Pop machen kann.» Umgekehrt soll Sandra ihm helfen, ein tolles Duett zu machen. «Auf meiner nächsten Produktion will ich sie mit dabei haben», sagt Polo euphorisch, «… und den Heule auch. Der macht den dreckigsten, expressivsten Hammond-Sound der Schweiz. Und überhaupt: Mit Aargauern habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.»

Sandra Rippstein: Filmriss, Nation. Ab 31. August erhältlich. Live-Premiere und Plattentaufe am 21. August, 19 Uhr, Kleine Bühne in der Stanzerei Baden. Eintritt gratis mit Stadtfest-Plakette.