9. Folge und letzte Folge von Menf Rhyner

Mit dem Böller auf dem Rücken

Weder Adi, Marc, Sepp, noch einem anderen Mitglied fiel ein wirkungsvoller Plan ein, Remigius Iseli diese Falle zu stellen. Es war der Tag des Feuerwerks. Stumm sassen sie am frühen Abend im Cave du Luc vor Mineralwasser und Kaffee. Wenn ihre Kopfschmerzen tönen könnten, bekäme jeder Zuhörer Kopfschmerzen davon. Beni von der Spanischbrödli Zunft hatte ihnen soeben eröffnet, wer dieser Remigius Iseli wirklich ist. Dass sich der Schatzmeister persönlich bereichert hatte, war das eine. Dass Iseli von der Zürcher Zunft zur Zimmerleuten im Auftrag der Stadt Zürich süferli in Baden eingeschleust wurde, war schlimmer. Denn die Zunft glaubte noch immer, die Badener hätten etwas mit dem Brand ihres Zunfthauses zu tun. Lächerlich. Iseli hat seine Flucht gut vorbereitet. Er war auf verschlungenen Wegen in der Aue angekommen. Noch zwei Minuten bis zum Auftakt des Feuerwerks. Er hatte nur einen Versuch und der war gefährlich. Eine letzte Kontrolle, ob der präparierte Böller, den er sich auf den Rücken gebunden hatte, sitzt. 3,2,1,..adieu Baden! Er winkte ein letztes Mal. Im Aktenkoffer alle Pläne für ein richtiges Fest. Als die Zürcher den Koffer öffneten, war ein Spanischbrödli drin.

8. Teil von Fritz Erni, Hertenstein

Geheimsitzung

Geheimsitzung, 04.00 Uhr im Stadtturm, 2 Tage vor dem Feuerwerk. Ohne Iseli. Sepp, der Schreiner vom Stadtturm: «Wisst ihr, dass der Iseli ein Zürcher ist?» Ungläubiges Schweigen. «Und wisst ihr, dass Remigius ein Heiliger war?» Jetzt brach das Gewitter los und alle wollten von Sepp wissen, wo denn der Zusammenhang bestünde? «Ein Heiliger und erst noch Zürcher, das passt doch nicht zusammen. Ich habe den Remigius schon oft beobachtet, wir er nervös die Kollekte nach dem Gottesdienst gezählt hat. Und letzthin hat er ein neues Auto gekauft und da habe ich mir schon meine Gedanken gemacht. Dieser Geizkragen; hat er sich vielleicht übernommen?» Jetzt meldete sich der gewiezelte Urs: «Geizkragen, Zürcher und Schulden? Der steckt doch mit dem Käferbändiger unter einer Decke! Der will doch die grosse Kohle machen und hat sich die ganze Käfergeschichte ausgedacht!!!» Noch manche Flasche Stadtwein wurde an dieser denkwürdigen Sitzung geleert. Man stelle sich mal vor: Um 5 Uhr morgens. Man beschloss, dem «Heiligen» eine Falle zu stellen. Aber das war nicht so einfach. Es musste unbedingt vorsichtig vorgegangen werden. Und bei diesen vielen Kommittee- Mitgliedern, die jetzt übernächtigt im Stadtturm hockten, liess die Konzentration merklich nach und auch die Zunge war unschwer zu bändigen...

7. Teil von Menf Rhyner, Baden

Die Gier bringt sich selbst um

Trotz seinem scheinbar todsicheren Plan, schlief Remigius Iseli schlecht. Nicht weil es nach wie vor eine höllisch warme Nacht war. Der Käferbändiger aus Zürich lief ihm langsam aber sicher aus dem Ruder. Er träumte nochmals seinen angsterfüllten Aufstieg zum Stadtturm und den Moment der Wahrheit vor dem Gremium. «Sie wissen es», dachte er. Soll er nun die Wahrheit sagen, oder davon ablenken? Iseli entschied sich für Letzteres. Schliesslich hatte er schon zuviel Badener Steine und Müllerbräu in diesen gierigen Schauspieler aus Zürich investiert. Und auch die Käferlarven waren nicht gratis. Es lief bisher doch alles bestens! Diese Schauspieler wissen nie wann das richtige Leben stattfindet. - «Das ist es! Heureka! Ich mache ihn mit Stella bekannt und drehe ihm einen Strick daraus! Ich meine, ich lasse sie ein präpariertes Seil spannen und wenn der Käferbändiger allein auf dem Seil ist...» Just als der Bändiger auf der Limmat aufschlug, erwachte Iseli mit einem Herzrythmus wie er ihn am Vorabend unter der Hochbrücke gespürt hatte. «Wie... wo... Krypta... Schlüssel...» Iseli war wieder bei sich. Er wusste, was er zu tun hatte. Niemand darf erfahren, dass er selber Zürcher ist.

6. Teil von Marita Knecht, Baden

Remigius hat einen makabren Einfall

In seiner Verzweiflung kam Remigius Iseli ein makabrer Einfall, wie man den Zürcher aus Baden wegschaffen könnte. In der Krypta der Sebastianskapelle sind Tausende von Totenschädeln und -gebeine in Reih und Glied aufgeschichtet. Da würde es doch nicht auffallen, wenn ... Remigius Iseli grauste selbst vor dieser Vorstellung. Aber er sah keinen andern Weg mehr. Er musste den Zürcher unter allen Umständen nachts in die Krypta zur Schatzsuche locken. Aber wie? Und wie verschafft er sich den Schlüssel? Da hilft wahrscheinlich nur eine Bestechung des Kustors oder der Sekretärin vom Pfarramt. Aber diesen Gedanken verwarf er ebenso rasch, wie er gekommen war. Es würde zu viel Zeit kosten, wäre zu riskant und zu unsicher. Das bedeutet also, einen Dietrich selbst basten. Im Kriesi-Areal fällt es momentan nicht auf, wenn in der Schlosserei gewerkelt wird. Gedacht, getan! Es war einfacher, als er sich dies vorgestellt hat. Mit dem Dietrich würde er nun jedes alte Türschloss knacken können. Seine geniale Idee stellte sein gestörtes Selbstvertrauen wieder her. Sein Plan würde aufgehen - er spürte es! Der gierige Zürcher Käferbändiger würde in die gestellte Falle laufen und wäre endgültig beseitigt.

5. Teil von Fritz Erni, Hertenstein

Die Schätze unter der Stadtkirche

«Mit Frauengestalten wollt Ihr mich bändigen? Mich, in meinem Alter? Ihr vergesst, dass ich ein Zürcher bin und dass wir Zürcher mit einem Gen auf die Welt kommen, das Gold heisst. Habt Ihr Badener Hinterwäldler noch nichts von der Goldküste gehört? Da ist eure Allmend ein verkommener Schiessplatz mit Pfrundhäusern. Und statt Geld zu verdienen, marschiert Ihr auf die Baldegg und verzehrt Kaffee und Kuchen in der Liegehalle. Da nützt auch der Turm nichts auf dem Ihr die Zürcher Kavallerie beobachten wollt. Wir werden euch schon noch Mores lernen, wenn Ihr mit dem Gold nicht herausrückt. Mein Freund Mörgeli wird seine Pappenheimer mobilisieren und dann werden die frischesten Spanischbrötli und der Botta kein Rezept gegen Turicum finden.» Remigius Iseli hörte dem Zürcher schweissgebadet zu. Wo sollte er noch Gold auftreiben, wo doch die güldenen Zeiten vorbei sind? Aber als gut informierter Kathole weiss er natürlich um die Schätze, die unter der Stadtkirche liegen. Wie konnte er dem Stadtschreiber seine geheimen Pläne verraten? Aber schliesslich geht es ja um die Rettung Badens und da unten, tief unter dem Kirchplatz, zählt doch keiner die staubigen Münzen nach, dachte er.

4. Teil von Carmen Rechsteiner

Zürcher mit Steinen besänftigen

Remigius Iseli kratzte sich aufgeregt an seinem rechten Schädelknochen und dachte scharf nach. Das war ein Problem. Baden musste den Zürcher Käferbändiger so schnell wie möglich wieder loswerden, denn Zürcher am Stadtfest, das gab nur Probleme. Die städtischen Geldreserven waren erschöpft. Wie gut, dass Baden noch andere Reserven für Krisenzeiten mit Zürchern hatte, mit denen sie diese in der Vergangenheit auch schon ruhiggestellt hatten. Remigius und der ihm zur Seite stehende Stadtschreiber nahmen die 111 Treppenstufen zur Ruine unter die Füsse. Die alte Schlossmauer musste dran glauben. Mit Schaufel und Pickel machten sie sich ans Werk. Sie trugen so viele Steine ab, bis das Ochsengespann voll geladen war und fuhren damit die Rütistrasse hinunter und auf den Kirchplatz, wo der Zürcher bereits wartete. Beim Anblick des Gespanns wurde dieser fuchsteufelswild, so dass die beiden tapferen Badener ihn zuerst in den Himmel schleppen mussten, wo sie ihn mit einem Spanischbrötli und einem Glas Thermalwasser besänftigen konnten. Wir machen dir ein anderes Angebot, sagte Iseli: In Baden werden die drei schönsten Frauengestalten gesucht, mit denen du dich eine Nacht lang vergnügen darfst.

3. Teil von Dave

Käferbändiger um zwei Münzen betrogen

Doch genau so kam es dann auch. Der miese Käfer, ganz munter ja, vergnügte sich fröhlich am Stadtfest falleraaa. Vor allem die fleissigen Männer und Frauen, die an ihren Holzständen hämmerten und zimmerten, mussten zusehen, wie sich der vollgefressene Käfer vermehrte. «Wenn es doch nur einen Käferbändiger gäbe», dachte sich der schweissgebadete Remigius Iseli, während er in seinem Aktenkoffer verzweifelt nach einer Visitenkarte suchte. «Wer sucht, der findet», freute er sich, und rief den Bändiger mit seinem Handy an. «Kein Problem, zehn Goldmünzen», sagte der Bändiger ganz ruhig. «Es muss aber schnell gehen», betonte Remigius, man stehe erst am Anfang des Fests. «Machen Sie sich keine Sorgen», entgegnete der Käferbändiger erneut in aller Ruhe. Gesagt, getan – der Bändiger vermochte die Ohren der über 1000 Käfer zu verzücken. «Also liebe Leut, habt Spass und feiert schön», sagte der Bändiger, als ihm Remigius einen Sack Goldmünzen übergab. Doch als der Käferbändiger die Münzen zählte, fehlten zwei. Dies würde er sich nicht gefallen lassen.

2. Teil von Fritz Erni, Hertenstein:

Ein Käfer bedroht die ganze Stadt

Remigius Iseli hetzte die Treppe hinauf. Schwer lasteten die Papiere, die er heute bekommen hatte, in seinem Aktenkoffer. Hätte er doch dieses Amt des Schatzmeisters für das Stadtfest 2012 nie angenommen. Es wäre ihm viel Kummer erspart geblieben. Aber jetzt, zwei Tage vor dem Böllerschuss, was blieb ihm übrig? Mitgegangen, mitgehangen.

Verärgert schauten die Kommissionsmitglieder, alles gewichtige Leute der Stadt, auf den Zuspätgekommenen. «Iseli, hesch nid uffmöge, zlang gfiiret geschter, he?», frotzelte Sepp, der Schreiner beim Stadtturm. «Dir wirds Lache no vergoo!», gab Remigius zurück. Hastig zog er ein Bündel Blätter aus einer Aktentasche. Die Blätter trugen ein grünes Logo mit der Botschaft: Sauberes Holz für eine saubere Schweiz. «Doo drin stoohts! Alles Holz vom Stadtfest muss sofort vernichtet werden. Alles sei verseucht, das Holz stamme aus Kannitverstaan und trage einen Käfer, der innert kurzer Zeit die ganze Stadt vernichten könne. Der Bericht geht mit Kopie an das Lebensmittelinspektorat in Aarau, Bundesrat und Parlament». Alle lachten ungläubig.

1. Teil von Geschichtenautor und Slam-Poet Simon Libsig:

«Müllerbräu, ich bliib Der treu!»

Remigius Iseli war spät dran. Die Stadtturmuhr zeigte ihm den Finger. Es war vier Uhr morgens, die Versammlung hatte vor einer Minute begonnen, das würde Ärger geben. Hastig tauchte das knöchrige Männlein seinen Kopf in den Löwenbrunnen und sagte die Losung.

Nichts geschah. Warte mal, es war doch «Müllerbräu, Müllerbräu, füll mi ab, ich bliib Der treu!», oder nicht? Hatten die das Passwort schon wieder geändert? Schatzmeister Iseli versuchte es mit «Lägerebräu...»

Nach drei weiteren Fehlversuchen entschied er sich, den Dienstboteneingang zu benutzen. Iseli kämmte sich seine nassen, grauen Strähnen zurück, dann rutschte er auf allen vieren zwischen Tabakfass und form+wohnen umher, bis er den unechten Pflasterstein gefunden hatte, ein Spanischbrödli aus dem Jahre 1702. Dreimal herzhaft reingebissen, schon wich der Stadtturm leicht zurück und gab eine Treppe frei. Sie war steil. Man konnte sich den Hals brechen. Remigius Iseli nahm seinen Aktenkoffer und all seinen Mut zusammen. Er hatte eine schlechte Nachricht zu überbringen.