Aufgebrachte Schüler haben der Redaktion letzte Woche gemeldet, das Modell der Schlossruine Stein sei zerstört worden. Tatsächlich beweist ein Augenschein vor Ort: Das Modell befindet sich nicht mehr in der Schulhausplatz-Unterführung – gähnende Leere in der Vitrine.

Doch Daniel Lötscher, Projektleiter bei der Stadt Baden, beruhigt sogleich: «Das Modell wurde nicht zerstört.» Vielmehr sei es in Einzelteile demontiert und abgebaut worden.

«Doch es war gar nicht so einfach, das neun mal drei Meter grosse Gips-, Kleister- und Holzmodell abzubauen. Wir mussten es für den Transport in Einzelteile zerlegen und hierfür sogar mit der Motorsäge ans Werken gehen», so Lötscher. Es könne deshalb gut sein, dass Zeugen dies als Zerstörung interpretiert hätten.

Stadt Baden: «Lagerung zu teuer, fürs Museum wertlos»

Das Modell im Massstab 1:20 wurde vom SAC Sektion Lägern hergestellt und erstmals im Festzug an der Badenfahrt 1937 mitgeführt. Mit dem Umbau der Jugendherberge Aue wurde es 1968 von der Aue an den Standort in der Unterführung versetzt.

Das Modell sei aus historischer Sicht jedoch als «Requisit» zu bezeichnen und nicht als «Modell», betont Lötscher. «Dieses Modell wurde zwar nach Vorlagen hergestellt, es zeigt aber zwei wesentliche Fehler in der Ausführung und kann deshalb nicht als Modell gehandelt werden.»

Weshalb hat es die Stadt nicht selber behalten? «Die Lagerung wäre zu teuer; für ein Museum zu wertlos.»

Auftritt an der Badenfahrt 2017

Man habe das Modell jetzt dem Verein Badenfahrt übergeben. «Wir lassen uns jetzt von ihrem Einsatz und ihrem Wirken überraschen; wer weiss, vielleicht sehen wir unser Schloss ja schon bald wieder», sagt Lötscher lachend.

Adi Hirzel, Präsident des Vereins Badenfahrt, bestätigt: «Ja, das Modell ist wieder in unserem Besitz. Derzeit lagert es in einer Garage in Ennetbaden.» Man werde an der kommenden Badenfahrt 2017 sicher eine Verwendung für das Modell haben. Hirzel: «Es wir also ganz sicher nicht einfach verstauben.»

Übrigens: Modelle der Stadt Baden und der Bäder und von Ennetbaden um das Jahr 1670 im Massstab 1:333 sind im Historischen Museum in Baden zu besichtigen.

Doch nicht nur das Schloss-Modell ist verschwunden, auch viele der Vitrinen sind leergeräumt. «Die Mietverträge mit den Vereinen wurden gekündigt», so Lötscher. Bis gestern hätten die Vereine Zeit gehabt, die Schaufenster zu räumen.