Der ältere Matchbesucher winkte ab und verzog sein Gesicht. Grund für seinen Unmut: Nach 70 Minuten vergab FCD-Stürmer Luca Dimita eine weitere Chance zur Führung, sein ohne Überzeugung abgegebener Kopfball stellte den untadeligen Balzers-Keeper Thomas Hobi vor keine grossen Probleme. «Das gibt heute nichts mehr», meinte der Zaungast, sein Nachbar nickte schweigend.
Die Skepsis der Fans war nicht unbegründet. Zwar führten die Limmattaler auf dem holprigen Rasen die technisch feinere Klinge und erspielten sich auch einige Möglichkeiten. Brandgefährlich tauchten sie jedoch nie vor dem gegnerischen Kasten auf. Ein 0:0 in diesem Spiel zweier Teams, die im Hinblick auf den drohenden Fall näher an den Strich nicht verlieren durften, schien ein logisches Resultat zu sein.

Nimmermüder FC Dietikon

Doch dann kam die Schlussphase – und plötzlich war auf der Dornau etwas los. In der 75. Minute rollte ein weiterer Angriff des nimmermüden FC Dietikon in Richtung Balzers-Strafraum. Shaho Maroufi tankte sich auf der linken Seite durch, wurde von FCB-Verteidiger Heeb abgedrängt, spielte dennoch den Ball flach vors Tor. FCD-Stürmer Dimita hatte den richtigen Riecher, stand goldrichtig und drosch das Leder zum umjubelten 1:0 in die Maschen. Es war die erste Aktion der Gastgeber, in welcher sie mit letzter Konsequenz den Torerfolg gesucht hatten. Und somit die massierte Liechtensteiner Defensive ausspielen konnten.

Rot für Balzers

Die Limmattaler brachten den knappen Vorsprung problemlos über die Zeit. Auch deshalb, weil sich die Gäste in der 81. Minute gleich selbst dezimierten. FCB-Verteidiger Heeb holte Dietikons Maroufi brutal von den Beinen und erhielt von Ref Mülheim den Marschbefehl unter die Dusche.
Nach dem Schlusspfiff bilanzierte ein zufriedener FCD-Trainer Goran Ivelj: «Meine Spieler haben den grösseren Siegeswillen gezeigt. Balzers hat phasenweise mit fünf, sechs Mann verteidigt, doch wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das Resultat geht aus meiner Sicht in Ordnung.» Eine etwas andere Sicht der Dinge hatte der gesperrte Balzers-Spielertrainer Mario Frick. «Wir haben heute gut mitgespielt», sagte der 41-jährige Liechtensteinische Rekord-Nationalspieler.
Wie dem auch sei. Nach dem Erfolg, dem ersten nach drei sieglosen Partien, können die Dietiker wieder etwas entspannter auf die Tabelle blicken. Sie weisen neu sieben und mehr Punkte Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze auf. «Ausruhen dürfen wir uns natürlich nicht», mahnt Trainer Ivelj. Am kommenden Samstag steht das schwierige Auswärtsspiel gegen den Tabellensechsten Gossau (gestern 0:2 gegen Eschen-Mauren) an.