Rahel Kiwic, Sie spielen in der deutschen Bundesliga beim MSV Duisburg. Können Sie vom Fussball leben?

Rahel Kiwic: Ja, seit meinem Wechsel von Zürich nach Duisburg kann ich mich voll auf den Fussball konzentrieren. Das ist sehr wichtig für mich, denn so konnte ich mich optimal für die Weltmeisterschaft vorbereiten.

Ihr Wechsel im letzten Sommer vom FCZ zum MSV Duisburg hat Ihre Chancen auf einen WM-Platz vergrössert, richtig?

Ja, das Niveau in der Bundesliga ist schon um einiges höher als in der Nationalliga A. Ich profitierte Woche für Woche von meinen starken Mitspielerinnen, das ist ein riesiger Vorteil.

Sie spielen bereits in einer grossen, europäischen Liga. Trotzdem: Ist die WM vielleicht auch ein Schaufenster für Sie?

Absolut. Vielleicht wird ja der eine oder andere Scout auf mich aufmerksam (lacht). Es ist ein guter Ort, um sich zu beweisen. Ich schwärme seit Kindestagen für Chelsea.

Eine lange Vorbereitung liegt hinter euch. So viele Frauen in einem Hotel, ist da Zickenterror nicht programmiert?

Nein, die Stimmung ist hervorragend. Wir freuen uns alle auf dieses Grossereignis. Klar, redet man mit manchen mehr, und mit anderen weniger. Mit meiner ehemaligen Teamkollegin bei Zürich, Fabienne Humm, habe ich ein tolles Verhältnis. Auch Martina Moser und Ana Crnogorcevic sind in unserem Grüppchen.

Wohin führt der Weg an der Weltmeisterschaft?

Wir wollen den Achtelfinal erreichen und dann Spiel für Spiel nehmen. In der K.-o.-Phase liegt viel drin, es ist ja nur eine Partie.

Was bedeutet es Ihnen, für die Schweizer Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen?

Es erfüllt mich mit grossem Stolz. Ich bin Schweizerin durch und durch und werde das Beste für mein Land
geben.

Sie sind in Dietikon aufgewachsen. Welchen Bezug haben Sie noch zum Limmattal?

Ich fühle mich dort zu Hause. Meine Eltern wohnen noch immer in Dietikon. Wenn ich sie besuche, kann ich in meinem Kinderzimmer schlafen, das ist ein schönes Gefühl.

Eseosa Aigbogun hat gut lachen.

Eseosa Aigbogun hat gut lachen.



Eseosa Aigbogun: Bald startet die WM. Was sind Ihre persönlichen Ziele in Kanada?

Eseosa Aigbogun: Ich will der Mannschaft in allen Belangen helfen, so gut es geht. Egal, ob ich auf der Ersatzbank oder auf dem Feld bin, ich werde mein Bestes geben.

Für die Schweizer Frauenfussballnationalmannschaft ist es die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Was bedeutet dies für den Frauenfussball in der Schweiz?

Es gibt einen gewaltigen Schub, das spürt man. Es motiviert viele junge Spielerinnen in der Schweiz, noch mehr zu trainieren, um auch einmal die Chance zu haben, an einer WM teilnehmen zu können. In den letzten Trainings bei meinem Klub Basel ging es nur noch um die bevorstehende Weltmeisterschaft. Alle Nationalspielerinnen gaben alles, um dabei sein zu können. Das half auch jenen Spielerinnen, die nicht zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehören. Auch sie haben mitgezogen und bis zum Schluss ihrer Saison Vollgas gegeben.

Was machen Sie neben dem Fussball?

Ich arbeite in einem 50-Prozent-Pensum auf der Geschäftsstelle der Basler Nachwuchsstiftung.

Erhalten Sie zusätzliche Ferien für die WM oder mussten Sie unbezahlten Urlaub nehmen?

Ich habe für die gesamte Vorbereitung und die WM freibekommen. Mein Arbeitgeber ist sehr spontan. Ich kann also immer zur Nationalmannschaft gehen, wenn ich aufgeboten werde und verpasse auch kein Morgentraining beim FCB.

Wie wichtig ist Ihnen das Aussehen auf dem Platz?

Unwichtig ist es mir nicht, es hat aber keine Priorität (lacht).

Werden Sie bei der Nationalhymne mitsingen?

Das mache ich immer. Bei uns singen alle immer mit. Anstatt Vaterland singe ich aber Mutterland, weil meine Mutter Schweizerin ist.

Was halten Sie von Martina Voss-Tecklenburg?

Ich finde Sie eine grossartige Trainerin. Ich bin für jedes Training dankbar, wo ich von ihr lernen darf. Ich nehme aus jeder einzelnen Einheit etwas mit.