Goran Ivelj gilt als äusserst ehrgeizig – Niederlagen pflegen ihn eine Spur mehr zu ärgern, als viele seiner Trainerkollegen. Nach dem verdienten 1:3 gegen Wettswil-Bonstetten war sich der 1.-Liga-Trainer des FC Dietikon dennoch nicht zu schade, einige seiner Gegner herzlich zu umarmen. Das kommt nicht von ungefähr. Man kennt und schätzt sich gegenseitig – eine Tatsache, die WB-Coach Martin Dosch mit folgenden Aussagen untermauert: «Es war schon länger klar, dass der FC Dietikon in die 1. Liga will, und auch kommen wird. Mit Ivelj haben sie auch einen ambitionierten Trainer mit dem notwendigen Siegeswillen.»

Wettswil-Bonstetten und Dietikon haben einen ähnlichen Werdegang und eine ähnliche Philosophie. Die Säuliämter sind dem FCD seit ihrem Aufstieg in die 2. Liga 2006 aber in der Regel etwas voraus. So feierte das Dosch-Team im Jahr 2010 die Promotion in die 2. Liga inter, zwei Spielzeiten später ging es noch eine Stufe höher in die 1. Liga. Dietikon ging denselben Weg, jedoch mussten sich die Limmattaler ein (Aufstieg in 2. inter), respektive zwei Jahre (1. Liga) länger gedulden.

Schritt für Schritt

Während sich Iveljs Truppe diese Spielzeit zuerst in der neuen Spielklasse konsolidieren muss, ist man auf der anderen Seite des Westring-Tunnels bereits einen Schritt weiter: Die Aufstiegsspiele für die Promotion League sind zur Saisonhälfte durchaus realistisch – das zweitplatzierte Mendrisio weist einen Punkt, aber auch ein Spiel mehr auf.

«Einmal mehr konnte der FC Dietkon seine Leistung nicht über 90 Minuten konstant abrufen.», so Dosch, der viel Potenzial auf der Dornau sieht. Was der säuliämter Übungsleiter mit «endgültig zurechtfinden» unter anderem meinte, hätte das direkte Aufeinandertreffen der beiden «Bruder-Teams» auf der Dietiker Dornau deutlicher nicht aufzeigen können: Einmal mehr konnte der FC Dietkon seine Leistung nicht über 90 Minuten konstant abrufen.

Dank Dejan Miljkovic gingen die Gastgeber nach einem Durcheinander im gegnerischen Strafraum bereits früh in Führung (2.). In der Folge verdiente sich der Aufsteiger, rund um Abwehrchef Ivica Cokolic, besonders im defensiven Bereich Bestnoten. Ein ums andere Mal verzweifelte der ansonsten furchteinflössende Sturm von Wettswil-Bonstetten am Dietiker Abwehrbollwerk. Während FCD-Coach Ivelj mit der taktischen Darbietung seiner Schützlinge zufrieden sein durfte, war die erste Hälfte für die Zuschauer zu weiten Teilen vor allem eines: Streichkost.

Erneuter Platzverweis

Nach dem Seitenwechsel bot sich aber plötzlich ein völlig anderes Bild. Wettswil drückte, Wettswil drängte und dank Toren von Flavio Peter (51.) und Goalgetter Henry Acosta (56., Foulelfmeter) drehte Wettswil die Partie innert fünf Minuten. «Die erste Halbzeit war in Ordnung, aber nach 50 Minuten haben wir einfach aufgehört zu spielen», bilanzierte der eingewechselte Luca Figlioli nach Spielschluss enttäuscht.

Als wäre der eigene Leistungsabfall und der gegnerische Aufwind nicht schon genug gewesen, schwächte Samir Kozarac seine Farben zusätzlich. Bereits verwarnt, beschwerte sich der Mittelfeldpuncher in der 65. Minute lautstark beim Schiedsrichter, worauf dieser Kozarac mit der Ampelkarte vorzeitig unter die Dusche schickte. Sieben Minuten später entschied der wirblige Gojart Gjergji mit dem 3:1 die Partie endgültig.

Während Figlioli mit dem Kopf bereits im kapitalen Auswärtsspiel gegen Taverne von nächster Woche steckte («Ein Sieg muss her, sonst wird es langsam heiss»), freute sich Dosch über die Leistungssteigerung seines Teams: «In der ersten Halbzeit standen wir zu weit weg von unseren Gegnern. Dabei wussten wir, dass der FC Dietikon eine sehr spielstarke Mannschaft ist.»
Eine Aussage, die einmal mehr beweist: Man kennt und schätzt sich.

Ärger nach Spielabbruch
Trotz des Sieges gegen den FC Dietikon ist man bei Wettswil-Bonstetten frustriert. Vergangene Woche führten die Säuliämter im Heimspiel gegen Balzers mit 1:0, bis der Schiedsrichter in der 86. Minute die Partie wegen Nebels abbrach. «Ein unverständlicher Entscheid, denn die Sicht war zu diesem Zeitpunkt wieder besser, als noch eine Viertelstunde zuvor», zeigt sich WB-Trainer Martin Dosch leicht genervt. Das Spiel wird am 23. November komplett wiederholt («Das ist schade, aber so steht es im Reglement», O-Ton Dosch), die gelben Karten bleiben aber bestehen. Besonderes letzteres bringt Dosch richtig auf die Palme: «Das ist ein absoluter Witz!» Letzte Gespräche mit dem Verband sind auf kommende Woche geplant - Hoffnung über die verdienten drei Punkte macht sich aber niemand mehr.