Sie war durchaus da, die Skepsis, als mit Gianni Musumeci ein junger, ambitionierter und vor allem auswärtiger Trainer als Nachfolger des scheidenden Andi Wiederkehr präsentiert wurde. Der traditionsbewusste FC Urdorf, ein Verein, der fast ausschliesslich auf eigene Kicker gesetzt hat, verpflichtet einen Übungsleiter vom auch als «Legionärshochburg» bezeichneten United Zürich beziehungsweise seiner zweiten Mannschaft.

Trainer Gianni Musumeci vom FC Urdorf im Interview

Trainer Gianni Musumeci vom FC Urdorf im Interview

Wie kann das nur gut gehen? Der 34-Jährige selber beantwortet diese Frage selber ganz locker: «Die Vereinsführung hat auch eingesehen, dass ein Kompromiss bei der Philosophie eingegangen werden muss. Nur mit eigenen Spielern wird es schwierig, unsere Ziele zu erfüllen.» In der Tat hatte sein Vorgänger Andi Wiederkehr, insbesondere gegen Ende der letzten Saison, mit akutem Personalmangel zu kämpfen – Senioren mussten das Team vor der Relegation in die 4. Liga retten. Und zum letzten Match traten die Limmattaler nur zu zehnt an – mit Ex-Profi Wiederkehr auf dem Platz.

Elf Neue im Kader

Weshalb er bewusst das Wort «Kompromiss» und nicht «Wandel» im Zusammenhang mit der Strategie benutzt, erklärt er mit erhobenem Mahnfinger: «Mir ist wichtig, dass sich die neuen Spieler mit dem Verein wie auch dem Dorf identifizieren. Schliesslich repräsentieren wir die Gemeinde Urdorf.» Die ähnlichen Ansichten bezüglich der sportlichen Zukunft des FCU war schliesslich einer der Gründe dafür, dass Musumeci seine Unterschrift unter den Einjahresvertrag im Chlösterli setzte.

«Entscheidend war für mich auch das familiäre Umfeld. Ich wurde sofort unglaublich gut aufgenommen und spürte das Vertrauen von Beginn an», ergänzt er. Für «frischen Wind», wie der ehrgeizige Coach mehrmals erwähnt, sorgte er mit gleich elf neuen Spielern für die erste Mannschaft – fünf davon hat er von seinem Ex-Klub mitgenommen. Unter den Zuzügen findet sich mit Claudio Parati doch noch ein Vertreter der «alten» FCU-Generation.

Grosse Ziele mit Urdorf

Am 6. Juli werden sage und schreibe 26 Spieler die Vorbereitung starten. Auch deshalb blickt Musumeci optimistisch der neuen Saison entgegen, schielt in der Tabelle auf die «ersten fünf Plätze». Damit würde sich das Image der Stiere als «graue Maus» des Limmattaler Fussballs schlagartig ändern, was der ehemalige NLB-Fussballer beim FC Baden am liebsten in der «Limmattaler Gruppe» 2 unter Beweis stellen würde. Dort wartet zwar nur noch das Derby gegen Oetwil-Geroldswil, doch die weiteren Gegner sind nicht nur geografisch näher als die aus der «Seegruppe» 1.

Bei aller Liebe zum Erfolg ist dem Verkaufsleiter noch wichtiger, wie sich seine Schützlinge nach aussen präsentieren. Dazu gehört ein gutes Benehmen auf dem Rasen. So ist es kein Zufall, dass seine Aufstiegshelden der vergangenen Saison gruppenübergreifend zu den fairsten Mannschaften der Zürcher 4. Liga gehörten. «Eine gelbe Karte wegen Foulspiels kann immer passieren, aber Gemotze auf dem Feld kann ich nicht tolerieren», sagt Musumeci bestimmt.

Zusammenhalt fördern

Diese Werte, zu denen insbesondere auch Kollegialität gehört, versucht er in vielen Einzelgesprächen zu vermitteln. Aber er will auch mehr gemeinsame Stunden untereinander einführen: «Die Jungs sollen einmal pro Woche nach dem Training gemeinsam ein Bier trinken. Das fördert den Zusammenhalt des Kollektivs.» Dieses «Kollektiv» ist auch Musumecis Zauberformel, denn «in dieser Liga darf ein Team nicht von ein, zwei Spielern abhängig sein».

Darüber hinaus versucht er stets seine «fordernde Linie» durchzuziehen. «Bislang ist mir das nicht so schlecht geglückt», sagt der Jungtrainer grinsend. Tatsächlich ist der Aufstieg mit der zweiten Mannschaft von United Zürich mal eine erste Duftmarke, die es jetzt auch in einem Fanionteam zu bestätigen gilt. Oder wie es Musumeci ausdrückt: «Ich hoffe, dass wir den Besuchern auf dem Chlösterli nächste Saison mit gutem Fussball viel Freude bereiten.»