Über die Gesamtkosten für den Bau der Limmattalbahn, welche ab 2022 Zürich Altstetten mit Killwangen-Spreitenbach verbinden soll, wurde oft spekuliert. Nun ist klar: Die 13,4 Kilometer lange Stadtbahn kostet den Bund und die Kantone Aargau und Zürich rund 755 Millionen Franken zuzüglich Teuerung.
Der Zürcher Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat entsprechend der Projektplanung drei Kredite: Für den Bau der ersten Etappe von Zürich Altstetten nach Schlieren Geissweid, die zwischen 2017 und 2019 erstellt werden soll, würde der Beitrag des Kantons 128,3 Millionen Franken betragen. Für die zweite Etappe von Schlieren nach Killwangen-Spreitenbach beantragt der Regierungsrat 382 Millionen Franken. Diese soll zwischen 2019 und 2022 gebaut werden. Dazu kommt ein dritter Kredit für Anpassungen am Strassennetz entlang des Neubautrassees und für flankierende Massnahmen auf der Bern-/Überlandstrasse in der Höhe von 136,3 Millionen Franken. Die gesamte Kreditsumme beläuft sich also auf rund 646,6 Millionen Franken. Mit dem Bau der Bahn ist die 2010 durch die beiden Kantone gegründete Limmattalbahn AG beauftragt.

Teilweise ohne Bund budgetiert

Die Kosten für den Kanton Zürich werden voraussichtlich tiefer liegen, als im Antrag des Regierungsrats budgetiert. Der Grund: Der Bund stellte in Aussicht, das Vorhaben im Rahmen seiner Agglomerationspolitik mit einem Kostenanteil von 35 Prozent zu unterstützen. Aufgrund seiner Finanzierungsmöglichkeiten teilte er das Projekt in die beiden genannten Etappen auf und verteilte die entsprechenden Beiträge auf die Agglomerationsprogramme 2 und 3. So sollen Bundesbeiträge in zwei Tranchen ab 2015 und ab 2020 fliessen. Weil die Beratungen des Bundes zur ersten Tranche — im Rahmen des Agglomerationsprogramms 2 — «bereits weit fortgeschritten» seien, habe der Kanton die Bundesgelder bei der Kalkulation seines Beitrags an den Bau der ersten Etappe bereits eingerechnet, schreibt der Regierungsrat in seinem Antrag. Der Beschluss zur Freigabe dieser Mittel soll Ende 2014 fallen.
Der definitive Entscheid über die Bundesgelder für die zweite Etappe ist allerdings erst Ende 2019 zu erwarten. Daher einigten sich die Regierungen der Kantone Aargau und Zürich darauf, die gesamten 560 Millionen Franken für diesen Streckenabschnitt gemäss den Streckenanteilen auf ihren Kantonsgebieten unter sich aufzuteilen, bis ein Entscheid über die Beiträge des Bundes gefällt ist. Die Kosten für die Kantone würden sich dann um den Betrag vermindern, welcher dieser spricht, schreibt der Regierungsrat.

Rollmaterial ist nicht enthalten

Einige Kostenpunkte im Zusammenhang mit der Limmattalbahn sind in den 755 Millionen jedoch nicht enthalten. Neben den Beträgen für das eigentliche Rollmaterial werden auch jene Investitionen nicht aufgeführt, welche Dritte für diverse Strassenergänzungen, Erstellung von Werkleitungen, Platzgestaltungen, Haltestellenzugänge sowie Veloabstellplätze tätigen müssen. Ein Beispiel dafür ist etwa die Gestaltung des neu entstehenden Verkehrskreisels im Zentrum Schlieren, für die das Stadtparlament Anfang Juli einen umstrittenen Kredit in der Höhe von 785 000 Franken gesprochen hat (die Limmattaler Zeitung berichtete). Der Antrag des Regierungsrats verrät nur so viel: Insgesamt beteiligen sich die sechs Standortgemeinden, Transportunternehmen und Werke mit rund 28,6 Millionen am Bau der Bahn. Die Verhandlungen über die jeweiligen Kostenteiler sollen Ende 2014 abgeschlossen sein.
Nicht im Kreditantrag enthalten sind schliesslich auch die Arbeiten für den Anschluss des Bahnhofs Zürich Altstetten an die Tramlinie 2. Der Grund: Die neue Linienführung des 2er-Trams zum Bahnhof Altstetten wird von verschiedenen Seiten infrage gestellt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Stadt Zürich hat einen Dialogprozess mit Vertretern des Quartiers begonnen. Der Regierungsrat strebt zwar eine gleichzeitige Umsetzung der neuen Tramlinie mit dem Bau der Limmattalbahn an. Wegen des ungewissen Ausgangs des Dialogs umfasst der Kredit aber nur das Stadtbahn-Projekt. Käme es zur Verlängerung des Trams bis nach Schlieren, so würde die Buslinie 31 nur noch bis Altstetten verkehren.

Strittige Stellen knapp erwähnt

Zu den streitigen Streckenabschnitten der Limmattalbahn im Schlieremer Spitalquartier und im Dietiker Zentrum steht im Kreditantrag hingegen lediglich, dass dort Anträge der Standortgemeinden zur Anpassung der Linienführung eingegangen seien. «Die Limmattalbahn AG strebt einvernehmliche Lösungen und den Abschluss des Plangenehmigungsverfahrens bis Ende 2015 an», so der Regierungsrat.
Wenig konkret sind die Abschnitte zu den geplanten flankierenden Massnahmen an der Bern-/Überlandstrasse. Der Ausbau der Engstringerkreuzung in Schlieren und Anpassungen zur Verlagerung des Verkehrs aus den Stadtzentren von Dietikon und Schlieren sind im Bericht zum Antrag zwar einzeln aufgeführt. Auch wird darauf hingewiesen, dass sie vom kantonalen Tiefbauamt mit dem Bau der Limmattalbahn koordiniert würden. Wann genau ihre Realisierung vorgesehen ist, darüber ist im Kreditantrag jedoch nichts zu lesen.

Video 1: Interview mit dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP).

Video 1: Interview mit dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP).

Interview mit dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP).

Video 2: Interview mit dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP).