Vor über einem Jahr verliess Ruedi Riesen die aktive Politik. Doch Planungsfragen lassen ihn nicht mehr los. Für die bz machte er einige pointierte Aussagen zu einigen Baustellen in der Kantonshauptstadt.

Zu Visionen in der Stadtplanung:

«Es muss erst Neues entstanden sein, damit eine neue Vision gedeihen kann. Einfach nur eine reine Vision zu entwickeln, gibt zwar lustige Ideen, die aber nicht umsetzbar sind.»

«Man hat mir mal in einem Wahlkampf vorgeworfen, ich sei Utopist, denn die Manor komme nie zustande. Aber man sollte Visionen haben, die umsetzbar sind.»

«Viele Leute haben sehr gute Ideen für Liestal. Es besteht aber die Gefahr, dass die strukturierte Gestaltung der letzten Jahre verloren geht. Man sollte Planung nicht verzetteln, es braucht Konzentration. Und wenn man grosse Ideen hat, muss man sie auch finanzieren.»

«Ich würde Ihnen gerne eine utopische Idee für Liestal präsentieren. Ich habe gerne Versuchsballone, aber sie müssen so stark sein, dass sie nicht sofort platzen.»

Zum Bahnhof:

«Die SBB haben sich nie für eine gemeinsame Planung erwärmen können. Seit zehn Jahren warten wir, dass sie überhaupt einen Finger rührt. Wir haben ja nicht mal ein brauchbares WC am Bahnhof. Darum bin ich sehr vorsichtig mit Visionen.»

«Es braucht eine Gesamtbetrachtung, man sollte zum Beispiel die bestehende Kantonsverwaltung in die Bahnhofsplanung einbeziehen. Es ist nicht gesagt, dass die Verwaltung unbedingt ins neue Bahnhofsgebäude muss.»

«Das Bahnhofsgebäude ist ein schöner Bau aus den 20er-Jahren. Es sollte als Einheit mit dem Palazzo und dem Gerichtsgebäude stehen bleiben. Daneben kann ich mir eine Perronanlage mit einem transparenten Glasdach vorstellen.»

«Man kann Tausende von Quadratmetern rund um den Bahnhof erstellen, sie sollen aber in guter Beziehung zum Bahnhof stehen. Diesen sollte man als technisches Werk sehen. Wohnen an den Geleisen zum Beispiel ist lärmtechnisch keine gute Idee.»

«Ich setze ein riesiges Fragezeichen hinter den Deckel über den Burgeinschnitt. Wer zahlt das? Was kommt darauf?»

Zur Verbindung Bahnhof-Stedtli:

«Wir hatten mal ein ganz tolles Projekt für die Allee, zusammen mit dem Gewerbe. Es ist politisch abgesegnet. Die Bevölkerung würde dahinterstehen, es wäre günstig zu haben. Aber weil man ständig sparen will, kommt es nicht zustande. Hier zeigt sich: Ideen brauchen den Mumm zur Umsetzung, sonst glauben die Leute bald nicht mehr dran.»

Zum Gewerbe im Stedtli:

«Ich glaube an die Strategie der Powerblocks. Eine Alternative für das alte Stedtli hat mir noch niemand aufzeigen können. Ich höre zum Beispiel von Sissachern: Dank der Manor bin ich endlich wieder im Stedtli.»

«Studien zeigen: Grosse Einkaufszentren wirken als Katalysatoren für das eingesessene Gewerbe, umso mehr, je näher sie an der Innenstadt sind. Vom Manor zur Rathausstrasse ist es zu Fuss nicht mal eine Minute.»

«Beim Lüdin wäre ein weiterer Powerblock sinnvoll, im Bermudadreieck Stedtli-Verwaltung-Bahnhof. Das heisst nicht, dass man dort alles abreissen muss. Aber das Gebiet sollte man verbinden mit dem Bahnhof, das ergäbe ein unglaubliches Entwicklungspotenzial.»

«Das Gewerbe hat erkannt: Wir müssen uns anpassen. Ein Beispiel ist die Apotheke, die neben dem Stedtli einen Standort im Manor betreibt. Der Kern sollte in die Peripherie ausstrahlen, nicht nur umgekehrt. Eine Filiale einer Stedtli-Bäckerei am Bahnhof, das wäre doch was.»

Zum Verkehr in Liestal:

«Der Kanton sagt immer: «Baut doch noch mehr Begegnungszonen, dann habt Ihr weniger Durchgangsverkehr.» Aber etwas hat er nicht verstanden: Der Nonnenbodenweg-Kantinenweg ist eine Querspange zwischen der Hauptverkehrsachse Rebgasse–Rosenstrasse und der Kasernenstrasse. Es bräuchte Lichtsignalanlagen unten beim Bücheli und unterhalb des Bahnhofs, die der Poststrasse dritte Priorität einräumen. Dann würden die Seltisberger verstehen, dass sie untendurch sollen. Der Kanton müsste den Verkehr auf den Hauptstrassen intelligent steuern.»

«Verkehr bedeutet auch: Hier läuft etwas. Er ist Ausdruck von Prosperität, von Arbeit, von Leben.»

Zu Liestal als Wohnstadt:

«Manchmal denke ich, Liestal glaubt nicht an sich selber. Wir sollten so viel Feuer haben wie der Chienbäse. Wir haben wahnsinnig gute Voraussetzungen, wir sind eine sehr schöne Wohngemeinde.»

«Das Umfeld für Kultur und Bildung ist bei uns fast so gut wie in Basel. Zusätzlich ist man von jedem Punkt aus in zehn Minuten im Grünen. Unser Tal ist zwar eng, aber wir können verdichten und so Top-Wohnlagen schaffen.»

«Ich bin überzeugt, dass viele Oberbaselbieter nicht in einem Dorf im Grünen wohnen wollen, sondern mit Bildung und Kultur vor der Haustüre.»

Zu Hochhäusern:

«Ich kann mir Hochhäuser beim Bahnhof vorstellen. Der Sieger des Planungswettbewerbs 2002 sah im Westteil des Bahnhofs zwei 60 Meter hohe Türme vor. Als Architekt fände ich das faszinierend, aber ich bin auch Realist und frage: Was soll da rein? Man kann nicht einfach auf eine Karte zeigen und sagen: Hier wären Hochhäuser toll.»