Leserwandern

Gut gelaunt im strömenden Regen – oder: Mieses Wetter schweisst zusammen

Regen? Für die Leserwanderer kein Problem.

Regen? Für die Leserwanderer kein Problem.

Trotz wettertechnisch widrigen Umständen: Das Leserwandern ist ein voller Erfolg. Es gilt das Motto: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung. Die persönlichen Eindrücke von «Nordwestschweiz"-Chefredaktor Christian Dorer.

Diese Woche fühlte ich mich in die Offiziersschule zurückversetzt. Beim Erwachen hörte ich den Regen heftig an die Storen prasseln – und wusste, ich würde den Tag draussen verbringen. Zugegeben: Freiwillig wäre ich nicht wandern gegangen. Aber wenn man als Chefredaktor angekündet ist, dann gibt es kein Kneifen. 

Ich bin baff, als am Dienstag 40 Leserwanderer zum Start in Muri erscheinen – schliesslich hat der Wetterbericht heftigen Dauerregen angekündet (und liegt für einmal nicht daneben). Gestern in Teufenthal sind es sogar 80 Wanderer – und es regnet immer noch.

Widrige Umstände schweissen zusammen. Es kommt mir vor, als sei die Stimmung auf den Wanderungen nie besser gewesen als in dieser verregneten ersten Woche des Leserwanderns 2014. Vielleicht liegt es auch daran, dass nun einzig der hartgesottene Kern der Leserinnen und Leser dabei ist. Und der wandert nach dem Motto: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.

Und so bleiben unvergessliche Stunden vom Wandern durch den Regen: Viele Leser äussern mir gegenüber ihre Meinung zum neuen az-Layout – danke für die Komplimente, danke für die Kritik (die Wetterseite ist ab heute übrigens korrigiert – vielleicht kommt jetzt auch die Sonne zurück).

Martin Köchli zeigt uns die Wyssenbacher Sagi und erzählt von seiner Kindheit in der 14-köpfigen Familie. Da gibt es die Begegnung mit dem Ehepaar, das vor Jahren ein Lawinenunglück überlebte. Mit dem pensionierten Steuerbeamten, der Anekdoten von verarmten Millionären erzählt.

Mit der Frau, die zuerst aus Trotz teilnimmt, weil ihre Familie nicht wandern will – und jetzt jeden Tag kommt. Mit der Chefin des Literaturhauses, von der ich Lesetipps für die Sommerferienlektüre erhalte. Mit meinem ehemaligen Stellvertreter Werner De Schepper, der das Leserwandern 2010 erfunden hat.

Garstiges Wetter steigert die Empfindungen. Ich erinnere mich nicht, wann ich mich letztmals so sehr über eine Suppe gefreut habe wie über diejenige, die die Gemeinde Fahrwangen der durchnässten Wanderschar serviert.

Für mich ist das Leserwandern 2014 leider bereits zu Ende – der Alltag hat mich wieder. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben noch 21 Mal die Chance, mitzuwandern.

Mein Tipp: Nutzen Sie sie – besonders bei Regen.

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