1. DEN Islam gibt es nicht

Der Begriff «Islam» ist kein präziser. Im theologischen Kontext bezeichnet er die Religion der Muslime. Der Islam ist eine von fünf Weltregionen und mit 1,6 Milliarden Anhängern hinter dem Christentum die zweitgrösste. In sich vereint der Islam aber verschiedene Glaubensrichtungen, wie sie unter anderem Sunniten (90% der Muslime, etwa Balkan, Türkei), Schiiten (Iran) oder Wahhabiten (Saudi-Arabien) leben. Mit dem Begriff Islam wird aber auch ein Kulturraum bezeichnet.

2. Die Religion

Die muslimische Zeitrechnung beginnt mit dem Auszug des Propheten Mohammed und seiner Anhänger aus Mekka (622 n. Chr.). Der Islam ist eine monotheistische Religion (Gott = Allah). Wie beim Christen- und Judentum gilt Abraham als Stammvater. Jesus gilt den Muslimen als wichtiger Prophet, nicht aber als Sohn Gottes. Durch den Erzengel Gabriel empfing Mohammed seine Offenbarungen, die später im Koran zusammengestellt wurden. Die fünf Hauptpflichten (Säulen) eines gläubigen Muslim sind: Das islamische Glaubensbekenntnis, das Pflichtgebet, die Armengabe, das Fasten im Ramadan, die Pilgerfahrt nach Mekka. Die wichtigsten Feste: das Opferfest, das Fastenbrechen (Bayram). Je nach Glaubensrichtung kommen weitere Feste hinzu. In der Moschee (Kirche) wird das Gebet von einem Imam (vergleichbar mit einem Priester/Pfarrer) geleitet.

3. Die Schweiz und der Islam

In der Schweiz werden 4,9 Prozent der Bevölkerung dem muslimischen Glauben zugerechnet. Die meisten Muslime kamen in den 60er- und 70er-Jahren aus der Türkei und Jugoslawien als Arbeitskräfte in die Schweiz. Ihr Anteil stieg in der Folge des Familiennachzugs und des blutigen Zerfalls Jugoslawiens in den 1990er-Jahren. Die Muslime stammen überwiegend aus Kosovo, der Türkei und Bosnien. Die Schweizer Muslime gelten als säkular, das bedeutet, die Religion ist zweitrangig. Als religiös eingeschätzt werden, je nach Quelle, zwischen 10 und 20 Prozent der Muslime. Sie werden dem moderaten sunnitischen Islam zugerechnet.

4. Der Islamismus

Im 20. Jahrhundert verstanden zahlreiche Gruppierungen den Islam als eine politische Ideologie und damit als Antwort auf eine zusehends säkularisierte Umwelt. Die älteste und bekannteste Gruppierung ist die Muslimbruderschaft, die vor allem in Ägypten Fuss fasste, 1987 erwuchs aus dem palästinensischen Ableger die Hamas.

5. Der Salafismus

Aus der ursprünglichen Reformbewegung mit dem Ziel, Islam und Moderne zu vereinen, ist eine ultrakonservative Bewegung geworden. Sie ist nicht zwangsläufig gewaltbereit. Jedoch bezeichnen sich auch dschihadistische Gruppen als Salafisten. Der Salafismus ist heute fast gleichbedeutend wie der Wahhabismus, kein Wunder, wird er von Saudi-Arabien aus gefördert. In der Schweiz spielt er kaum eine Rolle.

6. Dschihad und Dschihadismus

In der Diskussion fällt derzeit oft der Begriff Dschihad. In seiner eigentlichen Bedeutung meint er, sich um die Sache Gottes bemühen. Das kann persönlich-ideell, aber auch kämpferisch geschehen, die Art und Weise hat genauen Regeln zu folgen. Im heutigen Kontext wird mit Dschihadismus eine extreme antiwestliche Ideologie verstanden, die vor Gewalt, Krieg und Terror gegen westliche Länder und deren (Zivil-)Bevölkerung nicht zurückschreckt. Nach den Anschlägen von Paris haben sich die muslimischen Organisationen erneut gegen jegliche Form der Gewalt ausgesprochen.

7. Die Scharia

Mit Scharia ist die Lebens- und Rechtsordnung der Muslime gemeint. Sie wurde von muslimischen Theologen und Rechtsgelehrten entwickelt. Seit dem 16./17. Jahrhundert wurde sie zusehends in fast allen muslimischen Ländern durch europäische Rechtsnormen ersetzt. Rechtsgelehrte verweisen auf die hohe juristische Qualität der Scharia. Doch Islamisten stellen meist deren drastische Strafen und die Herabstufung der Frau in den Vordergrund. Schweizer Muslime lehnen eine Scharia in der Schweiz ab und anerkennen das Schweizer Rechtssystem.

8. Der Koran

Das Buch gilt den gläubigen Muslimen als das Mohammed offenbarte Wort Gottes. In ihm finden sich Erzählungen, Rechtsvorschriften oder Lobpreisungen. Der komplexe Inhalt wurde stets interpretiert. Es heisst auch: «Der Koran ist eine Schrift zwischen zwei Buchdeckeln, die nicht spricht. Erst die Menschen bringen sie zum Sprechen.» Dieser Ausspruch wird dem vierten Kalifen Ali zugeschrieben.