Roger Saudan, seit 1996 HESO-OK-Präsident, muss sich auf Ende Jahr von einem Kind verabschieden, das unter seiner Leitung immer erwachsener geworden ist. Wo liegt die Differenz zwischen einer HESO 1996 und 2013?

Roger Saudan: Ich verabschiede mich nicht von einem Kind. Bereits 1996 war die 1978 gegründete HESO erwachsen. Das heisst, damals fand die HESO auf einer Ausstellungsfläche von 7450 Quadratmetern inklusive Festzelt mit 205 Ausstellern statt. Heute sind es 255 Aussteller auf 8100 Quadratmetern. Erneuerungen sind der Schanzengraben und die grossen Sonderschauen in einem separaten Zelt oder das Harley Davidson-Meeting. Es wird auch investiert in die Besucher von Morgen mit Jugendzelt und Sportparcours für Kinder und Jugendliche. Mit etwas Wehmut stelle ich fest, dass nur noch wenige Aussteller verblieben sind, die seit Beginn dabei sind.

Ein anderes Kind haben Sie verloren, bevor es erwachsen war - die Frühlingsmesse Socasa. Tut das immer noch ein bisschen weh?

Die «Socasa» wurde am 31. März 2011 zum siebten und letzten Mal eigenständig als Messe für Haus, Garten und Freizeit eröffnet. Sie zeichnete sich aus durch eine hohe Qualität der Stände und Design. Eine Fachmesse im Frühling mit Eintritt war sicher richtig. Doch die Wahl des Namens der Messe war zu ausgefallen und somit falsch. Bekannt waren bereits Namen wie Eigenheim-Messe, Bauen + Wohnen, Bauen + Modernisieren. Dies wäre eindeutiger gewesen. Jedoch bin ich froh für Solothurn, dass es eine Fachmesse im Frühling gibt. Heute lebt die «Socasa» weiter in der Eigenheimmesse.

Zwei HESO-Konstanten gibts: den Gratiseintritt und den Standort am Altstadtrand. Beides hat Vorteile, aber auch Nachteile.

Für mich gibt es nur Vorteile. Mehrfachbesuche sind möglich. Nebst der Verkaufsplattform konnte eine Begegnungs- und Informationsplattform geschaffen werden. Man spricht über das Gesehene und Erlebte und kommt mit anderen nochmals an die HESO. Stippvisiten vor der Arbeit oder nach Feierabend sind attraktiv. Und der Franken rollt. Die HESO belebt Solothurn.

Ein Nachteil ist aber bestimmt die knappe Parkplatzsituation?

Ja, das stimmt, und die Situation dürfte sich mit dem Wegfall der Parkplätze beim Müllerhof dereinst noch verschärfen.

Die HESO lebt von ihren Ausstellern. Aber auch da haben sich seit 1996 die Akzente verschoben.

1978 bei der ersten HESO nutzten 72 Aussteller aus der Stadt die Verkaufsplattform der HESO. Bereits 1981 wurde die HESO geöffnet für Aussteller aus dem ganzen Kanton. Heute sind es nach wie vor 72 Aussteller aus der Stadt. Wegen der grösseren Anzahl der Aussteller hat sich der prozentuale Anteil verschoben. Nur das familiäre, das sich gegenseitige Besuchen am Stand, miteinander in den «Apéro gehen», sich austauschen und politisieren, das ist vorbei. Während der HESO-Öffnungszeit ist Business angesagt.

Sicher eine Enttäuschung war, dass vor Jahren gewisse Aussteller ihre Standmieten nicht bezahlt haben und damit sogar durchs interne Controlling geschlüpft sind.

Ja, da haben Sie recht. Das hat mich persönlich sehr getroffen. Die HESO erwirtschaftet immer in etwa denselben Gewinn und so haben Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder sowie die Revisionsstelle zu wenig kritisch die Zahlen hinterfragt. Aus dem Gewinn konnten trotzdem die strategischen Ziele erwirtschaftet werden.

Die da wären?

Die Optimierung der Vermietung der Rythalle. Entscheidend waren die Investitionen in die WC-Anlagen und in die Wintertauglichkeit der Rythalle. Somit war es möglich, den Expansionswünschen der Solothurner Filmtage zu entsprechen und dem Stadttheater Platz für die Umbauphase zu bieten. Diese Investitionen in der Höhe von rund 2,5 Mio. Franken konnten durch die HESO finanziert werden. Die Rythalle AG vermochte alles zu realisieren, ohne sich fremd zu verschulden und hat heute ein Eigenkapital von fast 500 000 Franken.

Besonders gepflegt wurde in Ihrer Amtszeit die Sonderschau. Mitunter war jedoch auch Kritik zu hören, dass der Aufwand dafür sehr gross sei und dieser schliesslich über die Standmieten der Aussteller finanziert werden muss.

Die HESO ist die einzige Messe, die sich nie über einen Besucherrückgang beklagen musste. Frühzeitig wurden die Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher erkannt. Frühzeitig wurden auch Synergien gefunden und genutzt. Die Sonderschauen sprechen weitere Besucher an und helfen, dass es nicht plötzlich heisst: «... 's isch immer e so gsi».

Marlies war sicher oft «die bessere HESO-Hälfte» von Roger Saudan?

Ich weiss, Marlies würde es gar nicht schätzen, wenn man von ihr als eine bessere oder schlechtere Hälfte sprechen würde. Sie ist eine selbstständige und engagierte Frau, die weiss, was sie interessiert. Ich bin froh und dankbar, dass sie sich für die Familie, die Saudan AG und unter anderem auch für die HESO engagiert und ihre Meinung einbringt. Sie ist mir immer eine mitdenkende und mitfühlende Partnerin.

Welches waren die schönsten HESO-Momente für Sie?

Als Bundesrat Arnold Koller sein Skript ablegte und unbeeindruckt nach dem Ausfall des Mikrofons sagt: «Ich als alter Landsgemeinde-Redner lasse mich auch nicht durch die Glocken von St. Ursen übertönen.» Oder unsere Verabschiedung während der HESO-Eröffnung und die Frage von Stefan Kölliker, Regierungspräsident Kanton St. Gallen, sowie von Olma-Direktor Nicolo Paganini: «Wie schafft Ihr das mit Gratiseintritt?» Was mir noch wichtig ist: Ich bedanke mich bei den Ausstellern und Besuchern, bei der Rythalle AG, beim HESO-OK mitsamt der Geschäftsleitung und speziell bei Rolf Christ sowie meinem alten Team Kurt Luder, Guido Kummer und Walter Jenny für die Zusammenarbeit.

Was geben Sie der HESO auf ihren weiteren «Lebensweg» mit?

Traditionell zeitgemäss sein - offen bleiben und ins Zentrum rücken, was Solothurn belebt und einzigartig macht.