Nach der Pause kommen die Spieler des FC Wohlen wie verwandelt aus der Garderobe. Sie stehen hoch und stürmen nach dem Wiederanpfiff von Schiedsrichter Sébastien Pache in Richtung Bieler Tor. Und prompt gibt es Grund für Freiämter Jubel: Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld spielt Sturmspitze Roman Buess dem linken Flügel Simone Rapp den Ball in den Lauf. Der 22-jährige Tessiner düpiert Biels Torhüter Mirko Salvi mit seinem Abschluss – 1:2, der FC Wohlen ist noch vor Ablauf der 47. Minute zurück im Spiel.

Doch nach diesem mitreissenden Start in die zweite Halbzeit flacht die Partie ziemlich schnell wieder etwas ab. Das Tor von Simone Rapp bleibt das einsame Highlight aus Sicht des Heimteams. Klar gibt es noch zwei, drei Aufreger vor dem Bieler Tor. Doch mehr als ein gefährlicher Freistoss des ehemaligen FCA-Spielers Alain Schultz (54.), der knapp am weiten Pfosten vorbeigeht, und einem Kopfball von Verteidiger Mario Bühler (58.), der knapp über die Latte streicht, haben die Freiämter nicht zu bieten.

Das sieht unmittelbar nach dem Schlusspfiff auch Buess so: «Es ist uns extrem schwer gefallen, uns klare Torchancen zu erarbeiten.» Sein Team habe gegen Biel sehr viel mit langen Bällen operieren müssen. «Etwas anderes liess der Platz gar nicht zu», sagt der 22-Jährige.

Zu Hause schwächer als auswärts

Dass er aber sogleich anfügt, dass dies keinesfalls eine Ausrede sein soll, zeugt vom Selbstvertrauen, das sich die Wohler Spieler dank ihrer bisher sehr starken Saison erarbeitet haben. «Wir haben so eine starke Mannschaft, dass das Terrain keine Rolle spielen sollte. Gegen Biel ist uns das mit den langen Bällen nicht so gut gelungen, aber wir können auch das.»

Diese Erkenntnis ist vor allem auch deshalb wichtig, weil für Buess und Co. in den beiden kommenden Wochen drei Heimspiele auf dem Programm stehen. Die Platzverhältnisse werden sich bis dahin kaum wesentlich verbessern.

Holpriger Rasen hin oder her. Es scheint, als ob sich die Freiämter in der Fremde wohler fühlen würden, als in den Niedermatten. 31 Punkte hat das Team in bisher zwölf Auswärtsspielen geholt. In zehn Heimspielen sind es gerade einmal deren 15. Und trotzdem wird man beim aktuellen Tabellenzweiten der Challenge League keinesfalls nervös.

Auch Kiassumbuas Serie zu Ende

«Warum sollten wir auch? Es ist uns allen klar, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen können. Jetzt haken wir diese Niederlage ab und schauen nach vorne», sagt Buess. Und das ist sicher auch richtig so, denn bereits am Mittwoch steht mit der Nachholpartie gegen den FC Schaffhausen (18.30) das nächste Heimspiel an.

Gegen Biel ging nicht nur die Serie von fünf Siegen in Serie zu Ende, sondern die ebenso lange Serie der Ungeschlagenheit von Torhüter Joel Kiassumbua. Nach 480 Minuten ohne Gegentor musste der 22-Jährige gestern erstmals wieder einen Ball aus dem Netz fischen.

Bei den Treffern von Luis Pimenta (20.) und Steven Ukoh (36.), die beide durch individuelle Fehler in der Verteidigung zustande kamen, kann ihm aber keinerlei Schuld angelastet werden. «Meine persönliche Serie ist mir egal. Darum ging es mir nie. Es ist die Niederlage, die mich ärgert», sagt er.

Hier finden Sie den Liveticker zum nachlesen:

Scribblelive: Fussball, Challenge League, 24. Runde, Wohlen - Biel