Berufsfussballer als Traumjob? Wenig Aufwand, viel Ertrag? Nein! Fussball ist wie Roulette. Die Kugel rollt entweder auf ein schwarzes oder auf ein rotes Feld. Es gibt Sieger und Verlierer. Es gibt Stammspieler und Bankdrücker! Es gibt gesunde und verletzte Spieler.

Ronny Minkwitz kann davon ein Liedchen singen. Ciriaco Sforza holte den jungen Deutschen auf die Saison 2014/15 zum FC Wohlen. Für den früheren Trainer des Freiämter Challenge-Ligisten war klar: Minkwitz sollte dank seinem Laufvermögen und seiner Willensstärke das zentrale, offensive Mittelfeld verstärken.

Das Elend zu seinen Gunsten nutzen

«Am Anfang lief alles wie am Schnürchen», erinnert sich Minkwitz. «Aber schon nach dem dritten Spiel hatte ich Probleme mit der Hüfte. Die Muskeln waren völlig verspannt. Ich konnte nicht mehr schmerzfrei trainieren.» Von einem Moment auf den andern liess ihn das Verletzungspech nicht mehr los. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Minkwitz quälte sich bis zur Winterpause mehr schlecht als recht über die Runden. Und entschloss sich danach für eine Operation bei einem Vertrauensarzt in England.
Minkwitz kehrte gesund in die Schweiz zurück, konnte sich aber keinen Stammplatz erkämpfen. Die Konkurrenz war einfach zu gross. Dank den zahlreichen Abgängen vor dieser Saison und wegen des aktuellen Verletzungspechs hat er nun bessere Karten.

Dass Minkwitz kein Mitläufer ist, bewies er am vergangenen Sonntag im Meisterschaftsspiel in Chiasso. Der 21-Jährige ersetzte nach einer Viertelstunde den verletzten Mittelstürmer Nico Abegglen und wurde auf der für ihn ungewohnten Position im Sturmzentrum eingesetzt.

Challenge League statt Premier League

Seinen grossen Auftritt hatte er nach knapp einer Stunde. Der Treffer zum 1:1 war der Lohn für eine kämpferisch starke Leistung. «Es war ein schönes Gefühl», blickt Minkwitz zurück. «Ich hoffe in den fünf Spielen der Vorrunde auf viele Einsätze. Gegen Ende der Partie hatte ich Mühe, das Tempo mitzugehen und konnte nicht mehr voll in die Zweikämpfe gehen. Ich brauche Spielpraxis.»

Das Talent hat Minkwitz von seinem Vater Stefan. Dieser war Profi beim MSV Duisburg und den Stuttgarter Kickers. Minkwitz Junior lancierte seine Karriere beim Dorfverein Nellingen. Nach zwei Jahren VfB Stuttgart folgte der Coup mit dem Wechsel zu Fulham. Weil ihn bereits während der vier Jahre in England Hüftprobleme plagten, konnte er sein Potenzial aber nicht ausschöpfen. Mal schauen, ob sich Minkwitz beim FC Wohlen durchsetzen kann. Zeit bleibt ihm noch genug. Sein Vertrag dauert bis 2017.