Auch wenn der FC Wohlen als Sieger vom Feld ging, gab vorallem eine Szene zwischen Martin Rueda und Samir Ramizi zu Reden. Beleidigt ob seiner Auswechslung verweigerte Ramizi seinem Trainer den Handschlag, was sich der heissblütige Spanier nicht gefallen liess. Er packte Ramizi am Trikot und drückte ihn gegen die Absperrung hinter der Trainerbank und schimpfte, Stirn an Stirn, auf seinen Kicker ein, bis Ersatztorhüter Flamur Tahiraj die beiden trennte.

Nach ein paar besänftigenden Worten von Sforza zeigte Rueda Grösse und entschuldigte sich bei Ramizi mit einer Umarmung. Es wird dennoch spannend zu beobachten sein, wie sich die beiden in den nächsten Tagen begegnen werden. 

Rapp trifft gegen seinen Ex-Verein

Zum Spiel: Ciriaco Sforza steht wild gestikulierend an der Seitenlinie, Simone Rapp und Roman Buess setzen die gegnerischen Abwehrspieler bereits bei der Spieleröffnung unter Druck. Ein Bild, das man aus vergangener Saison kennt, mit dem nicht ganz unwesentlichen Unterschied, dass es die Spieler des FC Wohlen waren, die durch typisch Sforzisches Pressing fast schon penetrant attackiert wurden - und das Trio jetzt beim FC Thun unter Vertrag steht.

Es ist ein gewöhnungsbedürftiges Bild, das in der 55. Minute fast schon skurril wurde: Wohlens Abwehr war für einmal unsortiert, Buess entwischt, legt quer und Rapp trifft aus der Drehung zum Ausgleich. „So ist Fussball, unter dem Strich zählt aber, dass wir verloren haben“, sagte der Torschütze unmittelbar nach Spielschluss. Ein Lächeln huschte ihm dann doch noch über das Gesicht, als Mergim Brahimi während dem Auslaufen „hör doch auf mit diesem Verräter zu sprechen“ rüber rief.

Die herzliche Umarmung nach Rapps Einwechslung zwischen den beiden, sowie Brahimis unvergleichliches Grinsen untermauerten wie böse er seinem ehemaligem Teamkollegen ist - oder eben auch nicht. Artig bedankte sich Rapp, der gerade mal zehn Minuten brauchte, um sein erstes Tor für den neuen Arbeitgeber zu erzielen, bei seinem Förderer: „Es bedeutet mir sehr viel, dass mich Sforza unbedingt hier in Thun wollte. Trotz der sehr starken Konkurrenz werde ich hart arbeiten, um mir einen Platz im Team zu erkämpfen.“

„Sehr viel Potenzial“

Erstaunlich gut gelaunt war ebendieser Sforza, obwohl Marijan Urtic, den Wohlens neuer Trainer Martin Rueda scheinbar zum Flügelspieler umfunktioniert hat, wie bereits im ersten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Teams, den Super Ligisten abschoss. Anders als beim 1:0 vor einigen Wochen brauchte es dieses Mal zwei Tore - auch wegen der ex-Wohler Rapp und Buess.

„Diese Mannschaft hat trotz der gewichtigen Abgänge sehr viel Potenzial, das hat sie heute wieder bewiesen“, zeigte sich der Neo-Thun-Trainer beeindruckt. Der Aargauer versteht den erneut sehr reifen Auftritt des FC Wohlen als Lohn seiner Arbeit der letzten anderthalb Jahren, vergisst aber auch nicht den Einfluss seines Nachfolgers: „Man sieht, dass Rueda gute Arbeit leistet.“ Als wollte er instinktiv Druck von seinen ehemaligen Schützlingen nehmen, hob er jedoch den Mahnfinger: „Gute Testspiele bedeuten nicht, dass es automatisch auch in der Meisterschaft läuft.“