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Martin Rueda, sind Sie als Sforzas Nachfolger ein Lückenbüsser?

Der Trainer und sein Nachfolger: Ciriaco Sforza übergibt das Kommando an der Linie an Martin Rueda.

Der Trainer und sein Nachfolger: Ciriaco Sforza übergibt das Kommando an der Linie an Martin Rueda.

Der neue Wohlen-Trainer Martin Rueda äussert sich im Interview über das schwierige Erbe als Nachfolger von Lichtgestalt Ciriaco Sforza.

Gegen Biel steht Ciriaco Sforza zum drittletzten Mal als Trainer des FC Wohlen am Spielfeldrand. In der neuen Saison übernimmt wieder einmal Martin Rueda. Eine Situation, in welcher Rueda nur verlieren kann – oder etwa nicht?

Martin Rueda, können Sie eigentlich nur den FC Wohlen trainieren?

Martin Rueda: Es sieht vielleicht gegen aussen so aus. Aber ich denke, ich habe auch andere Teams erfolgreich trainiert. Ich bin mit Lausanne aufgestiegen, hatte mit den Waadtländern und auch mit den Young Boys eine gute Zeit in der Europa League und gelangte mit Winterthur in die damalige Aufstiegsrunde. Es kommt für einen Trainer nicht darauf an, wie die Mannschaft heisst, sondern ob die Resultate stimmen.

Als Nachfolger der schillernden Figur Sforza ist man aber doch per se ein Lückenbüsser?

Ich denke nicht, dass ich ein Lückenbüsser bin. Der Verein hat mir gesagt, dass man keine externe Lösung sucht, weil man von meinen Fähigkeiten überzeugt ist. Für mich stimmt die Aufgabe, denn ich glaube, dass man in Wohlen auch weiterhin erfolgreich arbeiten kann. Und ich sehe es als Neulancierung meiner Karriere. Der FC Wohlen ist für die jungen Spieler und für den Trainer ein Sprungbrett. Falls ich wieder eine Chance in der Super League erhalte, will ich diese wahrnehmen. Aber dazu muss ich zuerst für positive Schlagzeilen sorgen.

Trainer Sforza verlässt den FC Wohlen

Trainer Sforza verlässt den FC Wohlen.

Sie sprechen von «Sprungbrett», aber eigentlich können Sie nur verlieren!

Ich sehe natürlich, dass es ein schwieriges Unterfangen sein wird, die laufende Saison zu toppen. Das ist aber auch nicht das Ziel des FC Wohlen. Wir wollen uns in der Challenge League ohne Abstiegssorgen etablieren und vor allem junge Spieler in ihrer Karriere vorwärtsbringen. Und ich war als Trainer mit dem FC Wohlen auch schon über längere Zeit Leader in der Challenge League. Natürlich möchte ich das wieder erreichen, aber solche Ansprüche können für den FC Wohlen auch in Zukunft nie selbstverständlich sein.

Sind Sie froh, nach dem Schreibtischjob als Sportchef nun wieder täglich auf dem Rasen zu stehen?

Ich bleibe ja Sportchef. Ich werde Schreibtisch und Rasen als Arbeitsplatz haben. Ich denke, das ist eine gute Konstellation. Man kann auch hinter den Kulissen einiges bewirken.

Aber Hand aufs Herz, Sie sind doch in Ihrem Innersten zuerst einmal Trainer?

Natürlich zieht es mich auf den Rasen zurück. Das habe ich jetzt auch vermisst. Aber ich möchte den Sportchef-Job auch nicht vernachlässigen. Es ist eine Motivation, beides unter einen Hut zu bringen. Ich freue mich darauf.

Und Sie müssen in Zukunft die Arbeit des Trainers Martin Rueda objektiv beurteilen!

Ja (lacht).

Kein einfacher Job!

So lange die Resultate stimmen schon.

Ihre Trainerkarriere verlief bisher nicht gerade bilderbuchmässig?

Nein, aber es kann nicht jeder Trainer ein Mourinho werden. Wie auch nicht jeder Politiker Bundesrat wird. Ich bin durchaus stolz auf meine bisherige Karriere als Trainer.

Aber Sie sind froh, liegt Wohlen nicht wie Ihre letzte Station in der Wüste?

Und trotzdem war es für mich menschlich gut, die Erfahrungen als Trainer in Dubai unter speziellen Bedingungen zu machen. Die haben mich weitergebracht, auch wenn es sportlich keine gute Erfahrung war. In Wohlen fühle ich mich seit meinem ersten Engagement wohl. Die Leute im Verein und im Umfeld schätzen mich. Auch das sind Faktoren, die zählen.

Und man hört, dass sich durchaus auch die Spieler freuen, einen neuen Trainer zu erhalten!

Das weiss ich nicht. Aber alle müssen sich im Klaren sein, dass uns in der nächsten Saison nichts geschenkt wird. Es ist eine grosse Herausforderung – für die Spieler und den Trainer.

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