Challenge League

FC Wohlen ohne Kohle: Handball-Mäzen lässt Freiämter im Regen stehen

Bleibt beim Handball: Für Giorgio Behr kommt ein Engagement beim FC Wohlen nicht infrage.

Bleibt beim Handball: Für Giorgio Behr kommt ein Engagement beim FC Wohlen nicht infrage.

Investor Giorgio Behr erklärt, warum er mit seinem Unternehmen beim am Hungertuch nagenden FC Wohlen nicht als Hauptsponsor einsteigt und warum er beim Handball aus der Ostschweiz mehr Potenzial und Nachhaltigkeit sieht.

Was haben Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller, FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler, FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa. FC-Luzern-Sportchef Rolf Fringer, HC-Davos-Kulttrainer Arno Del Curto und CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gemeinsam? Die Prominenz aus Sport und Politik hielt beim traditionellen NAB-Donatoren-Apéro des FC Wohlen einen Vortrag und erhielt als Gegenleistung Applaus, einen Teller Risotto, kleine Häppchen und das eine oder andere Glas Wein.

Während des 16. Treffens der mit 220 Mitgliedern zahlenmässig grössten Gönnerabteilung des FC Wohlen kam es zu einer Premiere: Diesmal war der Referent ein Vertreter aus dem Handball. Mit Giorgio Behr gab sich gleich der bekannteste Handball-Funktionär der Schweiz die Ehre. Behr ist Präsident und Mäzen der Kadetten Schaffhausen. Der frühere Spitzenspieler und Trainer übernahm 1992 mit einem Team ehemaliger Spieler die Abteilung Handball und führt sie seither an.

Denkmal zum Erfolg

Seit Behrs Einstieg kennt der Erfolg der Kadetten keine Grenzen. Sie feiern einen Meistertitel nach dem anderen und nehmen regelmässig an der Champions League teil. Behr ist nicht nur als Klub-Verantwortlicher, sondern auch als Förderer eine grosse Nummer: Mit dem Bau der BBC Arena und dem Campus der Swiss Handball Academy in Schaffhausen setzte er sich 2011 gleich selbst ein Denkmal.

Behr ist Handballer. Durch und durch. Und weil sich der 67-jährige Schaffhauser Unternehmer, Investor, Verleger, Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer in den vergangenen Jahrzehnten ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe erarbeitet hat, lässt er sich sein Hobby gerne etwas kosten.

Trotz finanzieller Unabhängigkeit ist es für Behr allerdings wichtig, dass sich sein Engagement in überschaubarem Rahmen hält. Gesagt, getan: Die Rolle des Hauptsponsors der Kadetten kostet den Verwaltungsratspräsidenten der Behr Bircher Cellpack (BBC) mit Hauptsitz in Villmergen gerade mal rund eine Million Franken, also etwa die Hälfte des 2-Millionen-Budgets der Profimannschaft.

Mit den Kadetten international

Schön und gut. Aus Sicht des FC Wohlen interessierte aber vor allem die Frage, ob sich Behr vorstellen könne, mit dem Logo der Cellpack als Trikotsponsor des Challenge-Ligisten einzusteigen. «Nein», lautet Behrs Antwort. «Unser Konzept lässt ein solches Engagement nicht zu. Die Aussenwirkung für ein primär international tätiges Unternehmen ist bei einem Fussballklub der zweithöchsten Spielklasse kaum spürbar. Da wir keine Konsumgüter herstellen, ist der Aspekt Werbung für uns nicht relevant.»

Für ein Engagement beim Schweizer Serienmeister im Handball und Rekordmeister in der Champions League gibt es für Behr handfeste Gründe. «Handball kann mit viel weniger Geld in der europäischen Spitze betrieben werden als Fussball im Mittelfeld der zweithöchsten Schweizer Spielklasse», sagt er. «Handball ist im Vergleich zum Eishockey und Fussball also nachhaltig finanzierbar. Und das erst noch mit Erfolg! Zudem hat die Präsenz bei den Kadetten die Marke Cellpack weit über die Schweiz hinaus bekannt gemacht. Und im Handball kennt man keine negativen Begleiterscheinungen wie Spielabbrüche wegen Schlägereien, Krawallen und Polizeieinsätzen.»

In Wohlen droht der Kollaps

Für Behr ist entscheidend, dass seine Kadetten als Nummer eins im Schweizer Handball sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen Bühne eine Rolle spielen. Das ist beim FC Wohlen natürlich ganz anders: Er hat sich in der zweithöchsten Spielklasse in den vergangenen 13 Jahren sportlich zwar einen Namen gemacht, aber das Ringen um den Ligaerhalt wird immer zäher.

Um ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen, braucht es Jahr für Jahr einen finanziellen Kraftakt. Früher oder später dürfte es zum Kollaps kommen. Als vor wenigen Wochen mit Lausanne der Leader in Wohlen zu Gast war, verloren sich gerade mal knapp 500 Fans im Stadion Niedermatten. Teams wie Le Mont und Chiasso locken kaum Zuschauer an. So stellt sich die Frage: Wie lange kann der FC Wohlen ohne einen Mäzen mit dem ganz grossen Portemonnaie ein Budget von 2 Millionen Franken für das Profiteam noch stemmen?

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