Eigentlich schien alles perfekt: Es läuft bereits die Nachspielzeit, der FC Wohlen führt mit 2:0 gegen diesen enttäuschenden FC Biel, und jetzt spricht Schiedsrichter Dudic den Freiämtern gar noch einen Elfmeter zu. Stadelmann wurde zuvor rüde zu Fall gebracht.

Während sich Wohlen-Coach Martin Rueda dem Geschehen abwendet und siegessicher seine Faust ballt, kommt es beim Penaltypunkt zum Streitgespräch. Samir Ramizi meldet Ausführungsansprüche an. Joël Geissmann weist diese entschlossen zurück. Rueda gibt Geissmann recht. Und während der Captain den Strafstoss unbeeindruckt verwandelt, entfernt sich ein enervierter Ramizi. Es ist nur eine Szene, die aufzeigt, dass an diesem Nachmittag eben doch nicht alles harmoniert.

Zwar ist es ein Start nach Mass in diese Begegnung: Simon Grether versenkt nach zwei Minuten einen Freistoss ansehnlich im Bieler Kasten. «Das hat uns in die Karten gespielt», wird die Mittelfeld-Zentrale später sagen. Das Erfolgserlebnis generiert Selbstvertrauen. Die Freiämter agieren clever. In der Defensive stimmt die Organisation, in der Offensive setzt man immer wieder Nadelstiche. Dass den Wohlern auch an diesem Nachmittag Leistungsträger wie Alain Schultz fehlen, kaschieren sie gekonnt. Gastgeber Biel gelingt meist nur weite Bälle als Unruhestifter.

Die opportunistischen Aargauer tun es den Seeländern bald gleich. Gefahr entsteht oft nur noch durch ruhende Bälle. Wohlen-Goalie Kiassumbua entschärft teilweise mirakulös. Das Gastspiel in Biel sollte bald jene Spieleigenschaften annehmen, über die man im Freiamt zuletzt regelmässig sinnierte: spielerisch limitiert. Zwar wusste Wohlen zuletzt stets mit spielerischem Glanz zu gefallen. Die Punkteausbeute deckte sich aber selten mit dem Gezeigten. Diese dreckigen Siege, wie sie Simon Grether zu bezeichnen pflegt, fehlten zuletzt. Auch deshalb provoziert Biels latenter Druck Gedankenspiele, dass es eben wieder passieren könnte: punktlos dazustehen.

Zu lange gezittert

Doch an diesem Nachmittag agiert Wohlen ausgefuchst. Das Umschaltspiel funktioniert, nur fehlt in der Offensive manchmal noch immer jene Wasserverdrängung, die es in der physischen Challenge League eben braucht, um Bälle auch behaupten zu können. Wohlen weiss dieses Defizit aber mit Tempo wettzumachen. Sinnbildlich dafür ist die 70. Minute, als der wiedergenesene Nico Abegglen über links zur Geschwindigkeitsverschärfung ansetzt und den eingewechselten Rexhep Thaqi mit einer Flanke herrlich bedient. Für Coach Rueda erwies sich dieser zweite Treffer als entscheidend. «Wir mussten schlicht zu lange zittern», befand er.

Sieben Minuten nach dem 2:0 feiert dann Neuzugang Augusto Lotti seinen Einstand im Wohlen-Dress. Beim Argentinier geht es in den ersten Spielen schlicht darum, dosiert Erfahrung zu sammeln. Unter den Augen von YB-Chefscout Stéphane Chapuisat verwaltet die Rueda-Elf die Führung gekonnt. Wobei wir wieder bei jener Elfmeter-Situation in der Nachspielzeit wären.

Für Geissmann bestand nie Ungewissheit in Bezug auf die Ausführung: «Das war von Anfang an so abgemacht.» Eine Polemik soll darum dennoch nicht entfacht werden. «Hauptsache, die drei Punkte sind unsere.» Auch Trainer Rueda entlastet dieser Vollerfolg: «Ich bin froh, dass wir nicht als Tabellenletzter in die Meisterschaftspause gehen.» Die rote Laterne hat man vorerst wieder an den Kantonsrivalen Aarau übergeben. Ein Umstand, der im Freiamt zunächst Ruhe einkehren lässt. Insofern war dieser Nachmittag irgendwie doch perfekt.

 

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Matchtracker: Biel - Wohlen

Biel - Wohlen