Die gute Nachricht: Der FC Wohlen hat die 200 000 Franken an Aktienzeichnungen übertroffen, die er für die dringend notwendige Kapitalerhöhung als Vorgabe definiert hat. Damit ist die wichtigste Voraussetzung für eine Lizenzeingabe für die Saison 2016/17 in der Challenge League mit Stichtag 2. März gegeben.

Die schlechte Nachricht: Das zähe Ringen um ein ausgeglichenes Budget für den Profibetrieb in der zweithöchsten Spielklasse geht weiter. Immer weiter. Geht der harte Kampf um Geld verloren, wird es für den Profifussball in Wohlen keine Zukunft mehr geben. Das ist auch der Grund, warum Verwaltungsratspräsident Lucien Tschachtli zum jetzigen Zeitpunkt noch immer offen-lässt, ob tatsächlich eine Lizenz beantragt wird oder nicht.

Höchste Priorität hat das Budget

Für Tschachtli ist klar: Um den Finanzhaushalt im Gleichgewicht zu halten, muss der FC Wohlen eine neue Philosophie anstreben. In den vergangenen vier Jahren wurde Aktienkapital in der Höhe von 400 000 Franken vernichtet. Dreimal musste ein massives Defizit ausgeglichen werden, zuletzt in der Saison 2014/15 mit einem Verlust von 231 000 Franken. «Damit ist jetzt Schluss», erklärt Tschachtli. «Der FC Wohlen wird im Schweizer Profifussball nur präsent bleiben, wenn er es schafft, regelmässig ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. Das Aktienkapital darf dafür nicht mehr angetastet werden.»

Mit der neuen Ausgangslage ist klar, dass die sportliche Vorwärtsstrategie der Saison 2014/15 unter Cheftrainer Ciriaco Sforza definitiv Geschichte ist. Ein Aufwand von 2,55 Millionen Franken für den Profibetrieb ist nicht mehr zu stemmen. Das Budget darf in Zukunft höchstens noch 2 Millionen Franken betragen. Gemäss Tschachtli wird eine Lizenz für die Saison 2016/17 nur dann beantragt. Im Wissen, dass das durchschnittliche Budget der zehn Klubs in der Challenge League über 4 Millionen Franken beträgt, wird der FC Wohlen in Zukunft nicht über die Rolle des krassen Aussenseiters hinaus kommen.

Wegen der geringen finanziellen Mittel kann das Saisonziel künftig nur noch Ligaerhalt lauten. Umso wichtiger ist es, dass die Klubverantwortlichen neben dem Spielfeld erfolgreich arbeiten: Vonnöten sind vor allem eine ausgeklügelte Transferpolitik und die Förderung von Talenten aus den eigenen Reihen.

Loch bei Zuschauereinnahmen

Nach dem Blick in die Zukunft zurück in die Gegenwart: Trotz Verlängerung des Vertrags mit dem Hauptsponsor ibw bis 2019 sind auch für diese Saison schwarze Zahlen längst nicht gesichert. Zwar wurden die Personalkosten dank namhafter Abgänge von Spielern wie Kevin Pezzoni, Roman Buess, Simone Rapp, Alban Pnishi und Mario Bühler um knapp eine halbe Million gesenkt, aber die Entwicklung der Zuschauerzahlen macht Tschachtli einen Strich durch die Rechnung. Im Budget für die laufende Saison wurde trotz Reduktion der Ticketpreise – Tribüne von 40 auf 30 Franken, Stehplatz von 20 auf 15 Franken – mit höheren Einnahmen gerechnet.

Die Realität sieht ernüchternd aus. Der Zuschauerschnitt sank von 1266 (Saison 2014/15) auf 983 (Vorrunde Saison 2015/16). Damit fehlt in der Kasse ein fünfstelliger Betrag. Beim FC Wohlen kann man es drehen und wenden wie man will: Das drohende Aus im Profifussball schwebt als Dauerzustand wie ein Damoklesschwert über dem Klub.