«Nein», sagt Joël Geissmann dezidiert und weist sie bestimmt zurück, jene Mutmassung, dass sich der FC Wohlen vom Erfolg zum Rückrundenstart in Winterthur blenden liess. «Wir haben uns akribisch vorbereitet und dieses Lausanne erwartet», erklärt Wohlens Vize-Captain. Dieses Lausanne steht für überfallartigen Konterfussball und Effizienz. Genützt hat es wenig.

«Zu Beginn haben wir geschlafen», konstatiert Mittelfeldspieler Ronny Minkwitz treffend. Geschlafen hat der FC Wohlen aber nicht nur in einer Szene, nicht nur während fünf Minuten, sondern während der gesamten ersten Hälfte. Ein Auftritt, der wieder einmal das verdeutlichte, was alle Beteiligten um das Stadion Niedermatten längst wissen: Die Challenge League verlangt maximalen Input. Immer.

Schlammschlacht an Valentinstag

Ob in der 14. Minute, als Manière einen verlängerten Kopfball von Margairaz verwertete, in der 18. Minute, als ein massgeschneiderter Steilpass die gesamte Wohler Defensive schachmatt setzte und Méndez schnörkellos einnetzte oder in der 43. Minute, als Simon Dünki das Laufduell vor dem eigenen Tor gegen Pak dilettantisch verlor und so den Gästen den Weg zum dritten Torerfolg ebnete. Immer fehlte sie in der ersten Halbzeit, die letzte Konsequenz.

«Vor allem in den Zweikämpfen», findet Coach Rueda. Einen externen Faktor gilt es zudem zu beachten: das Terrain. Die morgendlichen Regengüsse zeichneten den Niedermatten-Rasen. Logische Folge: eine Schlammschlacht an Valentinstag. Doch Rueda mag es nicht, zu relativieren. Der Rasen als Ausrede gelte nicht. Die ernüchternde erste Hälfte begründet Rueda mit der Jugendlichkeit seiner Mannschaft. Fehler seien konsequent bestraft worden.

In Winterthur war das noch anders, da war es einer dieser raren Tage, an denen der Gegner selbst mit dem eigenen Unvermögen beschäftigt war. Gegen Lausanne kommt das nicht vor, der beste Sturm der Liga ist schonungslos. Willkommen in der Realität. Im Bauch des Stadion Niedermatten sagt Rueda dann aber auch, dass er seiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen wolle. Denn was der FC Wohlen im Anschluss an die desolate erste Hälfte zeigt, ist beeindruckend. Und das ohne die Aktivposten Alain Schultz und Samir Ramizi.

Die optische Auferstehung

Schultz musste den Rasen in der 36. Minute wegen muskulären Beschwerden frühzeitig verlassen, Ramizi folgte dem Captain kurz nach dem Pausentee mit Verdacht auf einen Schaden im Meniskus. Im Anschluss kreierten die Hausherren den Widrigkeiten zum Trotz Chance um Chance. In der 55. gelang Ianu der Anschlusstreffer, die Hoffnung war zurück.
Als prägendes Element dieser optischen Auferstehung erwies sich der spielfreudige Ramizi-Ersatz Augusto Lotti. Der Argentinier bereitete das 1:3 vor und schlich sich immer wieder in den Fokus. «Leider krönte er seinen soliden Auftritt nicht mit einem Treffer», so sein wehmütiger Trainer.

Ruedas Wehmut fusst vor allem auf jener Aktion in der 71. Minute, als innert wenigen Sekunden sowohl Minkwitz als auch Lotti den Ball in unglaublicher Manier an den Pfosten hämmerten. «Die Effizienz», wird Lotti später beanstanden. Ein Problem, das Coach Rueda bereits in der Hinrunde beschäftigte. Obwohl der FC Wohlen an diesem Sonntagnachmittag ohne Punkte bleibt, stimmt vor allem eines positiv: die Ausdauer. Bis zur letzten Minuten liessen die Angriffsversuche nicht nach. Nach vorne. Immer und immer wieder. «Die Energie ist da», bekräftigt auch Mittelfeldakteur Minkwitz. Der Deutsche weiss, dass die läuferischen Fähigkeiten der Freiämter gegen viele Mannschaften den Unterschied ausmachen können. Lausanne gehört nicht dazu.

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