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Der FC Wohlen in der Super League? Keine Chance!

Sportlich ein Lichtblick, stadionmässig ein Schattendasein: Das Wohler Stadion Niedermatten erfüllt die Vorgaben für die Super League bei weitem nicht.

Sportlich ein Lichtblick, stadionmässig ein Schattendasein: Das Wohler Stadion Niedermatten erfüllt die Vorgaben für die Super League bei weitem nicht.

Der FC Wohlen steht nach sieben Spielen ungeschlagen an der Spitze der Challenge League. Ein Aufstieg in die höchste Spielklasse ist für die Freiämter allerdings absolut unrealistisch. Es gibt zu viele Knackpunkte.

Das Zitat von Lucien Tschachtli spricht Bände. Wohlens neuer Chefstratege sagt klar und deutlich: «Es ist ganz einfach. Wir geben im nächsten Frühjahr die Lizenz für die höchste Spielklasse ein. Sind wir Ende Saison tatsächlich Erster, werden wir zwar viele Auflagen erfüllen, die Lizenz wegen des nicht Super-League-tauglichen Stadions aber trotzdem nicht bekommen.»

Tschachtli trifft mit seiner Aussage ins Schwarze. Der Grund liegt auf der Hand: Sollte der FC Wohlen tatsächlich Challenge-League-Meister werden und damit den Aufstieg schaffen, würde das Stadion Niedermatten den Anforderungen der Swiss Football League nicht genügen. Hoffen können die Freiämter höchstens auf eine Ausnahmebewilligung der Liga.

Die Beleuchtung

Einer von zahlreichen Knackpunkten ist die Beleuchtung: Die rund 314 Lux in der Niedermatten reichen zwar für eine schummrige Party, aber bei weitem nicht für die Super League. Der Stadionkatalog A der Swiss Football League schreibt im Hinblick auf die Saison 2015/16 für bestehende Stadien mindestens 700 Lux vor. Um diesen Standard zu erreichen, müsste im Stadion Niedermatten eine neue Beleuchtungs-Anlage mit höheren Masten gebaut werden. Kostenpunkt – knapp 1 Million Franken!

Wie soll ein solches Projekt innert kürzester Zeit realisiert werden? Wer soll das Ganze bezahlen? Die Beleuchtung ist nur ein Punkt. Mit 3000 Steh- und 624 Sitzplätze erfüllt die Niedermatten die von der Liga geforderte Zahl von 6500 Sitzplätzen für die Saison 2015/16 bei weitem nicht.

Weiter wird vorgeschrieben, dass Super-League-Klubs in einem Jahr über eine automatische Bewässerungsanlage (im Stadion Niedermatten vorhanden) und eine Rasenheizung (nicht vorhanden) verfügen müssen. Woher nehmen und nicht stehlen?

Bleibt für den FC Wohlen die Möglichkeit des Umzugs in ein grösseres Stadion. Als Varianten würden sich Standorte wie Luzern, Zürich oder Basel anbieten. Alles unrealistisch! „Machen wir uns doch nichts vor“, sagt Vereinspräsident Wyder.

„Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, die Fans zu verpflanzen. Der FC Wohlen ist in Wohlen zuhause.“ Wie schwierig Umzüge sind, beweisen die Beispiele von Biel und Wil. Die Bieler und Wiler fanden zwar kurzzeitig Aufnahme in der Neuenburger Maladière respektive St. Galler AFG Arena, spielten dort aber einerseits beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit, anderseits überstiegen die Mietkosten und die finanziellen Aufwendungen für die Sicherheit die Möglichkeiten der beiden Klubs.

Traum und Albtraum

Kann der FC Wohlen Ende dieser Meisterschaft tatsächlich den Titel eines Challenge-League-Meisters feiern, wäre das ein sportliches Wunder. Ein Traum ginge in Erfüllung. Ein Traum, der für die Spieler aber zugleich Albtraum ist. Denn eines steht jetzt schon fest. Der FC Wohlen und Super-League-Fussball – da ist absolut unrealistisch. Der Klub stiess bereits mit dem Aufstieg in die Challenge League im Frühling 2002 an Grenzen.

Die Wohler Stimmbevölkerung sagte zwar im gleichen Jahr Ja zum Bau der Sportanlage in der Niedermatten, der FC Wohlen aber musste die Saisons 2002/03 und 2003/04 noch in der 1924 erbauten, alt-ehrwürdigen Paul-Walser-Stiftung austragen. Die Züglete in die Niedermatten erfolgte erst 2004. Für die Challenge League reicht die kleine, schmucke Sportstätte allemal, für die Super League nicht.

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