Als am Montag nach dem Vormittagstraining in Marbella die FCB-Spieler Richtung Bus schlendern, stecken Georg Heitz und Zdravko Kuzmanovic die Köpfe zusammen. Was wirkt wie ein Gedankenaustausch zwischen dem Sportdirektor und einem Führungsspieler, bekommt 24 Stunden später eine ganz neue Bedeutung. Heitz erlaubt dem Serben wohl genau in diesem Moment, das Trainingscamp des FCB zu verlassen, um mit einem anderen Verein zu verhandeln. Genau dies nämlich passiert am Tag darauf: Kuzmanovic kehrt dem FC Basel den Rücken; ein halbes Jahr, nachdem er von Inter Mailand zu seinem Jugendverein zurückgekehrt ist und von Marco Streller die Rolle der Integrationsfigur übernehmen sollte.

Wenige Stunden nach dem Platzen der Kuzmanovic-Bombe trifft die «Nordwestschweiz» den Serben am Flughafen von Malaga. Das Baseball-Cap tief ins Gesicht gezogen und mit dem Handy am Ohr, sitzt er vor einer Imbissbude und beisst in ein Schinken-Käse-Sandwich. Auf die Frage nach einem Kommentar zur Situation erfolgt die Antwort freundlich, aber bestimmt: «Sorry, aber ich will und darf jetzt nicht darüber sprechen.

Hier sitzt Kuz im Flieger zurück in die Schweiz.

Hier sitzt Kuz im Flieger zurück in die Schweiz.

Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.» Später schleicht er sich an der Warteschlange beim Boarding vorbei und setzt sich im Swiss-Flieger LX 2111 nach Zürich in die Business-Class. Kurz nach der Landung sagt er: «Jetzt gehe ich erst einmal nach Hause zu meiner Familie.» Und taucht dann ab im Menschengewirr.

Kurios: Als Kuzmanovic 2007 den FCB mit 19 Jahren ein erstes Mal verliess, tat er dies ebenfalls im Januar im Trainingslager in Andalusien. Auch damals schien das Ganze überstürzt, wie eine Flucht. So wie gestern: Niedergeschlagen oder gar wütend wirkt er nicht, wie man das von jemandem erwarten würde, dessen kürzlich gefasster Lebensplan soeben in sich zusammengekracht ist. Nein, da sitzt ein befreiter Kuzmanovic, der immer wieder grinst, wenn er telefoniert.

Nach neun Jahren bei Fiorentina, Stuttgart und Inter Mailand kehrte Kuzmanovic im Sommer zum FC Basel zurück und unterschrieb einen Vertrag bis 2020 (!). Man fragte sich: Warum kommt einer wie er, 28 und somit im besten Fussballeralter, zurück in die Schweiz? Warum bleibt er nicht bei Inter Mailand oder nimmt nicht eines der Angebote aus Deutschland, Italien und England an? Kuzmanovic verstand die Fragen nicht.

Er sagte, er meine es wirklich ernst. Er sei nach Hause gekommen, zum Verein, dem er als Junior beigetreten war und bei dem er zu einem der verheissungsvollsten Mittelfeldtalenten Europas reifte. Hier habe er ein Haus gekauft und richte dieses nun her für die Frau und die zwei Töchter. Um all dies zu untermauern, sagte er: «Ich bleibe für immer beim FC Basel!» Diesen Satz wiederholte er wenige Wochen später, als die Euphorie um seine Verpflichtung etwas abgeebbt war. Er sagte auch, dass er gut umgehen könne mit den hohen Erwartungen. Er krallte sich das Amt des Vize-Captains und sagte, er wolle eine neue Ära prägen, Titel gewinnen und Champions League spielen.

Kuzmanovic ein Lügner?

All diese Sätze sind rückwirkend blosses Geschwätz. Oder wie soll man es nennen, wenn Kuzmanovic bereits sechs Monate später wieder geht? Nur, weil die Vorrunde nicht so gelaufen ist wie erhofft. Dabei gab es dafür triftige Gründe. Auch solche, für die Kuzmanovic nichts kann: Als er nach Basel kam, hatte er zuvor zwei Monate nicht gespielt, weil er verletzt war. Im August dann verletzte er sich auch im FCB-Dress und fiel acht Wochen aus.

Als er wieder fit war, spielte die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld so gut, dass es für Trainer Urs Fischer keinen Grund gab, zu wechseln. Und wenn er dann doch einmal spielte, waren seine Leistungen meistens schwach. Keine Frage: Ein Kuzmanovic in Topform ist ein gewinnbringender Fussballer. Aber es scheint, als hätte er gedacht, einem Ex-Spieler von Inter Mailand ginge beim FCB alles leicht von der Hand. Dabei hat er ignoriert, dass sich der Verein während seiner neunjährigen Abwesenheit verändert hat. Und dass seine Spielweise, nämlich vor allem zu dirigieren, statt zu laufen, nicht mehr zum FCB passt.

Zurück nach Italien?

Kuzmanovic hat die Geduld verloren. Keine Überraschung, Geduld war noch nie seine Stärke. Aus dem Team war zu vernehmen, Kuzmanovic rede viel, aber liefere wenig. Er soll jüngere Spieler von oben herab behandelt und auf Anweisungen des Trainers nicht viel gegeben haben. Im Dezember schliesslich ging Kuzmanovic auf die FCB-Verantwortlichen zu und sagte, dass er überlege, den Verein zu verlassen.

Von diesem Vorhaben liess er sich nicht mehr abbringen. Auch nicht, nachdem Mohamed Elneny zu Arsenal wechselte und für Kuzmanovic im Zentrum ein Platz frei wurde. Sportdirektor Heitz: «Schade, dass er die Geduld nicht hatte, um die Entwicklung in der Rückrunde abzuwarten. Wenn sich ein Spieler nicht vollends mit unseren Saisonzielen identifizieren kann, muss man eine Lösung finden.» Kuzmanovic wird wohl zurück nach Italien gehen. Dort heisst es, er sei sich mit Udinese einig.

Eine elegante Lösung

In Basel dürfte man derweil froh darüber sein, den Fall Kuzmanovic elegant gelöst zu haben – vor einer möglichen Eskalation. Quasi ein Schrecken mit Ende. Bevor dieser sich auf die Stimmung im Team ausgewirkt und sogar die sportlichen Ziele gefährdet hätte.

Der abrupte Abgang Kuzmanovics zeigt zudem zwei Dinge: Dass die Formel, Spieler zum FCB zurückzuholen, keine Garantie für Erfolg ist (siehe Text rechts). Gleichzeitig muss sich die Transferkommission des FCB eingestehen, sich in Kuzmanovic getäuscht zu haben. Die Verantwortlichen durchleuchten jeweils auch den Charakter eines Neuzugangs – dieses Screening scheint bei Kuzmanovic nicht funktioniert zu haben. Heusler und Heitz haben nun die Gelegenheit, diesen Fehler umgehend zu korrigieren: Es ist davon auszugehen, dass der FCB bis zum Rückrundenstart noch einen Spieler für das zentrale Mittelfeld holt.