Spitzenkampf

YB fügt dem FCB in einem turbulenten Spiel die erste Saisonniederlage zu

Die Berner Young Boys besiegen den FC Basel mit 4:3. Somit ist die Siegesserie des FCB gerissen. Es war ein unglaubliches Spiel mit viel Spektakel, noch mehr Toren und Emotionen pur.

Eigentlich ist längst alles entschieden. Es laufen die letzten Minuten im Stade de Suisse. YB führt gegen den FC Basel 4:2. Das Publikum geniesst. Aber es hat noch nicht genug. Es peitscht Gelb-Schwarz nach vorne. Es will noch ein Tor. Vielleicht als Entschädigung für das ewige Leiden.

Nein, YB schiesst kein Tor mehr. Aber es wird trotzdem nochmals laut. Weil Yvon Mvogo zum wiederholten Mal durch die Luft fliegt und einen Freistoss von Zuffi aus der Ecke holt.
Es läuft jetzt die 92. Minute, der FCB greift noch einmal an. Der Ball kommt zu Janko – und liegt plötzlich im Tor. Nur noch 4:3. Doch noch nicht alles entschieden? Wieder ein typisches YB-Ende?
Noch einmal gibt es Freistoss. Diesmal versucht sich Xhaka. Und wieder, nun bereits zum vierten Mal, hält Mvogo herausragend. Das Spiel ist aus. Es ist ein grosser YB-Sieg. Aber die Action ist noch lange nicht vorbei.

Steffen, der Berner Filou, provoziert Xhaka. Dieser schlägt zu – rote Karte. Es kommt zur Rudelbildung. Breel Embolo ist ausser sich, muss von FCB-Sportdirektor Georg Heitz zurückgehalten werden. Dann beruhigen sich die Gemüter. Und die Feierlichkeiten auf der Tribüne nach diesem aufwühlenden Fussballabend können beginnen.
Der neue YB-Trainer Adi Hütter klatscht vor seinem Abgang begeistert in Richtung Publikum. Zeigt auf die Mannschaft. Als wollte er sagen: «Seht her, sie waren es, nicht ich!» Es ist natürlich nicht die ganze Wahrheit.

Wie damals mit Petkovic

Vielleicht wird dieser 23. September 2015 dereinst in die YB-Geschichte eingehen. Als der Abend, an dem alles begann. Auf dem Weg zum ersten Titel seit 1987. Hütter hat gerade einmal zwei Spiele gebraucht, um Bern zu euphorisieren. 4:0 gegen Vaduz. Nun 4:3 gegen Basel. Zweimal Spektakel. Zweimal drei Punkte. Besser hätte sein Einstand nicht sein können.

Natürlich haben Berner Skeptiker nun nicht ganz Unrecht, wenn sie auf die Vergangenheit verweisen. Dass nach einigen hoffnungsvollen YB-Auftritten nur allzu bald wieder umso grössere Schritte zurück folgten. Aber vielleicht ist diesmal ja doch alles anders. Die Art, wie YB spielte, dieser rauschende Tempofussball, erinnerte an die Auftritte unter Vladimir Petkovic.
Die grossen Figuren auf Seite von YB gestern heissen Sulejmani und Gerndt. Beide schiessen zwei Tore. Vor allem Sulejmani kommt unter Hütter immer besser in Fahrt.

Der FC Basel ist an diesem Abend der YB-Auferstehung meist nur in der Rolle des Zuschauers. Urs Fischer muss erstmals als FCB-Trainer den Geschmack einer Niederlage erfahren. Die Basler sind mit dem 3:4 gut bedient. Es gelingt ihnen in keiner Phase des Spiels, das Diktat zu übernehmen. Es ist nichts von der normalen Dominanz zu sehen. Gerade im Mittelfeld gelingt es Kuzmanovic und Xhaka viel zu selten, Akzente zu setzen. Es ist kein Zufall, dass die ersten beiden FCB-Tore nach Standardsituationen fallen. Am ehesten vermochte noch Embolo zu überzeugen. Aber allein kann auch das Wunderkind keine Spiele entscheiden.

Bei allen vier Gegentoren leistet sich der FCB unerklärliche individuelle Fehler. Erst Xhaka, dann zweimal Aliji und schliesslich auch noch Torhüter Vaclik, der einen hohen Ball komplett falsch einschätzt.

Natürlich, es ist nur eine Niederlage. Und es gibt keinen Grund zur Panik im FCB-Lager. Das Team ist stabil. Noch immer beträgt der Vorsprung auf YB neun Punkte. Und bald werden Gegner kommen, die Rot-Blau weniger euphorisiert entgegentreten als dieses YB.
Aber wer weiss, vielleicht lässt sich der eine oder andere Konkurrent auch etwas vom YB-Mut anstecken. Es wäre zum Wohl des Schweizer Fussballs.

Matchtracker: YB - FC Basel

ScribbleLive YB - FC Basel 23.09.2015

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