Super League

Wie Urs Fischer sein erstes Spiel als FCB-Trainer erlebte

Urs Fischer (rechts) beim Handshake mit Vaduz-Trainer Giorgio Contini vor seinem ersten Pflichtspiel als Coach des FC Basel.

Urs Fischer (rechts) beim Handshake mit Vaduz-Trainer Giorgio Contini vor seinem ersten Pflichtspiel als Coach des FC Basel.

Mit dem Start der neuen Super-League-Saison feierte Urs Fischer eine Premiere. Die Partie gegen Vaduz war seine erste an der Seitenlinie des FCB. Fischer konnte den 2:0-Sieg ruhig verfolgen und war danach entsprechend zufrieden.

Eigentlich kennt Urs Fischer das «Joggeli» ziemlich gut. Er hat hier als Spieler und als Trainer unzählige Schlachten geschlagen. Nur war er noch nie auf der rot-blauen Seite. Seit gestern ist das anders. Jetzt steht Urs Fischer als neuer Trainer des FC Basel mitten auf der grossen Bühne.

Wie gefällt sie ihm? «Solange ich gewinne, gefällt mir jede Bühne», sagt Fischer. Der 49-Jährige setzt ein zufriedenes Lachen auf. Dann schwärmt er: «Diese Unterstützung im Stadion zu spüren, hat bei mir einige Emotionen geweckt. So, dass ich am liebsten gleich selbst wieder eingegriffen hätte auf dem Rasen.»

Es ist erst wenige Minuten nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen Vaduz. Ein bisschen nervös, ja, das lasse sich nie vermeiden, erzählt Fischer. «Hauptsache ich bin nicht so sehr nervös, dass ich damit andere anstecke.» Schliesslich sagt Fischer: «Es war jedenfalls kein Vergleich zu meinem Debüt als Spieler 1984 in der Nationalliga A.»

Schwierige Aufgabe zum Auftakt

Damals konnte er in der Nacht zuvor kaum schlafen. Weil Fischer von FCZ-Trainer Köbi Kuhn schon am Vorabend erfuhr, dass er zur Startformation gehört. Das Spiel ging ordentlich schief. 1:6 verlor der FCZ in Sion. Zur Pause, 1:3 stand es, war der Arbeitstag für Fischer bereits zu Ende.

Zu einem solchen Albtraum geriet Fischers Ouvertüre als FCB-Trainer wie erwartet nicht. Er ortete zwar die eine oder andere «Baustelle», versprach aber: «Wir werden wie verrückt krampfen, damit die Baustellen bald wieder befahrbar werden.» Mit gewissem Recht hob Fischer am Ende das Resultat hervor. «Gerade in einem Saisoneröffnungsspiel zählt vor allem der Sieg.»

Für Urs Fischer sogar besonders. Denn eigentlich gibt es als neuer Trainer kaum eine undankbarere Aufgabe, als ein Start-Heimspiel gegen den bescheidenen FC Vaduz. Es gibt wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren. Fischer resümierte: «Vielleicht war manchmal etwas Vorsicht dabei. Aber wir mussten ja auch davon ausgehen, dass noch nicht alles funktioniert. Ich bin zufrieden mit meinem Team.»

Krasser Gegensatz zu Sousa

Die Zuschauer erlebten einen Urs Fischer an der Seitenlinie, der das Geschehen in aller Ruhe verfolgte. Elf Minuten dauerte es, bis er sich erstmals von seinem Platz auf der Bank erhob – um einen Ball, der zu ihm rollte, ins Spiel zurückzugeben. Selbst nach dem Führungstor von Delgado blieb Fischer auf der Bank sitzen. Welch ungewohntes und angenehmes Bild im Vergleich zum stets Hektik verbreitenden Paulo Sousa. Wenn sich Fischer mal an die Seitenlinie stellte, dann nur, um kleine, gezielte Inputs zu überbringen.

Als das Spiel zu Ende war, betrat Fischer den Platz, klatschte mit seinen Spielern und den Gegnern ab. Und wechselte – jetzt plötzlich ziemlich engagiert – mit Zdravko Kuzmanovic einige Worte. «Ich war etwas sauer», erklärte er hinterher, «ich finde es ja durchaus gut, den Ball zu halten und laufen zu lassen. Aber nicht so, dass der Gegner so nahe herankommt, dass meine Spieler in jedem Zweikampf noch einen Schlag mitbekommen. Das habe ich Zdravko mitgeteilt.»

Wohl fast so süss wie der Sieg schmeckten Fischer die Szenen kurz danach. Der Weg zum TV-Interview führt an vielen Fans vorbei. Fast alle klopften ihm, dem Ur-Zürcher, auf die Schultern und wünschten weiterhin gutes Gelingen. Dieser Prozess der Annäherung zwischen Basler Umfeld und Trainer ist für die Ruhe im Verein zumindest ähnlich wichtig wie positive Resultate.

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