Fussball

Warum FCB-Siege in Sion mehr wert sind als drei Punkte

Überflieger Embolo und seine Teamkollegen feiern den neusten Coup im Wallis.

Überflieger Embolo und seine Teamkollegen feiern den neusten Coup im Wallis.

Lange Anreise, stumpfer Platz, schwere Bälle. Aber die Vergangenheit hat es gezeigt: In Schlüsselspielen blüht Rot-Blau im Tourbillon in Sitten auf.

Nüchterne Kommentatoren sagen: Drei Punkte sind drei Punkte, abgerechnet wird am Schluss. Doch es ist längst kein Geheimnis mehr, dass im Fussball gewisse Spiele mehr Auswirkung haben als jene auf dem Punktekonto. Ein Sieg in letzter Minute etwa kann Kräfte freisetzen, die ein Team auch im nächsten Spiel zum Erfolg tragen. Oder es gibt Niederlagen, die so unglücklich zustandekommen, dass sie der Beginn einer Negativspirale sind.

Auch der FC Basel kennt dieses Phänomen. Und auffallend oft ist es zuletzt nach Gastspielen im Wallis aufgetreten:

22. April 2012: Zweimal Alex Frei und Markus Steinhöfer mit seinem ersten Super-League-Tor schiessen Rot-Blau zum klaren 3:0-Sieg. Nach dem Schlusspfiff wummern in der FCB-Kabine die Bässe, davor steht mit breitem Grinsen Präsident Bernhard Heusler. Zwar ist es mathematisch noch nicht fix, doch der Sieg in Sion ist in der Endabrechnung der entscheidende Schritt zum Titel. Eine Woche später macht der FCB dank des locker-leichten 3:1 gegen Lausanne alles klar und darf den Meisterschafts-Hattrick auch offiziell bejubeln.

5. Mai 2013: Keine 72 Stunden zuvor hat der FCB in London das Rückspiel im Europa-League-Halbfinal gegen Chelsea verloren, als er an diesem Sonntag im Tourbillon ran muss. Wegen der Reisestrapazen wird es wie erwartet von A bis Z ein Knorz. Es braucht Glück, viel Willen, Charakter und Siegermentalität, um das 1:0 von Diaz über die Zeit zu retten. Zwar verliert der FCB danach noch zwei der folgenden sechs Spiele. Doch gefragt nach dem Schlüsselmoment auf dem Weg zum Titel, verweisen die Akteure an der Meisterfeier auf dem Barfüsserplatz auf den Kraftakt unten im Wallis.

13. April 2014: Erneut liegt hinter dem FCB ein bitteres Out in der Europa League. Nicht wenige sagen, dass das 0:5 in Valencia dem Team von Murat Yakin das Genick breche – auch, weil es zwischen Yakin und den Spielern stärker denn je kriselt. Denkste! Dank Rückkehrer Marco Streller, der trotz nicht komplett verheiltem Muskelfaserriss Verantwortung übernimmt und die hundemüden Teamkollegen zum 1:0 führt. Bezeichnend: Das Tor des Tages erzielt Fabian Frei mittels eines mühevoll verwandelten Penaltys. Und dies sagt Streller einen Monat später an der Meisterfeier: «Wenn wir in Sion nicht gewonnen hätten, würden wir heute GC zum Titel gratulieren.»

Sousas Schwärmereien

Nun hat der FCB am vergangenen Samstag erneut in Sion gewonnen. Natürlich – anders als 2014 und 2013, als der Druck zentnerschwer auf den Basler Schultern lastete, hätte auch eine Niederlage nichts verändert an der Prognose, dass der Titel zum sechsten Mal in Serie ans Rheinknie gehen wird. Und doch war den Spielern und Trainer Paulo Sousa die Erleichterung darüber, das schwerste aller Auswärtsspiele im letzten Saisonviertel gewonnen zu haben, ins Gesicht geschrieben: Die lange Anreise; der stumpfe und trockene Rasen im Tourbillon; ein Spielgerät, das sich anfühlt wie ein Stein statt wie ein mit Luft gefüllter Lederballon und über den die Spieler hinter vorgehaltener Hand fluchen; die hitzige Ambiance – all das sorgt vor jeder FCB-Fahrt ins Wallis für gehörigen Respekt. Wenn dann die drei Punkte gesichert sind, hört man das Durchatmen der Basler bis auf die Tribüne. Auch dieses Mal.

Paulo Sousa kam aus dem Schwärmen kaum heraus, sprach von einem fantastischen Sieg, von riesigem Stolz auf die Mannschaft, von Charakterstärke und viel, viel Herz. So euphorisch wie im Medienraum des Tourbillon hat man den FCB-Trainer sonst nur nach den Siegen in der Champions League referieren gehört.

Von einer Entscheidung im Meisterrennen wollten aber weder der Portugiese noch die Spieler noch Präsident Bernhard Heusler etwas wissen – verständlich, rechnerisch kann YB ja noch aufholen. Aber mit Blick auf die vergangenen drei Spielzeiten gilt nach dem 1:0 in Sion mehr denn je: Ein Sieg im Wallis ist mehr wert als drei Punkte.

Meistgesehen

Artboard 1