Breel Embolo hat die Passkontrolle am Basler Flughafen hinter sich gebracht und stellt jetzt einen neuen Rekord auf: Noch nie hat er so früh am Tag ein Interview gegeben. Obwohl es noch nicht sieben Uhr ist, wirkt der 18-Jährige hellwach. Er hat am Samstag in Lugano die Beine strecken dürfen und fühlt sich bereit für grosse Taten in Tel Aviv. «Ich freue mich sehr auf die heisse Atmosphäre in diesem Stadion.»

Dass auf seinen jungen Schultern ein erheblicher Teil der Basler Hoffnungen auf Tore liegt, macht dem Stürmer nicht zu schaffen. «Zu Hause haben wir gut gespielt. Wenn wir noch einmal die gleiche Leistung abrufen, dann packen wir es.»

Das Geld steht nicht im Vordergrund

Georg Heitz steht in der Nähe des Abflug-Gates und ist ein gefragter Mann. Obwohl die Ausgangslage für den FCB nach einem 2:2 zu Hause im St. Jakob-Park nicht die beste ist und es um 22 Millionen Franken geht, gibt sich der Sportdirektor gelassen. «Ja, es geht um viel Geld in Tel Aviv. Von existenzieller Bedeutung ist der Ausgang dieser Partie für uns aber nicht», sagt Heitz. «Das ist nicht immer so gewesen. 2010 in Tiraspol etwa war dies noch ganz anders. Deshalb ist jetzt auch nicht der Moment, um über Geld zu sprechen, der Sport steht im Zentrum.»

Es gehe ums Renommee, um den Einzug in den alles überstrahlenden Klubwettbewerb, um den Koeffizienten und einfach auch darum, die Aufgabe in Israel positiv anzugehen, sagt Heitz. «Wir können etwas Tolles erreichen. Wenn wir noch einmal so gut spielen wie im Hinspiel und die Fehler nicht wiederholen, dann werden wir es schaffen», ist Heitz überzeugt. «Aber ein Ausscheiden ist immer möglich. Der Gegner ist sehr erfahren.»

Dass der FCB als Fünfzehnter der Klubrangliste überhaupt eine Qualifikation für die Champions League bestreiten muss, gibt Heitz bisweilen zu denken. Er wäre gewiss nicht böse, würden die anderen Schweizer Europacupvertreter eifriger punkten und mithelfen, den Länderkoeffizienten zu erhöhen.

Eine gewisse Anspannung ist spürbar

Urs Fischer hat im Flugzeug den Laptop aufgeklappt und macht sich mit seinem Assistenten Markus Hoffmann Gedanken zum Spiel in Tel Aviv. Noch vor dem Boarding hat er gesagt: «Natürlich habe ich bei der Begrüssung der Spieler gespürt, dass wir vor einer speziellen Partie stehen.» Der Basler Trainer räumt ein, dass es nicht schlecht gewesen wäre, wenn sie mit einem 2:1-Vorsprung nach Israel gereist wären. «Wir werden uns aber einen Schlachtplan zurechtlegen, damit wir unser Ziel noch erreichen.»

Fischer macht sich Gedanken darüber, ob er Innenverteidiger Daniel Hoegh nach den Patzern im Hinspiel einsetzen soll. Der Däne habe beim 3:1 in Lugano eine gute Antwort gegeben, sagt Fischer zu diesem Thema nur. Mehr will er dann auch am Abend, als er bei der offiziellen Pressekonferenz auf dem Podium sitzt, nicht sagen. Zur Spielausrichtung aber spricht er Klartext: «Es muss nicht gerade ein Sturmlauf sein, aber ich erwarte einen mutigen Auftritt meiner Mannschaft.»

Fussball bedeutet auch Reisen

Wie alle anderen Teamkollegen wartet Luca Zuffi nach der Landung in Tel Aviv darauf, bis sich das Gepäckband in Bewegung setzt. «Ich bin dank dem Fussball schon an vielen Orten gewesen, die ich im Normalfall nicht gesehen hätte», sagt der Aufbauer. «In Israel bin ich nun auch das erste Mal.» Der Winterthurer ist zuversichtlich, dass es für die Champions League reicht. «Auch wenn Maccabi gefährlich ist und es mit Zahavi einen überaus starken Stürmer hat.»

Ofek Lev wartet zusammen mit seinem Kumpel am Flughafen von Tel Aviv in voller Maccabi-Fanmontur, bis Zuffi und Co. zum Bus marschieren. Sie wollen ganz aus der Nähe sehen, mit welcher Gegnerschaft es ihr Herzensklub am Dienstag zu tun bekommt. «Wo ist Delgado?», fragt Ofek. «Was, er ist verletzt und nicht mitgereist? Das ist gut für Maccabi, sehr gut sogar.» Und überhaupt, es sei jetzt das sechste Mal, dass sie gegen Basel spielten und Zeit für den ersten Sieg. «Unser BloomfieldStadion ist eine Festung», sagt Ofek.

Eine Rüstung erwartet den FC Basel

Es geht schon gegen 21 Uhr, als etwas ausserhalb dieser Festung Slavisa Jokanovic und Captain Eran Zahavi zur Pressekonferenz von Maccabi erscheinen. «Die Champions League ist unser Traum», sagt der serbische Trainer. «Wenn wir clever spielen, kann er wahr werden.» Der Superstar sagt: «Es ist schön, dass nach meinen beiden Toren in Basel so viele Leute über mich sprechen. Ich versuche natürlich, das Ganze heute Abend zu wiederholen.» Jokanovic blickt zu Zahavi und sagt: «Eran ist ein enorm wichtiger Spieler für uns. Aber Maccabi ist nicht Eran allein. Alle von uns können Fussball spielen.»