FCB-Saisonbilanz

Von einer Absage an Fiorentina und einem Vergleich mit Barça

Paulo Sousa bewertete an der Pressekonferenz seine erste Saison beim FC Basel.

Paulo Sousa bewertete an der Pressekonferenz seine erste Saison beim FC Basel.

Das beste Team hinter dem FC Barcelona und Real Madrid, ein Titel und eine gute bis sehr gute Saison. Der FC Basel zieht Bilanz über seine Saison 2014/2015 und erklärt, dass man weiterhin mit Paulo Sousa als Trainer plant.

Sehr enttäuscht, schwer zu verdauen, absolut unterlegen – es waren dies die Worte von Paulo Sousa, mit denen er den gestrigen verlorenen Cupfinal gegen den FC Sion und seine Gefühlslage zu umschreiben versuchte.

Nur einen Tag nach diesem Misserfolg, wie Sportdirektor Georg Heitz den verlorenen Final bezeichnete, lud der FCB zu einer Saison-Bilanz-Medienkonferenz ein. Hätte man gestern gewonnen, es wäre ein Lobgesang auf eine starke Saison geworden. «Outstanding» – herausragend also – wäre sie gewesen, hätte man das Double geholt, so Sousa letzte Woche. Doch es kam anders. Der FCB spielte schlecht, lustlos, ideenlos, uninspiriert, ohne Kampfwillen, schwach.

Doch Ausreden für diese unterdurchschnittliche Leistung wollte man beim FCB nicht suchen. Klar, «dem Team haben mit Breel Embolo und Derlis González zwei wichtige Spieler gefehlt», sagt Sousa. Aber auch das sei keine Ausrede. «Sion war schlichtweg viel besser. Sie waren uns überlegen und haben absolut verdient gewonnen.»

Die Fragen nach den Ursachen wollten aber nicht verstummen. Waren die Spieler nicht bereit im Kopf? Hatte man Sion nicht so stark erwartet? «Doch, wir mussten genau das erwarten. Es war keine Überraschung.» Und Sousa glaube auch, dass seine Spieler fokussiert und motiviert waren. «Ich glaube schon, dass sie motiviert waren. Und ich widerspreche der These komplett, dass ein paar meiner Spieler zu viel Party gemacht haben oder mental schon in den Ferien waren.»

Aber Sousa fiel es sichtlich schwer, die für ihn erste Niederlage in einem Final zu verarbeiten. Es gelte einfach die Überlegenheit zu akzeptieren und es beim nächsten Final besser zu machen. «Wir müssen einige Dinge verändern, wenn wir das nächste Mal die Möglichkeit haben, einen Final zu spielen», sagt Sousa.

Bleibt Sousa beim FCB?

Es sind Andeutungen auf die nächste Saison, auf Pläne, die Sousa mit dem FCB hat. Nachdem seit gestern kurz nach Spielende Gerüchte kursieren, das Serie-A-Team Fiorentina wolle Sousa als neuen Trainer holen, sind dies Aussagen von Sousa, die so eher nicht zu erwarten waren. «Das heisst also, wir dürfen erwarten, dass Sie den nächsten Final hier in Basel mit dem FCB spielen?», fragte einer der anwesenden Journalisten. «Das müsst ihr erwarten, ja» so Sousas knappe Antwort.

Und auch auf die Frage, ob er denn mit Fiorentina in Kontakt stehe, antwortete Sousa mit einem knappen, aber sehr nachdrücklichen «No». Und auch Sportdirektor Heitz erklärte, dass man «Stand heute davon ausgeht, mit diesem Trainer in die neue Saison zu starten.» Weder Sousa selbst noch irgendein anderer Verein seien bisher an den FCB herangetreten, um über einen möglichen Abgang von ihm zu reden. «Aber ihr wisst alle auch, dass man im Fussball nie Garantien abgeben kann. Das ist die Dynamik dieses Sports.»

Ebendiese Fragen über einen Abgang Sousas, Abgänge von Spielern und den viel zitierten Umbruch waren nicht sehr gerne gehört. Man habe Personalentscheide noch immer im stillen Kämmerchen und nicht an einer Medienkonferenz diskutiert, «und das wird auch so bleiben», erklärte Heitz.

Viel lieber sprach man über die abgelaufene Saison, die, wie Sousa betonte, «fantastisch» gewesen sei – natürlich immer mit Ausnahme des Cupfinals. «Wir hatten den besten Start in die Saison seit dem Jahr 2003, wir hatten wenige verletzte Spieler und haben die jungen Spieler weiter gebracht.» Am bemerkenswertesten von all den Statistiken sei aber die Anzahl Tore, die sein Team erzielt hat: «Wir haben 84 Goals gemacht.» Und das sind nach Real Madrid und dem FC Barcelona die meisten erzielten Tore im europäischen Vergleich, wie Sousa bereits letzte Woche betonte. Dass diese vielen Tore auch noch von 19 verschiedenen Spielern erzielt wurden, sei sehr erfreulich.

Ausserdem war Sousa auch stolz darauf, dass man in 12 Auswärtsspielen in der Meisterschaft gewinnen konnte. Doch am wichtigsten sei für ihn, dass er die Anerkennung seiner Spieler erhalten habe. «Darüber bin ich sehr glücklich.»

Saison «gut bis sehr gut»

Von Seiten der Klubführung zeigte man sich ebenfalls zufrieden mit der Saison 2014/2015. Auch wenn es am Ende erneut nur einen Titel zu bejubeln gab, sei die Bilanz nicht ganz die gleiche wie in der Saison zuvor. «Wir waren dieses Jahr im Achtelfinal der Champions League, das war im letzten Jahr nicht so», sagt Georg Heitz. Insgesamt sei die Saison «gut bis sehr gut» gewesen, vergleichen wollte er die letzten beiden Spielzeiten aber nicht.

«Man muss sowohl im Erfolg als auch im Misserfolg aufpassen, dass man keine Schnellschüsse macht», so Heitz. Denn man dürfe trotz dem verlorenen Cupfinal nicht vergessen, was die Spieler über die ganze Saison hinweg Grosses geleistet und wie sie sich bewiesen hätten. So mahnte Heitz auch noch einmal: «Man darf den Match von gestern nicht zum Massstab nehmen.» Bleibt zu hoffen, dass dem wirklich so ist. 

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