Der FC Basel ist in der Schweiz nur die Nummer vier. Hinter YB, dem FC Zürich und ja, sogar hinter Sion. Die Rede ist zwar nicht von der Meisterschaft, die der FC Basel auch in dieser Hinrunde einmal mehr dominiert hat. Es geht um die Anzahl Mitglieder des Vereins.

Und dass der grösste und erfolgreichste Fussballverein der Schweiz, der regelmässig fast 30'000 Fans an seinen Heimspielen begrüsst, der 25'000 Jahreskartenbesitzer und 550'000 Sympathisanten in der Schweiz hat, vergleichsweise wenige Mitglieder hat, gefällt den Verantwortlichen natürlich nicht. Oder wie Marco Streller, FCB-Botschafter und Gesicht des neuen Projektes es an der ausserordentlichen Generalversammlung heute Dienstagabend gesagt hat: «Dass der FCZ und der BSC Young Boys vor uns sind in irgendeiner Tabelle, das stört mich extrem.»

Um diesen Umstand zu ändern und auch in diesem Punkt eine Grossmacht im Schweizer Fussball zu werden, wurde 2014 das Projekt «Verein FC Basel 10'000» ein erstes Mal vorgestellt. Wie der Name schon sagt, ist das Ziel des Projektes das Erreichen von 10'000 Mitgliedern. Das wäre im Vergleich zum jetzigen Zeitpunkt mehr als eine Verdreifachung, da die Basler momentan «nur» 3124 Mitglieder zählen.

«Wir wissen, dass die Erhöhung der Mitgliederbasis auf 10'000 ein ambitioniertes Ziel ist. Aber das ist man sich beim FCB ja gewohnt», sagte FCB-Präsident Bernhard Heusler deshalb auch an der diesjährigen ordentlichen Generalversammlung im April. Nun wurde das Projekt an der heute Abend durchgeführten ausserordentlichen Generalversammlung erstmals konkret vorgestellt.

Die wichtigsten Eckpunkte waren aber schon vor dem heutigen Anlass klar, die bisherigen Mitglieder wurden per Brief informiert. Der FC Basel will durch die Verbreiterung der Mitgliederbasis auf 10'000 den nicht selbsttragenden Verein finanziell stärken. Um mehr Leute zur Mitgliedschaft zu bewegen, soll der Mitgliederbeitrag in allen Kategorien um 50 Prozent gesenkt werden. Das bedeutet bei einem ordentlichen Beitrag einer erwachsenen Person eine Senkung von aktuell 200 auf 100 Franken. Sollten die insgesamt angepeilten 10'000 Mitglieder zusammenkommen, würde der FCB also 1 Million Franken pro Jahr durch die Mitgliederbeiträge einnehmen.

Mit Marco Streller als Gesicht des Projekts wirbt der FC Basel um mehr Mitglieder.

Mit Marco Streller als Gesicht des Projekts wirbt der FC Basel um mehr Mitglieder.

Defizitärer Verein soll Geschichte sein

Doch diese Senkung hat auch zwei Haken. Zum einen würden die Mitglieder, die nach dem heutigen 15. Dezember 2015 beitreten, nach 25 Jahren nicht mehr automatisch zu Freimitgliedern werden, wie es bislang der Fall war und für die bereits zugehörigen Mitglieder auch weiterhin sein wird. Und zum anderen würde der Rabatt von 20 Prozent, den die Mitglieder momentan noch auf ihre Jahreskarte geniessen, wegfallen. Dies bedeutet, dass Mitglieder, die für die teureren Plätze eine Jahreskarte haben, künftig maximal 60 Franken mehr zahlen müssten. Für Mitglieder mit einer Jahreskarte im Sektor C ändert sich kaum etwas, für jene in den Sektoren B und D wird es gar 45 Franken billiger.

Dass man eine Preissteigerung für gewisse Mitglieder in Kauf nehme, habe seinen Grund, so Präsident Heusler, der durch den Anlass führte. «Durch diesen Rabatt von 20 Prozent, ist der Verein regelmässig defizitär. Dies braucht dann eine Defizit-Deckung durch die AG.» Durch das Weglassen des Rabattes würde die finanzielle Situation des Vereins verbessert werden. Und weil diese Rabattstreichung das Kernstück des Projektes ist, vor allem wirtschaftlich gesehen, war die Annahme durch die anwesenden Mitglieder der Knackpunkt. Denn wäre diese Statutenänderung abgelehnt worden, wären sämtliche anderen Anträge zurückgenommen oder besser gesagt gar nicht erst vorgetragen und das Projekt überdacht worden.

Doch das war nicht nötig. Von den anwesenden 495 stimmberechtigten Mitgliedern liessen sich 404 und damit mehr als das benötigte Zweidrittelmehr vom Projekt überzeugen. «Eine Mitgliedschaft bei seinem Verein lässt sich ohnehin nicht aufrechnen, sondern sollte mit Unbezahlbarem aufwägbar sein», sagte denn auch Heusler. Und genau solche unbezahlbaren Dinge sollen die Mitglieder, die noch gefunden werden sollen, überzeugen.

Mitbestimmungsrecht bei Trikot und Einlaufmusik

So präsentierte Thomas Berweger, der das Projekt seit Beginn begleitet, stolz die Vorteile, die die FCB-Mitglieder neben den bereits bestehenden wie dem Erhalt des Rotblau-Magazins und den 20 Prozent Rabatt im Fanshop in Zukunft haben werden: Zum einen können sie neu abstimmen, was für ein Trikot der FCB in der neuen Saison tragen soll. Ebenfalls mitbestimmen können sie neu, welches die Einlaufmusik bei den Heimspielen sein soll. Ausserdem haben 50 Mitglieder die Chance, am «AufStreller» des Jahres teilzunehmen. An diesem Anlass können die Mitglieder zusammen mit FCB-Ikone Marco Streller eine Stadionführung machen, ein Auswärtsspiel der Basler in der Rotblau-Bar schauen und mit ihm zu Abend essen.

Das Plenum nahm alle insgesamt sieben Statutenänderungen des Vorstandes, inklusive dem Wegfall der Freimitgliedschaft für Mitglieder, die nach dem heutigen Abend beitreten, mit einem jeweiligen Zweidrittelmehr an. Die neuen Statuten ersetzen jene vom 11. April 2008. Sie treten per sofort und nach der Genehmigung durch den Schweizer Fussball Verband in Kraft.

Heusler zeigte sich am Ende der ausserordentlichen Generalversammlung auch ausserordentlich zufrieden. «Die Basis ist gelegt, jetzt geht es daran, die Menschen zu begeistern.» Dass man bei Erreichen des Zieles von 10'000 Mitgliedern künftig nicht mehr Platz hätte im Congresszentrum der Messe Basel, in dem die Generalversammlungen seit Jahren traditionell stattfinden, liess ihn aber doch noch etwas nostalgisch und vielleicht sogar traurig werden. «Das würde aber auch heissen, dass wir uns in Zukunft vor der Muttenzerkurve treffen müssten. Das wäre für mich ein Traum, der in Erfüllung gehen würde.»