Arme Zigarette. An ihr lässt Frédéric Chassot unmittelbar nach dem Schlusspfiff seinen Frust raus. Die Augen weit aufgerissen, den Glimmstängel zwischen den Zähnen, nimmt er drei Züge, wirft ihn zu Boden und tritt drauf. Dann schreit der Sion-Trainer in Richtung seiner Spieler, die mit hängenden Köpfen in die Kabine trotten: «Schiesst doch den Ball weg.» Der Rest ist nicht druckreif.

Chassot vom Schicksal verschaukelt

Chassot war schon als Spieler ein emotionaler Mensch. Einer, der sich wehrt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Und nach dem Spiel gegen Basel fühlt sich Chassot wieder einmal vom Schicksal verschaukelt. Da hat «sein» FC Sion ein 0:2 aufgeholt, hat Chancen für das dritte Tor und verliert am Ende dennoch. «Unglaublich», findet auch Jochen Dries. Sions Schattentrainer, der Chassot die Diplome leiht, hat seine Nerven im Griff und nimmt seinem Kollegen das Reden vor den Journalisten ab. «Das war ein typisches Spiel, um Geschichte zu schreiben und zu gewinnen. Für die Spieler und die Fans tut es mir sehr leid.»

Geschichte schreiben? Na ja. Aber erinnern wird man sich in Sion bestimmt noch einige Wochen an das Spiel. Vor allem, weil das Spektakel erst begann, als die Sache eigentlich schon gegessen schien.

Blackouts blieben aus

Nach der empfindlichen Niederlage gegen St. Gallen gelingt den Baslern die Reaktion. Weil hinten die Blackouts ausbleiben – und weil vorne Marco Streller und Shkelzen Gashi zurückkehren. Gegen St. Gallen fehlte der Captain krankheitshalber, Gashi sass nur auf der Bank. FCB-Trainer Paulo Sousa sagte vor dem Spiel: «Streller ist einzigartig. Mit seinen Leistungen hat er sich sehr viel Respekt bei den Gegnern verschafft.»

Deutlich wird das erstmals in der 19. Minute, als Streller sich im Duell mit Lacroix behauptet, vom zweiten Pfosten den Ball vor das Tor köpft, wo Gashi erst an die Latte und dann ins Tor schiesst. Kaum zurück, sorgt das neue Traumduo wieder für Tore.

Streller und Gashi harmonieren

Streller: «Ich habe nicht gedacht, dass ich nach dem Weggang von Vali (Valentin Stocker; d. Red.) so schnell wieder einen Partner finde, mit dem ich harmoniere.» Gashi, der seine vier Saisontore dann erzielte, als auch Streller spielte: «Ich profitiere sehr von Marcos Erfahrung. Er ist ein Riesen-Stürmer, seine Art, wie er spielt, ist grosses Kino.»

Klar, vor dem 2:0 wird Streller von Vanczak zu wenig attackiert. Aber wie er dann aus spitzestem Winkel genau ins weite Eck trifft, rechtfertigt wiederum die Worte Gashis.
Das alles passierte in den ersten 58. Minuten. 58 Minuten, zu denen Jochen Dries sagte: «Mir schien es, als wollten wir bei den Baslern Autogramme holen, statt gegen sie zu kämpfen.»

Ähnlich muss es Sousas Spielern vorgekommen sein, einige sind nach dem 2:0 mit den Gedanken wohl schon im Bus zurück nach Basel. Nicht anders ist die Überheblichkeit zu erklären, mit der im Anschluss Philipp Degen, Matias Delgado und Gashi drei Konterchancen vergeben. Das Gleiche gilt für die Abwehr: In der 69. Minute gewährt sie Sions Karlen und Herea nur Begleitschutz, was Letzterer zum 1:2 ausnützt.

Nur schwer zu erklären

Was dann passiert, ist auch für die Beteiligten im Nachhinein nur schwer zu erklären. Marco Streller sagt nur: «Das müssen wir so schnell wie möglich abstellen.» Wie schon in den ersten fünf Spielen stellt der FCB auch in Sion während zehn Minuten den Betrieb ein. Die Folge ist der Ausgleich durch Carlitos, der einen von Taulant Xhaka verschuldeten Foulpenalty verwandelt.

Auch wenn es in der Super League genügen mag, danach wieder einen Gang höher zu schalten und wie gestern das 3:2 durch ein Eigentor durch Sion-Goalie Vanins zu erzwingen – bis zum Beginn der Champions League Mitte September muss Paulo Sousa eine Lösung für das Problem gefunden haben. Ansonsten droht gegen die abgezockten Gegner in der Königsklasse ein böses Erwachen.

Der Live-Ticker:

Coverit Liveticker bz: FC Sion - FC Basel