Der Hotelpage Horst, der die Trainings des FC Basel jeweils im rotblauen Trikot mitverfolgt, erzählt mit leuchtenden Augen von der Ankunft der Schweizer Gäste am vergangenen Samstag. «Als erster ist Philipp aus dem Mannschaftsbus ausgestiegen und hat sofort gerufen: ‹Wo ist Horst? So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich glaube, die mögen mich richtig gut!›»

Philipp - das ist der Basler Rechtsverteidiger, der auf die Leute zugeht und sagt: «Wir müssen unsere Fans pflegen.» Auch wenn Horst vielleicht nicht gerade der typische FCB-Anhänger ist und die Basler nur einmal im Jahr zu Gesicht bekommt. Dann, wenn diese an den Tegernsee ins Trainingslager kommen.

Der Sinn von Trainingscamps

Apropos: Obwohl Degen in seiner langen Laufbahn schon mehr als zwanzig solcher Camps mitgemacht hat, ist er ihrer nicht überdrüssig. «Einmal hatten wir ein zweiwöchiges Trainingslager, das war eindeutig zu lang», sagt Degen.

«Aber wenn es, wie jetzt, nur eine Woche dauert, ist das okay und meiner Ansicht nach auch sehr wichtig. Man kann Dinge machen, die sonst nicht möglich wären. Vor allem für die Teambildung ist es von grosser Bedeutung.» Geeignet eben, die neuen Spieler zu integrieren und sie kennen zu lernen.

Auch in diesem Sommer haben einige Cracks  wie Fabian Schär, Fabian Frei und Marco Streller das Team verlassen. Andere wie Marc Janko, Manuel Akanji, Michael Lang, Daniel Hoegh und nun auch Zdravko Kuzmanovic sind dazugekommen.

Das Auf und Ab

Dass die Abgänge von Gewicht sind, will Degen gar nicht bestreiten. «Im Prinzip ist keiner von ihnen 1:1 zu ersetzen, denn jeder Mensch ist anders», sagt Degen. «Ich bin deswegen aber überhaupt nicht beunruhigt. Ich habe schon oft erlebt, wie andere die entstandenen Lücken ausfüllen. Manchmal gibt es auch Überraschungen, dass Spieler eine Rolle übernehmen, die man ihnen nicht zugetraut hatte.»

Mit der Wahl von Urs Fischer zum FCB-Trainer ist Degen sehr zufrieden. «Mit dem FC Thun hat er immer offensiv gespielt und viele gute Spieler herausgebracht», sagt Degen.

Auf den Einwurf, dass nicht zuletzt er selber vom Trainerwechsel profitieren könnte, mag er nicht eingehen. «Das Leben ist eine Achterbahn. Manchmal bis du oben, manchmal unten», sagt der 32-Jährige, der unter Paulo Sousa in der Vorrunde noch regelmässig zum Zuge gekommen war, dann aber nach der Vertragsverlängerung im Winter bis zum Ende der Saison groteskerweise kaum mehr auf dem Platz stand.

«Die Vergangenheit ist irrelevant», sagt Degen und erinnert an den berühmten Spruch von Oliver Kahn: «Es geht weiter. Immer weiter.» Degen sagt über sich selber, dass er ein Stehaufmännchen sei und diese neue Saison als grosse Herausforderung sehe. Zumal auf seiner Position mit Michael Lang ein Nationalspieler dazugekommen ist und sich beide einen harten Konkurrenzkampf liefern werden.

Fussball ist immer noch die Nummer eins

Den Verdacht, dass er nach der enttäuschenden Rückrunde daran gedacht haben könnte, die Karriere wie sein Zwillingsbruder David an den Nagel zu hängen, entkräftet Philipp: «Nein, für mich steht der der Fussball noch immer an erster Stelle. Ich bin voller Tatendrang und werde mich ganz in den Dienst der Mannschaft stellen.»

Dass er am Mittwoch nicht mit der Mannschaft mittrainiert, sondern sich unter die Obhut der Physiotherapeuten begeben hatte, sei eine reine Vorsichtsmassnahme gewesen, sagt Degen. «Es ist nur eine kleine Muskelreizung.» Degen weiss aus der Vergangenheit nur allzugut, wie es ist, lange verletzt auszufallen. So hört er auf seinen Körper und tut alles, um Blessuren vorzubeugen.

Dass auch unter Fischer und dessen Staff moderne technische Hilfsmittel eingesetzt werden, um die Leistung der Basler Fussballer dank Erkenntnissen aus einer Fülle von Daten zu optimieren, stört Philipp nicht. «Ich verstehe die Idee dahinter und es kann ja tatsächlich auch helfen, Spieler besser zu machen. Aber man sollte es nicht übertreiben. Die Wahrheit liegt noch immer auf dem Platz.»

Sousas Spleens

Degen macht keinen Hehl daraus, dass er es in der letzten Saison als übertrieben erachtet hatte, auch noch nachts solche Geräte zu tragen. Nur damit der Trainer wusste, wann seine Schützlinge zu Bett gingen und wie sie geschlafen haben. «Das hat gestört. Wenn man sich gedreht hat, war das Ding zu spüren. Auch das Blinken hat genervt. Und man muss sich mal vorstellen, man liegt mit einer Partnerin im Bett...»

Aber wie gesagt: Die Vergangenheit ist irrelevant. Degen schaut nach vorne und sagt: «Wir haben viele Hürden vor uns. Wie die Champions-League-Qualifikation und die Super League, in der andere Klubs wie die Young Boys Blut geleckt haben.»

Er ist sich sicher, dass der FCB erneut über eine starke Mannschaft verfügt. Mit einem aussergewöhnlichen Talent namens Breel Embolo, der alle Anlagen habe, um eine grosse Karriere zu machen. «Aber jetzt wird es schwieriger für ihn. Bisher konnte er unbeschwert aufspielen, jetzt muss er sich beweisen», sagt Degen.

Man müsse schauen, dass man ihn nicht verheize. «Und man muss ihn schützen.» Er selber will als erfahrener Spieler seinen Beitrag dazu leisten.