Etwas war im Busch an diesem Dienstagmorgen. Sportchef Georg Heitz wieselte beim Sportplatz des FC Rottach-Egern e.V. ständig mit dem Handy am Ohr umher und hatte kaum Augen für die vierte Trainingseinheit des FC Basel in dessen Vorbereitungscamp am Tegernsee. Am späten Nachmittag dann, just als der neue Stürmer Marc Janko unter der Leitung von Physiotherapeut Peter Hohl zum ersten Mal für den FCB trainierte, verkündete der Meister auch noch die Verpflichtung seines früheren Aufbauers Zdravko Kuzmanovic.

Es war also gewiss ein guter Tag für den FC Basel, dieser letzte im Monat Juni. Am Nachmittag war im Garten des Parkhotels Egerner Höfe im Schatten der Bäume die neue Sturmattraktion Janko präsentiert worden und hatte dabei einen guten Eindruck hinterlassen.

Verkürzte Flitterwochen für Ehepaar Janko

Nachdem der Österreicher am 14. Juni mit einem herrlichen Tor zum 1:0-Sieg in Russland sein Land einen Schritt näher an die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich geschossen hatte, heiratete der 32-Jährige ein paar Tage später in der Steiermark und brach danach in die Flitterwochen auf.

Doch mit dem Engagement beim FC Basel – Janko unterschrieb einen Einjahresvertrag mit Option für eine weitere Spielzeit – verkürzte sich der Honeymoon. «Meine Frau freut sich mit mir», räumt Janko die Bedenken aus, es könnte deswegen schon der erste Ehekrach ins Haus stehen.

Jankos breite Brust

Nachdem er am Mittag der Mannschaft präsentiert worden ist, beantwortet er nun geduldig jede Frage der beiden eigens aus Wien angereisten österreichischen Kamerateams und der Schweizer Medien. «Ich möchte den Ansprüchen des FCB gerecht werden», sagt Janko, «und auch wenn ich weiss, dass ich bei Marco Streller in sehr grosse Fussstapfen trete, traue ich mir dies zu.»

Dass Janko mit breiter Brust zum FCB gekommen ist, hat zwei Gründe. Zum einen zahlte er mit guten Leistungen im Nationalteam das Vertrauen zurück, welches er von Teamchef Marcel Koller auch dann erhalten hatte, als er bei Trabzonspor in der Türkei aufs Abstellgleis geschoben worden war. Eine Phase, die Janko als «die schwierigste Zeit» seiner Laufbahn bezeichnet.

Zum andern aber war auch die letzte Saison, die er für den FC Sydney bestritten hatte, eine Erfolgsgeschichte. Mit einem brillanten Volleyschuss aus 40 Metern im zweiten Spiel hatte er seine Torjagd in Down Under begonnen, am Ende der Saison war er zwar nur Vizemeister, mit 16 Treffern aber der Torschützenkönig der A-League und der Spieler des Jahres 2015.

Dass er Australien gleichwohl wieder verliess, hatte damit zu tun, dass dem Klub seine langen Reisen zu den Länderspielen ein Dorn im Auge waren, sich Janko aber angesichts der bevorstehenden EM-Teilnahme verständlicherweise nicht bereit erklärte, künftig auf die Aufgebote des ÖFB zu verzichten. «Es war dennoch eine wunderbare Zeit in Sydney», sagt Janko.

Die Absage an Finks Austria Wien

In Österreich hatten alle fest damit gerechnet, Janko würde bei Thorsten Finks Austria Wien anheuern. Doch er musste den früheren Basler Meistertrainer enttäuschen und sagt: «Als der FCB anklopfte, war der Fall klar. Ich bin nun unglaublich happy, hier zu sein.» Natürlich war auch die Chance, in der Champions League mitzuspielen, ein Argument zugunsten der Basler.

Wobei Janko kein Debütant in diesem Wettbewerb wäre, war er doch 2010 mit dem FC Twente Enschede gegen Inter, Tottenham und Bremen sechsmal in der Königsklasse aufgelaufen. Dass er dabei kein Tor schoss, muss ihn nicht mutlos machen, hat doch Streller sogar erst im 13. Anlauf erstmals in der Champions League getroffen.

«Die Fitness aufbauen, in den Spielrhythmus finden und sich gut ins Team integrieren» – dies sind die nächsten Ziele Jankos. Die Schweiz ist nach Österreich (Mödling, Salzburg), Holland, Portugal (FC Porto), der Türkei und Australien schon das sechste Land, in dem der 46-fache Internationale Fussball spielt.

Ein Sportler durch und durch

Der Sohn einer Speerwerferin, die seit 1973 den österreichischen Rekord hält, war einst in vielen Sportarten ein Talent und hätte es auch im Tennis zum Profi gebracht. In vier Jahren war er als Teenager vierzig Zentimeter gewachsen, und trotz seiner 1,96 Meter sagte Alexander Zickler, sein einstiger Mitspieler bei Salzburg: «Für seine Körpergrösse hat er eine unglaubliche Technik.» Niko Kovac, auch ein früherer Teamkollege, sagte: «Keiner kann den Ball so abschirmen wie er.»

Dreimal war er mit den Salzburgern Meister geworden, einmal mit Porto, dazu mit Twente Cupsieger. Janko hat in 342 Pflichtspielen 175 Tore geschossen. Als er auf seine Ausbootung für die EM 2008 durch Teamchef Josef Hickersberger mit einer Trotzreaktion geantwortet hatte und für Salzburg in einer Saison in 34 Partien 39 Ligatore erzielte, brachte er den Jahrhundertrekord mit 41 Toren von Hans Krankl aus der Saison 77/78 arg ins Wanken. «Wir haben mit Marc einen guten Stürmer und einen feinen Kerl bekommen», sagt Georg Heitz.