Fussball

Marc Janko: «Es ist nicht leicht, wenn du keine Schwäche zeigen darfst»

Marc Janko spielt seit dieser Saison beim FC Basel.

Marc Janko spielt seit dieser Saison beim FC Basel.

Noch erstaunlicher als Marc Jankos Torinstinkt ist seine Fähigkeit, Rückschläge zu meistern. Ein Gespräch über Sturheit und Leidenschaft, Wege und Umwege zum Erfolg.

Herr Janko, Sie sind jetzt 32, rein wirtschaftlich ginge sich ein Karriere-Ende schon aus. Und es gibt sicherlich manche Tage, an denen Ihr Körper nach zwei Jahrzehnten Spitzensport keine Lust auf Fussball hat. Warum tun Sie weiter?

Marc Janko: Das ist ganz einfach: weil ich wahnsinnig gern Fussball spiele. Wer darf das von sich behaupten, dass er mit dem Geld verdient, was er am liebsten macht? Zusätzlich gibt es dann diese Momente, wo du als Stürmer das Siegestor schiesst und 50'000 Leute jubeln und happy nach Hause gehen. So was erleben zu dürfen, das ist ein riesiges Privileg. Aber auch weil ich so viele Widrigkeiten überwunden hab. Aufgeben war nie ein Thema. Das macht mich vielleicht am meisten stolz.

Profisport ist da aber schon eine Turbo-Lebensschule, nicht?

Absolut. Das ist im Endeffekt ein brutales Geschäft, es geht um Sein oder Nichtsein. Du lebst auf den Zehenspitzen, weil du dich immer zur Decke strecken musst. Sonst ist da sofort ein anderer. Das sind die Regeln. Das ist nicht immer leicht, wenn du keine Schwäche zeigen darfst. Manche zerbrechen dran, siehe das tragische Beispiel [des deutschen Nationaltorhüters] Robert Enke, und dann wird auch in den Medien viel diskutiert, aber was ändert sich langfristig? Nichts.

Im Oktober 2009 kam Ihr bester Freund bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Wenige Tage danach stand das nächste wichtige Länderspiel gegen Frankreich an. Denkt man in so einer Situation überhaupt an so etwas? Oder muss man das, als Profisportler?

Wir waren an dem Tag in Seefeld. Ich bin dort in die Kirche gegangen, bin stundenlang auf so einer Bank gesessen, alles realisieren und einordnen, weinen, den Schock irgendwie verdauen, soweit das halt geht. Aber man ist eben in diesem Umfeld, in dem man funktionieren muss, keine Schwächen zeigen darf und so weiter. Ausserdem hat man ja auch eine Verantwortung gegenüber dem Team, den Fans. Ich hab also beschlossen, dass ich spiele gegen Frankreich, mit Trauerflor. Ich hab dann im Stade de France in Paris sogar ein Tor geschossen.

Ihre Zeit bei Trabzonspor war besonders schwierig für Sie. Ist Marcel Koller ein grosses Risiko eingegangen, indem er sich zu Ihnen bekannt hat. Haben Sie etwas davon in der Türkei mitgekriegt?

Das Risiko war unglaublich. Ich habe von mir aus auch gesagt: «Trainer, ich verstehe, wenn Sie mich erst wieder gebrauchen können, wenn ich im normalen Betrieb bin.» Aber er hat gesagt, ich solle das Beste draus machen. Wir haben regelmässig  telefoniert, er hat mir Trainingspläne geschickt.

Aus der Türkei wechselten Sie später nach Sydney. An Marcel Kollers Stelle hätte ich Sie gefragt, ob das Ihr Ernst ist, ans andere Ende der Welt?

Er war da cool. Es war ihm natürlich auch klar, dass ich dort Spielpraxis bekomme. Und es hat ja alles geklappt, trotz der Strapazen mit der Anreise und der Zeitumstellung für jedes Match.

Stimmt das, dass Sie mit Ihrem Mentor Marcel Koller immer noch per Sie sind?

Ich sage Sie, er sagt du. Das ist mit allen Spielern so. Ich finde das gut.

Was macht Marc Janko erfolgreich?

Leidenschaft, im wörtlichen Sinn: Bei mir schafft Leiden etwas. Das zieht sich als roter Faden durch meine Karriere, Schwierigkeiten überwinden, aus Widrigkeiten nicht nur das Beste machen, sondern aus jedem Tief sogar gestärkt hervorkommen. 

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