Von Revanche spricht kaum einer in Winterthur. Ausser Verteidiger Stefan Iten und Stürmer Patrick Bengondo ist niemand mehr da, der an jenem denkwürdigen 15. April 2012 mit dem FC Winterthur den Cuphalbfinal gegen den FC Basel bestritten hat.

Als die Schützenwiese mit 8500 Zuschauern aus allen Nähten platzte und die einheimischen Fans nach der 1:2-Niederlage mit bitteren Gefühlen nach Hause gingen. Ein krasser Fehlentscheid von Schiedsrichter Alain Bieri, der Yann Sommer nach einem Notbremsefoul vom Platz hätte stellen müssen, jedoch weder einen Penalty gepfiffen noch dem Basler Goalie die rote Karte gezeigt hatte, erregte die Gemüter.

3500 Zuschauer weniger werden nun heute Nachmittag zugegen sein, wenn erneut der FCB in der sechstgrössten Schweizer Stadt gastiert. Weil das Winterthurer Stadion umgebaut und derzeit für zehn Millionen Franken die neue Gegengerade entsteht, ist das Fassungsvermögen der «Schützi» stark limitiert.

Keinen Abtausch erwogen

«Das Cupspiel kommt deshalb ein halbes Jahr zu früh», sagt Andreas Mösli. Der Geschäftsführer und seine Mitarbeiter haben viele Leute enttäuschen müssen, die keine Eintrittskarte mehr kriegten.

«Wir haben aber nie in Erwägung gezogen, dem FCB einen Platzabtausch anzubieten oder anderswo zu spielen», sagt Mösli. «Eine Chance, dieses Spiel zu gewinnen, haben wir nur bei uns.» Es soll ein Volksfest auf der Baustelle geben.

Es wächst etwas zusammen

Der Zweitklassierte der Challenge League, seit 30 Jahren nicht mehr der höchsten Spielklasse zugehörig, glaubt an seine Chance. Ausser Patrik Baumann stehen dem neuen Trainer Jürgen Seeberger alle Spieler zur Verfügung. «Wir haben während vier Wochen im athletischen Bereich hart gearbeitet», sagt der Deutsche.

Er sieht mit Genugtuung, wie der Teamgeist wächst und das Sturmduo Bengondo/Paiva gut harmoniert. Dass Seeberger aufgrund der seltsamen Arbeitsweise von Basels Trainer Paulo Sousa über die Aufstellung der Gäste im Dunkeln tappt, stört ihn nicht.

«Wir schauen auf uns und wollen einfach einen guten Job machen», sagt der 49-Jährige. Er hatte erst unmittelbar vor dem Saisonstart Boro Kuzmanovic auf der Winterthurer Trainerbank abgelöst und verzichtet tunlichst darauf, den Aufstieg in die Super League als Saisonziel auszurufen.

Nie gewonnen gegen Basel

Viermal schon hat der FCW im Cup gegen Basel gespielt – und immer verloren. Einmal, 1975, im Final. Wie Mösli und Seeberger ist João Paiva der Meinung, dass es Zeit ist, diese Serie zu beenden.

«In einem einzigen Spiel ist vieles möglich», sagt der Portugiese, der im Sommer von Wohlen gekommen ist und in acht Spielen schon sechs Tore geschossen hat. Er und Bengondo haben zehn der sechzehn Winterthurer Ligatreffer erzielt.

«Es läuft gut und macht Spass», sagt Paiva. Er freut sich auf das Wiedersehen mit dem dreizehn Jahre älteren Sousa. «Ich kenne ihn persönlich», sagt Paiva. Auch er hat gelesen, dass Sousa ein Kandidat sei, neuer portugiesischer Nationalcoach zu werden. «Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Paulo seinen Job beim FC Basel schon wieder aufgibt», sag Paiva.

Auch Dennis Iapichino trifft auf einen guten alten Bekannten. Mit Fabian Frei, einem anderen Thurgauer, hat er vor vielen Jahren in Frauenfelds Nachwuchs zusammengespielt.

Und weil der Winterthurer Linksverteidiger selber von 2008 bis 2011 während dreier Jahre für Basels zweite Mannschaft am Ball war, kennt er noch einige Rotblaue mehr.

Freundlich umgehen mit diesen will er auf dem Platz aber nicht. «Wir müssen so aggressiv wie zuletzt gegen Le Mont zur Sache gehen», sagt der 24-Jährige, der vor ein paar Monaten erst aus Nordamerika zurückgekehrt ist.

Erfahrung in Nordamerika

Für Montreal und D.C. United ist er insgesamt 22 Mal in der Major League Soccer aufgelaufen. «Mit diesen Erfahrungen möchte ich nun die nächsten Schritte in meiner Karriere machen», sagt Iapichino. In Amerika werde mit englischer Härte gespielt, und vielleicht sei dies ja das Rezept, um den FCB in Verlegenheit zu bringen.

Andreas Mösli würde es freuen, gelänge dies. Mit Präsident und Geldgeber Hannes W. Keller hat er im letzten Jahrzehnt in Winterthur etwas Neues aufgebaut. «Wir sind dort, wo wir sein wollen. Wir sind schuldenfrei, bezahlen die Löhne pünktlich und sportlich schnuppern wir an der Super League», sagt Mösli. Und am Sonntag vielleicht an einer Cupsensation.