Die Super League ist in diesem Jahr bisher nicht durch mitreissenden Tempofussball aufgefallen. Allzu oft war der Rhythmus tief und die Attraktivität gering. Gestern Nachmittag aber zeigten der FC St. Gallen und der FC Basel, dass es anders geht.

In einem aufwühlenden und bis zum Schlusspfiff spannenden Kampfspiel unterhielten die beiden Teams die 17 457 Zuschauer aufs Allerbeste. Sie boten ein Spektakel mit vier Toren, einem abgewehrten Penalty und einer Fülle an weiteren hochkarätigen Chancen. Die Partie wogte in einer hierzulande selten gesehenen Intensität hin und her und war beste Werbung für diesen Sport. Verschnaufpausen gönnten sich die Mannschaften keine, bewegten sich jedoch oft am Rande der Legalität und forderten Schiedsrichter Sandro Schärer alles ab.

Dieser hätte den spät eingewechselten Basler Captain Marco Streller nach einer Attacke auf den ewigen St. Galler Provokateur Stéphane Besle vom Platz stellen müssen. «Dazu möchte ich mich nicht äussern», sagte der Basler Trainer Paulo Sousa, der sich während des Spiels an der Linie wie ein Zappelphilipp aufgeführt hatte und dies so begründete: «Ich muss doch meine Spieler schützen.» Sehr zufrieden sei er aber mit der Vorstellung seines Teams gewesen», sagte der Portugiese. «Das Einzige, was ich ihm vorwerfe, ist die mangelnde Effizienz.»

FCB wahrt seinen Vorsprung

Selbst wenn die Basler nach den beiden Vorrundenniederlagen ihr Ziel, die Ostschweizer erstmals zu schlagen, verpassten, konnten sie gut mit dem Punkt leben. Sie hatten vor dem Spiel erfahren, dass die Konkurrenz aus Bern und Zürich geschwächelt und Punkte liegen gelassen hatte. So blieb ihr komfortabler Vorsprung von sieben Punkten auf das zweitklassierte YB gewahrt, derweil der FCZ weiter an Boden einbüsste.

In Abwesenheit des verletzten Innenverteidigers Fabian Schär hatte Sousa sein Team mit einer Dreierabwehr – Xhaka, Suchy, Traoré – auf den Rasen geschickt und Fabian Frei und Streller auf der Ersatzbank ruhen lassen. Doch die Gäste begannen stark. Sie vergaben durch Breel Embolo eine grosse Chance, nicht aber zwei Minuten später ihre zweite Möglichkeit. Matias Delgado nützte eine Massflanke von Davide Callà zu einem seiner seltenen Kopftore (9.).

Aus dem Nichts glichen die Gastgeber durch den ersten Ligatreffer von Daniel Sikorski (15.) aus, fanden damit ins Spiel und hätten durch einen Kopfball von Geoffrey Tréand das 2:1 erzielen müssen, nachdem auch der Basler Shkelzen Gashi eine «Hundertprozentige» liegen gelassen hatte. Callà zeigte sich abgebrühter und traf nach einem Abpraller von Goalie Daniel Lopar aus kurzer Distanz ins Tor (35.). Doch die Ostschweizer schlugen umgehend zurück. Nach einem abgeblockten Schuss von Yannis Tafer traf Tréand zum 2:2 (42.). Vier Tore in einer Halbzeit – Fussballherz, was willst du mehr! Dass mitunter auch ungenügende Abwehrarbeit dazu geführt hatte, dürfte höchstens die Trainer, nicht aber das Publikum, gestört haben.

Vacliks hellseherische Fähigkeiten

Selbst wenn im zweiten Umgang keine Tore mehr fielen und die Fehlerquote im Passspiel auf dem holprigen Boden in die Höhe stieg, blieb die Partie packend. Lopar lenkte einen Schuss von Embolo an die Latte, und kaum war der St. Galler Penaltyspezialist Roberto Rodriguez eingewechselt worden, kam es nach einem Foul von Adama Traoré zum Strafstoss (69.).

«Ich war mir sicher, dass ich ihn reinhauen würde», sagte Rodriguez, der in dieser Saison schon fünf Penaltys verwandelt hatte. Doch Vaclik blieb in diesem Duell Sieger und sagte hinterher: «Ich sah am Mittwoch Rodriguez’ Penalty beim Cupspiel in Buochs und dachte, er würde die Ecke wechseln. Und so kam es!»

«Obwohl wir die drei Punkte hätten heimbringen können, bin ich sehr zufrieden. Das war ein perfekter Fussballnachmittag», sagte nach dem Spiel der St. Galler Trainer Jeff Saibene. «Basel liegt uns. Ich hoffe bloss, dass ich dies auch noch nach dem Cuphalbfinal sagen kann.»

St. Gallen - Basel 2:2 (2:2).

17'457 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 9. Delgado (Callà) 0:1. 15. Sikorski (Mutsch) 1:2. 35. Callà (Gonzalez) 1:2. 42. Tréand (Tafer) 2:2.

St. Gallen: Lopar; Mutsch, Besle, Russo, Facchinetti; Everton, Janjatovic; Tafer (78. Aratore), Bunjaku, Tréand (64. Rodriguez; Sikorski (62. Cavusevic).

Basel: Vaclik; Xhaka, Suchy, Traoré; Callà, Elneny, Zuffi; Gonzalez, Delgado (80. Frei), Gashi (74. Kakitani); Embolo (80. Streller).

Bemerkungen: St. Gallen ohne Karanovic (verletzt), Demiri und Dziwniel (beide nicht im Aufgebot). Basel ohne Hamoudi, Schär, Safari und Ivanov (alle verletzt). 60. Lopar lenkt Schuss von Embolo an die Latte. 69. Vaclik hält Foulpenalty von Rodriguez. Verwarnungen: 38. Mutsch (Foul). 67. Traoré (Foul). 69. Janjatovic und Xhaka (beide Unsportlichkeit). 75. Embolo (Foul). 75. Gonzalez (Reklamieren). 89. Streller (Foul).

Die Highlights der Partie zum Nachlesen im Live-Ticker:

Matchtracker: FC St. Gallen - Basel 15.03.15

Scribblelive: FC St. Gallen - FC Basel