Fussballtrainer und Einzelkritiken. Eine Kombination, die selten vorkommt. Zu gross die Gefahr, das ewiggleiche Sätzchen «nur als Mannschaft sind wir stark» zu untergraben. Auch Paulo Sousa denkt so – doch nur so lange, bis es um Luca Zuffi geht. Gefragt nach den Stärken des 25-Jährigen, setzt der Portugiese zur Lobeshymne an.

«Er hat sich als Spieler fantastisch entwickelt. Luca hat eine feine Technik bei Pässen und beim Schuss, defensiv und offensiv kann ich mich voll auf ihn verlassen. Auch als Mensch ist er hervorragend: Ihn will ich für immer als Freund behalten. Ich kann ihm alles anvertrauen – er wird mich nie enttäuschen.»

In diesem Stil schwärmt Sousa sonst nur von Marco Streller, seinem Captain und seit Jahren die Identifikationsfigur schlechthin. Zuffi aber trägt erst seit dieser Saison das FCB-Trikot. Luca Zuffi lächelt verlegen und zuckt mit den Schultern. «Ja, das ist kein alltägliches Kompliment. Ich denke, er schätzt an mir meinen bodenständigen und ehrlichen Charakter. Wir beide wissen, wie wir miteinander umgehen müssen.»

Mit geringen Erwartungen nach Basel

Im Sommer wechselte Zuffi vom beschaulichen Thun ins pulsierende Basel. Der nächste Schritt in einer Karriere, in der es abgesehen von einem Kreuzbandriss als 19-Jähriger stets bergauf ging. Doch dass er bereits nach einem halben Jahr kaum mehr wegzudenken ist aus dem Basler Starensemble, das trauten ihm weder Aussenstehende noch er sich selber zu.

Nein, Zuffi rechnete gar damit, dass es anfangs für ihn nicht einmal einen Platz auf der Ersatzbank gebe. «Da waren etliche Nationalspieler – und da war ich, der einzig ein paar Länderspiele mit den Junioren vorweisen konnte.» Er sei bewusst mit geringen Erwartungen an die höchste Aufgabe, die es für einen Fussballer in der Schweiz gebe, herangegangen. «Besser so. Wenn man sich zu viel vornimmt, ist die Enttäuschung umso grösser, wenn es nicht klappt.»

Sein Vorteil sei sicher gewesen, dass Marcelo Diaz und Geoffroy Serey Die, seine Konkurrenten im zentralen Mittelfeld, wegen der WM verspätet zum Kader gestossen sind. Aber dann waren der Chilene und der Ivorer wieder integriert – und doch gab es an Zuffi kein Vorbeikommen. Warum? Zuffi mag Vergleiche nicht, spricht lieber über sich: «Was der Trainer verlangt, kann ich schnell umsetzen.»

Mit Leistungen zufrieden

Mittlerweile weiss er, was es heisst, ein wichtiger Spieler beim FC Basel zu sein. Konnte Zuffi in der Vorrunde noch unbeschwert aufspielen, gehört er nun zu den Ersten, die kritisiert werden. Und gerade zu Beginn dieses Jahres musste er sich einiges anhören: Überspielt sei er. An Grenzen würde er stossen, wenn wie im Champions-League-Achtelfinal gegen Porto der Gegner von allererster Güte sei. Die Lockerheit aus dem Herbst sei Verkrampfung gewichen.

Jetzt wird Zuffi ernst, schüttelt den Kopf: «Ja, das erste Spiel gegen GC war nicht gut. Abgesehen davon bin ich vielleicht etwas zu schlecht weggekommen. Mit meinen Leistungen bin ich zufrieden. Der Trainer bestätigt mir das immer wieder. Und der beste Beweis dafür sind meine Einsatzzeiten.»

Ausser im Cup-Viertelfinal beim unterklassigen Münsingen stand er 2015 immer in der Startelf. «Wenn man so spielt wie ich in der Vorrunde, steigen halt die Erwartungen. Das ist so in Basel, man muss immer besser werden.»

Erstaunliche Worte des Vaters

Ein passendes Stichwort: Will der FCB heute in den Cupfinal einziehen, muss er es gegen St. Gallen besser machen als bisher. Zwei Niederlagen und ein Remis stehen zu Buche. Wobei Zuffi keine Antwort darauf hat, warum sich seine Mannschaft in dieser Saison ausgerechnet gegen die Ostschweizer die Zähne ausbeisst.

«St. Gallen ist eine Wundertüte. Gegen uns haben sie sehr gut gespielt. Aber dann gab es Spiele, nach denen wir uns gefragt haben, wie sie uns so grosse Probleme bereiten konnten.» Für Zuffi wäre es der erste Cupfinal. Zweimal – je einmal mit Thun und Winterthur – scheiterte er im Halbfinal. «In Basel sind die Chancen auf Titel am grössten. Auch darum habe ich mich für den FCB entschieden.»

Dass er am wahrscheinlichen Double aus Cup und Meisterschaft grossen Anteil haben wird, damit konnte Zuffi im Sommer noch nicht rechnen. Wie viele andere staunte er über den Satz, den sein Vater Dario, eine FCB-Legende der Neunzigerjahre, damals sagte: «Luca wird den FC Basel besser machen.» Zumindest völlig daneben lag er nicht.