FC Basel

FCB-Trainer Urs Fischer im grossen Interview: «Gashi hat keine Reservistenrolle»

«Wir machen uns schon Komplimente», sagt FCB-Trainer Urs Fischer.

«Wir machen uns schon Komplimente», sagt FCB-Trainer Urs Fischer.

Nach dem Cup-Viertelfinal gegen Sion darf auch der FCB in die Weihnachtsferien. Sechs Monate ist es her, seit Trainer Urs Fischer die Arbeit beim Serienmeister aufnahm. Fischer zieht Bilanz und sagt, wie es mit den Problemkindern weitergeht.

Sie haben zuletzt immer wieder die hohe Intensität der vergangenen sechs Monate betont. Sind Sie ausgelaugt?
Urs Fischer: Das nicht. Aber im Dreitages-Rhythmus, in dem wir uns bewegen, ist Abnützung normal. Die mehrheitlich positiven Resultate haben geholfen, dass die Müdigkeit nicht zu stark wurde. Die wenigen freien Tage in der Vorrunde waren elementar, um die Batterien wieder aufzuladen.

Wo und wie laden Sie die Batterien auf?
Bei allem eigentlich. Nehmen wir den Sieg vor einer Woche in Thun: Kurz vor Anpfiff erfuhren wir, dass GC verloren hat und wir den Abstand auf zehn Punkte vergrössern können. Das erhöhte den Druck auf uns, jeder erwartete, dass wir den GC-Ausrutscher ausnützen. Es ist ein Unterschied, ob man die drei Punkte will – oder ob man sie um jeden Preis gewinnen will. Nach dem Match war die Stimmung in der Kabine sehr entspannt, alle hatten glückliche Gesichter. Daraus ziehe ich viel Kraft für die nächsten Aufgaben, die anstehen.

Und abseits des Fussballs – haben Sie einen Kraftort?
In der ersten Saisonphase, als es der Terminplan noch zuliess, ging ich ein paar Mal fischen mit Hoffi (Markus Hoffmann, Fischers Assistenztrainer; d. Red.). Und Germano (Vailati, FCB-Goalie; d. Red.) hat mich ins Fliegenfischen eingeführt. Um traditionell mit Kollegen auf den Sihlsee zu fahren, reichte die Zeit leider nicht aus. Vorhin haben mir die Jungs ein Bild vom See geschickt, da wäre ich jetzt gerne dabei. Auf dem Boot, mitten auf dem See – dort kann man richtig abschalten, da ist der Fussball ganz weit weg.

Wie oft haben Sie seit Sommer Ihre Familie gesehen?
Sie ist neben der Fischerei leider auch zu kurz gekommen. Aber das bringt der Job halt mit sich. Nach Hause gehen, mit der Frau und den Töchtern am Tisch zu sitzen, das hat mir gefehlt und darauf freue ich mich jetzt sehr.

Über was reden Sie, wenn nicht über Fussball?
Über alles.

Basel bietet kulturell sehr viel – auch etwas für Sie?
Eher weniger. Ins Kino gehe ich gerne, aber auch dafür hat die Zeit gefehlt.

Sind Sie froh, dass die Vorrunde ein Ende hat?
Schauen Sie: Wir machen in Sion unser 32. Spiel seit Mitte Juli. Dazu haben viele Spieler noch vier bis fünf Länderspiele in den Beinen. Kürzlich, als ich mit dem Trainerstaff Bundesliga schaute, sagte der Reporter über einen Spieler, der sein 23. Spiel in der Saison absolvierte: «Das ist schon Wahnsinn!» Und wir haben 32. Ich denke, jeder von uns ist froh, wenn ein paar Wochen alle anderen Dinge Vorrang haben und der Fussball hinten ansteht. Dass man Zeit hat, in Ruhe zu frühstücken und nicht beim Brötchen schmieren an die Taktik denken muss. Der Mensch kann sehr viel ertragen, aber irgendwann braucht jeder eine Pause.

Einen prallen Terminkalender hatten Sie schon in Thun, als Sie sich für Europa League qualifizierten. Was macht die Arbeit in Basel so viel intensiver?
In Thun waren wir vor Meisterschaftsspielen praktisch nie im Hotel. Beim FCB hingegen meistens. Einmal einfach für sich sein zu können, das kann einem auch Energie geben. Was nicht heisst, dass ich die Zeit mit meinem Staff nicht mag – im Gegenteil. Aber es kann auch anstrengend sein, wenn man sich immer und immer wieder sieht – und sich so intensiv miteinander beschäftigt. Das stumpft ab, zwischendurch wird man dünnhäutiger, das ist völlig menschlich. Aber wie anfangs gesagt: Stimmen die Resultate, gleicht sich das etwas aus. Kommt dazu, dass in Thun die Europa League der Sonntagsbraten war. In Basel sind englische Wochen normal. Und: Es geht beim FCB immer ums Gewinnen, vor jedem Spiel in der Vorrunde wurde ein Sieg erwartet.

Wie war die Stimmung nach den zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen GC und St. Gallen – etwas, was dem FCB seit drei Jahren nicht mehr widerfahren war.
Intern hatte das auf die Stimmung null Einfluss. Es war ein professioneller Umgang mit einer Situation, die in Gottes Namen im Fussball passieren kann. Gegen GC: Viel, sehr viel Pech. Gegen St. Gallen: nicht gut. Damit kann man relativ einfach umgehen.

Wie fest zehrt die mediale Aufmerksamkeit an Ihren Kräften?
Überhaupt nicht. Zu Beginn war es neu, dass vor jedem Spiel eine Pressekonferenz stattfindet und nach dem Schlusspfiff das Verlangen nach dem Trainer schon sehr gross ist. Die Medienarbeit kostet keine Energie, aber sie ist zeitaufwendig.

Lesen Sie alles, was über den FCB geschrieben wird?
Manchmal schaue ich selber in die Zeitungen, manchmal wird etwas an mich herangetragen. Wenn Themen in den Medien Brisanz bekommen, etwa die Verletzungen, dann schaue ich es genau an. Dann interessiert es mich, ob ich richtig zitiert werde oder völlig aus dem Zusammenhang, was bei dem Verletzten-Thema leider passiert ist.

Würden Sie im Nachhinein anders kommunizieren in der Verletzten-Causa?
Wieso?

Weil Sie zu spät gewechselt haben von «Verletzungen gehören dazu» zu «Wir hinterfragen uns und ändern Dinge».
Die Brisanz kam nur, und wirklich nur von aussen. Wir haben uns schon nach dem dritten Verletzten hinterfragt. Nur gab es damals noch keine Fragen der Journalisten, die ich hätte beantworten müssen. Bei dieser Anzahl Verletzungen ist es doch unsere Pflicht, von Anfang an darüber zu sprechen und allenfalls Dinge zu verändern. Das ist völlige Normalität. Von aussen aber wird es aufgebauscht. Ich als verantwortlicher Cheftrainer stehe dann hin und sage, wie es ist. Das hat nichts mit Dünnhäutigkeit zu tun, sondern ich machte einfach meine Sichtweise klar.

Zum Beispiel?
Etwa, dass man Marco Walker (Konditionstrainer; d. Red.) als Schuldigen hinstellt. Das geht nicht! Marco ist ein Teil des Teams, das ganze Team trägt die Verantwortung. Wenn mein Team ungerecht behandelt wird, stelle ich mich vor meine Leute. Bei uns sind Profis am Werk, die seit zehn Jahren auf diesem Niveau arbeiten.

Unter Paulo Sousa gab es praktisch keine Muskelverletzungen, obwohl der FCB auch international spielte.
Ich muss eines sagen: Damals hatte der FCB keine Qualifikationsspiele, der Dreitages-Rhythmus begann erst Mitte September. Und wir hatten neue Spieler wie Kuzmanovic, Janko, Bjarnason und Boetius, denen entweder der Rhythmus fehlte oder die aus Verletzungen kamen.

Sie haben anfangs gesagt, die Niederlage von GC in Lugano habe es für den FCB am vergangenen Sonntag schwerer gemacht, selber in Thun zu gewinnen. Unsere Sichtweise ist umgekehrt: Eine Niederlage des nächsten Konkurrenten wirkt befreiend. Kann aber auch zu Spannungsabfall bei den Spielern führen. Wäre es Ihnen lieber, wenn GC nahe am FCB dran wäre?
Nein, nein – ich hätte am liebsten 16 Punkte Vorsprung. Nach dem 2:3 gegen GC hatten wir nur noch zehn Punkte Vorsprung – statt 16.

Aber die Spieler funktionieren besser, je kleiner der Abstand.
Ach was. Meine Spieler haben während der ganzen Vorrunde funktioniert, sonst hätten wir nicht zehn Punkte Vorsprung. Die Mannschaft kann mit Druck umgehen. Aber wir wollen nicht künstlich in Drucksituationen kommen.

Wie gut kann die Mannschaft mit «Konkurrenzlosigkeit» umgehen?
Der FCB hat so oder so in jedem Spiel den Anspruch, zu gewinnen. Und von aussen wird das auch erwartet. Hätten wir in Thun verloren, wäre die Häme gross gewesen, weil wir die Chance, den Vorsprung auf zehn Punkte auszubauen, nicht genutzt hätten.

Trotzdem: Führt man als FCB-Trainer immer auch einen Kampf gegen Genügsamkeit bei den Spielern?
Das musste ich während der ganzen Vorrunde nie thematisieren. Verliert der FCB, ist sofort die Genügsamkeit schuld. Nein – wir haben in St. Gallen nur 25 Minuten lang Fussball gespielt, das ist der Grund für die Niederlage.

Die Muster der letzten Spielzeiten ähneln sich: Der FCB startet berauschend in die Saison, aber bald einmal sinkt in der Super League das Unterhaltungsniveau. Als würden die Spieler denken: In der Liga schlagen wir auch mit 80 Prozent Einsatz jeden Gegner. War in diesem Kontext auch das Verpassen der Champions League tödlich?
Warum?

Einem Spieler ist es egal, ob er am Wochenende in Vaduz oder am Donnerstag in Posen spielt. Lockt aber ein Auftritt in Liverpool, gibt er sich in der Liga mehr Mühe.
Wenn Sie so denken, verstehen Sie die Spieler nicht. Ich habe die Mannschaft in der Kabine erlebt nach dem Ausscheiden in Tel Aviv – die Enttäuschung und die Trauer waren riesig, bei allen im Verein. Aber dann kam die Europa League. Und der Sieg gegen ein sehr gutes Florenz. Ohne Spannung bei einem Spitzenteam der Serie A gewinnen? Wenn man dann von Spannungsabfall spricht, ist man komplett auf dem Holzweg.

Der FCB spielte die beste Super-League-Vorrunde seit 12 Jahren, gewann die Europa-League-Gruppe. Und trotzdem bricht in Basel niemand in Jubelstürme aus. Frustriert Sie das?
Das aktuelle Bild ist schön, aber erreicht haben wir noch gar nichts.

Das war vor einem Jahr nicht anders, trotzdem herrschte eine grosse Euphorie nach der Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League.
Das ist nun mal eine andere Hausnummer. Dass die Basler lieber Real Madrid statt Posen im Joggeli sehen, ist verständlich. Wenn ich Skifahren gehe, habe ich auch lieber perfekt präparierte statt Buckelpiste. Jeder will das bestmögliche, umso mehr, wenn er es schon mal hatte.

In Thun hätte man Ihnen für eine solche Vorrunde ein Denkmal gebaut, in Basel wird sie einfach abgenickt.
Also so krass ist es schon nicht. Auf mich sind auch schon Leute zugekommen und haben gratuliert für die gute Vorrunde. Ich kenne die Situation ja aus Zürich, wo nach drei Meistertiteln in vier Saisons ein ähnlicher Anspruch wie hier in Basel herrschte.

Aber beim FCZ hat Ihnen niemand den Kopf abgerissen, weil sie 2011 nicht Meister wurden.
Unter dem Strich haben wir damals die Meisterschaft beim 2:2 gegen Basel verspielt. Ein Spiel, das wir gewinnen mussten. Aber am Schluss der Frei! Zwei Mal Alex Frei aus dem Nichts! Unmöglich! Und genau diese zwei Punkte fehlten uns am Schluss. In dieser Zeit durfte ich erfahren, was es heisst, Meister werden zu müssen. Übrigens muss sich sagen: Je länger die Meisterserie des FCB Bestand hat, umso schwieriger wird es, Meister zu werden.

Das sagen Sie. Die These, der FCB wird auch die nächsten 10 Jahre Meister, ist in unseren Augen nicht sonderlich gewagt.
Das ist eine gefährliche Aussage. Das tönt, als wäre der Titel ein Selbstläufer. Aber – und das kann ich nach sechs Monaten hier sagen – dafür muss man hart, sehr hart arbeiten. Geschenkt wird einem nichts. Das hat nichts mit der Grösse des FC Basel zu tun.

Erhält ein FCB-Trainer zu wenig Anerkennung?
Wieso?

Weil es von aussen fast als selbstverständlich betrachtet wird, dass der FCB Meister wird. Dafür klopft Ihnen in der Schweiz kaum jemand auf die Schulter.
Also intern machen wir uns schon Komplimente für einen guten Job. Und auch auf der Strasse sind schon Menschen auf mich zugekommen, um für die guten Resultate zu gratulieren. Dass es ausserhalb von Basel mehr interessiert, wenn die Serie endlich aufhört, kann ich irgendwo nachvollziehen. Das ist menschlich.

Woher wittern Sie die grösste Gefahr?
Das ist schwierig zu beantworten, weil meine Worte falsch ausgelegt werden können. Für die Arbeit der Konkurrenz sind wir nicht verantwortlich. Ich bin erst seit sechs Monaten beim FCB. Aber was ich sagen kann: Dieser Klub macht seit vielen Jahren vieles richtig. Für eine solche Konstanz verträgt es nicht viele Fehler. Hier denke ich, liegt der Unterschied zur Konkurrenz. Irgendwann hat der FCB einen Weg eingeschlagen und diesen konsequent verfolgt. Leider ist Geduld heutzutage nicht mehr viel wert. Wenn man vier Jahre keinen Erfolg hatte und dann meint, in drei Monaten auf Meisterkurs sein zu müssen, dann ist man auf der falschen Spur. Das Ganze ist ein Prozess, Basel hat nichts geschenkt bekommen. Aber Basel hat viele Dinge besser gemacht als die Konkurrenz.

Kann sich also nur der FCB selber zum grössten Konkurrenten werden?
Das kann ich mir nicht vorstellen, dass die Leute hier unvorsichtig werden wegen des Erfolgs.

Wie wichtig ist Kontinuität auf der Führungsebene?
Entscheidend. Wer hat schon gerne jedes Jahr einen neuen Chef? Der Weg zum Erfolg ist lang. Wer sät, der erntet – aber nicht nach drei Tagen, sondern nach einem halben Jahr.

Wie wichtig ist das Cupspiel heute in Sion für die Vorrundenbilanz?
Wir gehen davon aus, dass wir in Sion gewinnen. Das ist unser Anspruch. Sion ist sicher das schwierigste Los von allen. Wir versuchen, die Aufgabe zu lösen. Stellen Sie mir die Frage nach dem Spiel noch einmal.

Wie gut kann man sich als Trainer beim FCB verwirklichen?
Mich verwirklichen? Davon halte ich jetzt gar nichts.

Das muss nicht negativ sein.
Ich bin Teil eines Teams. Mein Antrieb ist: Ich will einen guten Job machen.

Wie viel Urs Fischer steckt im FCB?
Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner.

Aber Sie sind der wichtigste Angestellte.
Ich finde, die Mannschaft hat im letzten halben Jahr meistens einen guten Job gemacht. Dass es nicht immer funktioniert, liegt auf der Hand.

In Zürich hat Trainer Sami Hyppiä vom Präsidenten eine Carte Blanche erhalten. In Basel ist der Trainer gemäss Präsident Bernhard Heusler «Träger, nicht Präger der Klubphilosophie». Hätten Sie gerne mehr Handlungsfreiheit?
Das hat für mich nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Jeder Trainer hat eine Vorstellung davon, wie er spielen lassen will. Ich denke, der FCB hat sich gut überlegt, mich einzustellen. Meine Spielweise in Thun und Zürich stimmt wohl in etwa überein mit jener der FCB-Verantwortlichen. Innerhalb dieser Leitplanken habe ich schon Spielraum.

Immer probieren – ist das der wichtigste Wert, den Ihre Mannschaft vermitteln soll?
Für mich ist der Weg zum Sieg entscheidend, nie der Sieg. Wenn der Weg nicht mehr wichtig ist, sondern nur noch das Resultat, dann kommt es nicht gut.

Wieso?
Dann verliert man den Halt. Wenn man nur noch gewinnen will und auf dem Weg dahin keine Prinzipien mehr verfolgen soll, dann können wir aufhören. Ich will meine Arbeit nicht nur anhand der Resultate bewertet haben, sondern vor allem aufgrund der Art und Weise. Und die ist: Möglichst immer den Weg nach vorne gehen. Mein Vorgänger hat den Begriff «Prozess» verwendet. Das stimmt im Grunde überein mit meiner Idee, den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen.

Die härteste Währung im Fussball sind nun mal die Resultate.
Auf falschem Weg kommt man nicht ans Ziel. Wer das Matterhorn besteigt, muss die richtige Route wählen, sonst wird’s gefährlich.

Ist der Weg in Basel ein anderer als der in Thun, weil der «Thuner Weg» nicht zum FCB passt?
Der Unterschied ist vielleicht, dass in Basel der Weg bereits bei der Matterhorn-Spitze beginnt und Richtung Mount Everest geht. Am Schluss aber will ich, dass die Mannschaft den Fussball praktiziert, den ich sehen will. Und ich denke offensiv, obwohl ich ein Verteidiger war. Die Basis ist eine gute Organisation, an die sich alle halten müssen. Nach vorne ist es eine Mischung aus einstudierten Angriffen und Kreativität.

Sie waren ja auch ein offensiver Verteidiger.
Ich denke schon, dass in Zürich und in Thun die offensive Spielweise ersichtlich war – beim FCB zumindest in Ansätzen, wir brauchen aber noch einen Moment.

Die Spektakelspiele gegen YB (3:4) und GC (2:3) hat der FCB verloren. Kommt Spektakel Ihrer Mannschaft überhaupt entgegen?
GC lassen wir mal weg, da war - gelinde gesagt - viel Pech dabei. Und in Bern sind wir ins offene Messer gelaufen. 3:4 verlieren geht gar nicht. Da stimmt vieles nicht. Der Zuschauer hatte zwar seinen Spass, aber wenn man am Ende Meister werden will, darf man nicht derart unorganisiert auftreten. Daran müssen wir arbeiten – wenn auch auf Kosten des Spektakels. Am Schluss ist die Tabelle halt doch am wichtigsten.

Gewinnen Sie lieber 1:0 oder 4:3?
Ein 1:0 kann genauso unterhaltsam sein wie ein 4:3. Aber wer kassiert schon gerne drei Gegentore.

Machen wir noch ein wenig Einzelkritik. Yoichiro Kakitani wurde vor 18 Monaten angepriesen als die neue Attraktion der Liga. Aber die Rakete ist immer noch am Boden. Kann man sie überhaupt zünden?
Ich habe Yoichiro als Spieler mit einem unheimlichen Potenzial erlebt – und das denke ich noch heute von ihm. Hätte er sich beim Saisonstart nicht verletzt, wäre vielleicht alles anders herausgekommen. Damals war er eingeplant als Stammspieler. Er war immer wieder nahe dran, aber den Drive aus dem Sommer hat er irgendwie nie mehr hinbekommen. Die Mannschaft war sehr erfolgreich unterwegs, das erschwerte es zusätzlich für ihn.

Könnte er bei einem anderen Klub aufblühen?
Das ist nicht mein Business. Ich konnte ihm hier bis jetzt leider nicht die Bühne geben, die er vielleicht gebraucht hätte. Das ist wohl der Grund, warum – wie Sie es sagen - die Rakete nicht durchgestartet ist.

Ein anderes Sorgenkind ist Zdravko Kuzmanovic. Er wurde geholt als Leader, konnte die Erwartungen aber bislang nicht erfüllen. Vor allem auch nicht die als Leader. Und trotzdem funktioniert die Mannschaft – das erstaunt.
Aber wir haben doch noch andere Führungsspieler – einen Suchy, unseren Captain Delgado, ein Safari oder ein Vaclik.

Warum kommt Kuzmanovic nicht auf Touren?
Als er zu uns kam, lag sein letztes Pflichtspiel vier Monate zurück. Zudem sagte er selber, dass er noch nie eine so kurze Vorbereitung hatte in seiner Karriere. Wir wollten in der Champions-League-Qualifikation die Dynamik der Neuzugänge ausnützen und haben in dem Moment wohl zu wenig auf das individuelle Bedürfnis des Spielers geachtet. Und prompt verletzte er sich. Das warf ihn noch weiter zurück. Für ihn wird im Januar eine gute Vorbereitung zentral sein.

Will Kuzmanovic zu viel?
Es ist kein Geheimnis, dass Geduld nicht seine grösste Stärke ist. Was ihn aber oftmals auch auszeichnet. Wir haben gute Gespräche geführt und sind überzeugt, dass er in der Rückrunde eine tragende Rolle übernehmen wird.

Und Shkelzen Gashi? Was ist mit ihm passiert?
Darf ein Stürmer auch einmal eine schlechtere Phase haben?

Darf er.
Also. Wenn ich lese, er habe bei uns eine Reservistenrolle, dann stimmt das einfach nicht. Er bekam immer wieder die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Und der Konkurrenzkampf ist in dieser Saison vielleicht auch anders. Wenn man wie er zwei Mal in Folge Torschützenkönig wird, sind die Erwartungen hoch. Daran hat er vielleicht zu kauen momentan.

Es heisst, zwischen Ihnen und Gashi stimmt die Chemie nicht, was von der gemeinsamen Zeit beim FCZ herrührt.
Er war nur in der Saison 2005/06 in der U21 mein Spieler. Danach machte er den Sprung in die erste Mannschaft.

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