Hat er wirklich Balotelli gesagt? Wir müssen nachfragen: Balotelli als Vorbild? Der Mario Balotelli, der einst in Manchester mit Dartpfeilen nach Juniorenspielern warf? «Ja, er gefällt mir als Fussballer. Er gibt immer alles», sagt Breel Embolo. Balotelli und Embolo? Auf den ersten Blick ist die Ähnlichkeit gross: beide Stürmer, dunkle Hautfarbe, Irokesenschnitt, athletischer Körper.

Trotzdem: Es ist Embolo zu wünschen, seinem Idol tatsächlich nur auf dem Rasen nachzueifern. Denn daneben steht sich der italienische Exzentriker wegen seiner Skandale selber im Weg, dereinst als grosser Fussballer in Erinnerung zu bleiben.

Ganz anders der bisherige Eindruck vom Basler Offensivtalent. Von ihm schwärmt man im Klub schon lange. Seit er am 16. März im Heimspiel gegen Aarau vier Minuten nach seiner Einwechslung sein erstes Profitor erzielt hat, ist er auch dem Publikum ein Begriff. Er, eben erst 17 Jahre alt geworden, lässt an diesem Nachmittag den Aarauer Andrist selber wie einen Junioren aussehen und versenkt den Ball anschliessend in typischer Alex-Frei-Manier. Weil er weiter so cool und unbeschwert spielt, hat er schnell einen Platz in den Herzen der Fans. An der Meisterfeier singen sie seinen Namen.

Schweiz oder Kamerun?

Geboren ist Embolo am 14. Februar 1997 in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé. Er lebt ein halbes Jahr bei der Tante, ehe er im Alter von sechs Jahren zusammen mit seinem älteren Bruder der Mutter in die Schweiz folgt. Der Vater bleibt in Kamerun. Zwei Jahre später entdeckt er in Basel den Fussball, als ihn sein bester Freund eines Tages ins Training des FC Nordstern mitnimmt. Rückblickend sagt er: «Ich wäre auch zum Basketball mitgegangen, aber nach dem ersten Training hatte ich nur noch Fussball im Kopf.»

Gut so – denn heute gilt er als grösstes Juwel aus der FCB-Nachwuchsschmiede seit Xhaka und Shaqiri. Fast schon unglaublich, dass ihm Rot-Blau einst die Aufnahme verweigerte. Als Zehnjähriger fällt Embolo im Probetraining durch, geht zu den Old Boys und darf in der U13 dann endlich zum FCB. Anfang 2013, drei Wochen nach seinem 16. Geburtstag, unterschreibt er den ersten Profivertrag. Zwölf Monate später das Debüt in der Super League und die ersten Einsätze im Europacup. «Ich realisiere langsam, was in den letzten Monaten alles passiert ist», sagt Breel-Donald Embolo, den in Basel alle nur «Breel» rufen.

Trotz des Trubels, Embolo ist auf dem Boden geblieben. Beim Nordwestschweizer Fussballverband absolviert er eine Lehre zum Büroassistenten, er lebt einen Steinwurf entfernt vom St. Jakob-Park im Wohnheim für Nachwuchsspieler. Er könnte auch bei seiner Mutter und den drei Geschwistern wohnen, aber das will er nicht. «Im Wohnheim komme ich auf keine falschen Gedanken. Es gibt dort klare Regeln, zum Beispiel müssen wir ab 22 Uhr ruhig sein.» Auch dass er seit Monaten vom kamerunischen Fussballverband umgarnt wird, lässt Embolo kalt. «Für welches Land ich später einmal spiele, darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.» Macht er so weiter, wird er irgendwann auch für den Schweizer A-Nationaltrainer zur Option: Zurzeit läuft das Einbürgerungsverfahren.

«Hauptsache, ich spiele»

In den Vorbereitungsspielen erhielt Embolo auffällig viel Einsatzzeit von Trainer Paulo Sousa. Meist als Stürmer, obwohl man sich im FCB immer noch nicht ganz sicher ist, wo Embolo am besten zur Geltung kommt. Der sagt: «Ich spiele überall – wenn der Trainer will, auch in der Innenverteidigung.»

Würde Mario Balotelli freiwillig in der Abwehr spielen? Eher wirft der einen Dartpfeil nach seinem Trainer, als dreckige Abwehrarbeit zu verrichten. Embolo aber ist dankbar für jede Minute Einsatzzeit: «Hauptsache, ich spiele, dann bin ich glücklich.»