Die Szenen ähnelten sich. Wie schon vor einer Woche, nach dem Heimspiel gegen Thun sass FCB-Trainer Paulo Sousa Minuten nach dem Schlusspfiff an der Pressekonferenz und musste erklären, wie seine Mannschaft erneut einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand geben konnte.

Gegen die Thuner reichte es nach Sadiks Ausgleich in letzter Sekunde immerhin noch zu einem Punkt. Gestern verliessen Sousa und seine Mannen nach zwei späten Gegentoren die Ostschweiz gar mit leeren Händen.

Eine fade Basler Vorstellung
Der Kommentar des sichtlich genervten FCB-Trainers: «Wir haben in der zweiten Halbzeit die Konter nicht gut ausgespielt.» Das mag stimmen. Es stellte sich aber vielmehr die Frage, warum seinem Team im dritten Super-League-Spiel hintereinander von Beginn an spielerisch nur eine fade Vorstellung gelang. Wie es sein konnte, dass in der letzten halben Stunde eine bescheiden bestückte St. Galler Mannschaft ihr hochkarätiges Gegenüber in den Schatten stellte. Der Schwung, den man sich im FCB nach dem grandiosen 1:0 gegen Liverpool erhoffte, er ist drei Tage später bereits wieder verpufft.

Zum Spiel: Wenn man sich auf der Suche nach dem besten Spieler auf dem Platz in den hinteren Reihen der beiden Mannschaften wiederfindet, spricht das nicht für einen Fussball-Leckerbissen. Wenn gestern Abend jemand auf seine Kosten kam, dann der Liebhaber des kernigen Zweikampfes.

Auch Paulo Sousa fand keinen Gefallen: Der Portugiese tigerte schon früh mit grimmiger Miene der Seitenlinie entlang und knöpfte sich denjenigen aus seiner Offensiv-Abteilung vor, der gerade einen vielversprechenden Angriff ruiniert hatte. Was der Portugiese damit bewirken wollte, weiss nur er selber: Seine Spieler jedenfalls, allen voran Yoichiro Kakitani, schienen ob der Anpfiffe ihres Chefs erst recht zu verkrampfen.

Bedauernswerter Kakitani
Der bedauernswerte Japaner, der wegen mangelnder Sprachkenntnisse Sousas Anweisungen sowieso kaum versteht, wurde kurz nach der Pause erlöst und durch Sio ersetzt. Die Verneigung, mit der er sich beim Publikum verabschiedete, war noch das Gelungenste einer völlig verkorksten Darbietung – sinnbildlich dafür die vergebene Chance in der 46. Minute, als Kakitani den Ball statt ins verwaiste Tor ans Schienbein von St. Gallen-Verteidiger Thrier schoss.

Mit Giovanni Sio änderte sich zwar nicht viel – aber es fiel ein Tor: Eines, an dem Sio mit seiner hübschen Vorlage per Aussenrist den Hauptanteil hatte. Der Angriff in der 56. Minute begann mit dem öffnenden Pass von Marcelo Diaz und endete bei Davide Callà, der den Ball volley versenkte.

Callà im Hoch – ganz im Gegensatz zu Breel Embolo. Das 17-jährige viel gelobte Eigengewächs erfuhr in der Ostschweiz erstmals, was es heisst, mitschuldig an einer Niederlage zu sein: Embolo war es, der in der 84. Minute ohne Not den Ball an Mathys verlor. Dessen Pass fand Rodriguez, der wiederum Cavusevic – 1:1.

Verdienter Siegtreffer
Mit dem Selbstvertrauen einer Mannschaft, die zuletzt zu drei Siegen in Serie kam, drückte St. Gallen weiter. Der FCB hingegen fand immer weniger Mittel zur Befreiung und so kam es, wie es kommen musste: Er fiel zwar erst in der dritten Minute der Nachspielzeit, aber unter dem Strich war der Siegtreffer von Albert Bunjaku verdient.

Bunjaku? Da war doch was: Am fünften Spieltag war es ebenfalls der ehemalige Schweizer Nationalspieler (jetzt Kosovo), der dem FCB mit einem Doppelpack die erste Saisonniederlage zufügte. Zwei Monate später wird der Rückkehrer aus der 2. Bundesliga erneut zum Basel-Schreck.

Telegramm
St. Gallen - Basel 2:1 (0:0)
16'366 Zuschauer. - SR Hänni. - Tore: 56. Callà (Sio) 0:1. 84. Cavusevic (Rodriguez) 1:1. 92. Bunjaku 2:1.
St. Gallen: Herzog; Mutsch, Thrier, Besle, Lenjani; Tafer, Everton (80. Mathys), Janjatovic, Tréand (61. Rodriguez); Bunjaku, Karanovic (61. Cavusevic).
Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy; Diaz, Serey Die (80. Hamoudi); Gonzalez, Kakitani (51. Sio), Delgado (58. Elneny), Callà; Embolo.
Bemerkungen: St. Gallen ohne Kapiloto und Montandon (beide verletzt), Russo, Babic und Stevic (alle gesperrt) und Sikorski (U21). Basel ohne Ivanov, Frei, Gashi, Safari, Streller und Samuel (alle verletzt oder geschont). 64. Lattenkopfball von Cavusevic. Verwarnungen: 34. Suchy (Foul). 94. Gonzalez (Foul). 78. Abseitstor von Callà annulliert. 49. Spielunterbruch wegen zu starker Rauchentwicklung wegen Abzündens von Pyros.

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