Eric Kessler ist unzufrieden. Dies ist nett ausgedrückt. Stinksauer würde es wohl eher treffen. Der Nüsslisalat hat nicht die Qualität, wie er sich das vorstellt. Der Chefkoch des Hospitalitybereichs des FC Basel ist voll in seinem Element. In Kürze werden wie bei jedem Heimspiel im St. Jakob-Park die Tische im VIP-Bereich voll besetzt sein. Und von Kessler und dessen Team wollen die Gäste kulinarisch verwöhnt werden.

Diese Momentaufnahme ist ein Beispiel für den aussergewöhnlichen Blick hinter die Kulissen des grössten und erfolgreichsten Fussballvereins der Schweiz. Diesen bietet der 18-jährige Reinacher David Meury in «Mehr als 11», einem Dokumentarfilm, in dem er neben Chefkoch Eric Kessler auch Stadionspeaker Michael Köhn und Schiedsrichterbetreuer Erwin Krieg während dreier Heimspiele des FCB auf Schritt und Tritt einzeln begleitet. 

David Meury präsentiert die DVD.

David Meury präsentiert die DVD.

Aus drei Heimspielen ist ein Film entstanden, der Einblicke bietet, die sonst nur ganz wenigen Personen vorbehalten sind. «Ich wollte die Menschen zeigen, die nicht im Scheinwerferlicht des Fussballs stehen und trotzdem einen sehr wichtigen Beitrag zum Gelingen eines Heimspiels leisten», erklärt Meury.

«Mit Bildern eine Geschichte erzählen»

Der 30-minütige Film ist zusammen mit 85 geschriebenen Seiten und einem Filmplakat David Meurys Maturarbeit am Gymnasium Münchenstein. Er bekam dafür die Note 6 und das Prädikat «herausragend» zugesprochen. Der 18-Jährige sieht seine Arbeit aber als weit mehr als bloss die reine Note im Maturzeugnis. «Für mich ist das Projekt auch eine Investition in meine berufliche Zukunft.»

Meury möchte in die Film- und Fernsehbranche. «Wenn ich zum Beispiel zum Schweizer Fernsehen möchte, ist ein solcher Film schon fast Voraussetzung.» Es ist nicht das erste Filmprojekt von Meury. «Mit Bildern eine Geschichte erzählen und so möglichst viele Leute erreichen, das ist das, was mich fasziniert», beschreibt er seine Leidenschaft. Er sei ein sehr neugieriger Mensch. Dies musste er auch sein, um einen Blick hinter die sonst verschlossenen Kulissen des Schweizermeisters zu erhalten.

Intensive Vorbereitung

«Mehr als 11» gibt bisher unbekannte Einblicke in die Schiedsrichterkabine, in die Küche des Hospitalitybereichs und in die Arbeit des Stadionspeakers. «Es war schon sehr aufregend, als ich im Kabinengang bei den Spielern stand und das ganze Einlaufprozedere von Nahem miterlebte», schwärmt Meury. Trotz seines Fanseins war er voll auf seine Arbeit fokussiert. «Ich machte alles alleine: Filmen, Ton, Licht. Ich war völlig konzentriert und nahm nicht so wahr, was um mich herum geschah.»

Um überhaupt so weit kommen zu können, brauchte es viel Vorarbeit. David Meury traf seine drei Protagonisten einzeln zum Vorgespräch. Er wollte damit eine Vertrauensbasis aufbauen. «Dies gab mir die Garantie, dass die drei auch authentisch und nicht gespielt sind, wenn ich mit der Kamera daneben stehe.» Zudem musste er wissen, wie deren Tagesabläufe in etwa aussehen. «Ich schrieb mir für jede Person ein Drehbuch. Trotzdem musste ich die Flexibilität wahren, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.»

David Meury wird seinen Film im kommenden Jahr an diversen Film-Festivals einreichen. Premiere feiert «Mehr als 11» am Mittwoch um 20 Uhr in der Aula des Gymnasium Münchenstein.