Die Zahl macht schwindlig: 2,4 Milliarden Franken. Diese unglaubliche Summe streicht die englische Premier League ab 2016 pro Saison allein mit den nationalen Senderrechten ein – die Ausstrahlung der Spiele im Ausland lässt die Kassen zusätzlich klingeln. 135 Millionen Franken hat sogar der Absteiger garantiert.

Das ist etwa drei Mal so viel, wie der deutsche Klassenprimus Bayern München erhält. Die Vermarktungsrechte für die Super League bringen jährlich 28 Millionen ein – davon gehen rund 2,5 Millionen an den FC Basel.

Ein eigener Kosmos

Der neue TV-Deal auf der Insel erschüttert Europas Fussball. «Die Premier League wird zum eigenen Kosmos», sagt Christian Seifert, Chef der Bundesliga. Seine Klubs können künftig nicht mehr mit den Löhnen der englischen Klubs konkurrenzieren – egal, ob der Mitbieter Chelsea oder Leicester City heisst. Alle 20 Vereine der Premier League gehören ab 2016 zu den 40 reichsten Europas. «Englische Klubs können künftig holen, wen sie wollen», sagt Arsenals Trainerlegende Arsène Wenger.

Doch kann die neue Situation auch eine Chance sein? Etwa für den FC Basel, in dessen Geschäftsmodell Spielerverkäufe eine zentrale Rolle einnehmen? Oder werden die englischen TV-Milliarden für Rot-Blau zum Fluch? Die «Schweiz am Sonntag» hat zwei Thesen aufgestellt und Basels Sportdirektor Georg Heitz konfrontiert.

These 1: Der FCB wird es viel schwerer haben, vielversprechende Talente zu verpflichten, weil diese von englischen Klubs mit Millionensalären angelockt werden.

These 2: Der FCB profitiert im Transfergeschäft, weil englische Klubs künftig astronomische Summen zu zahlen bereit sind für Spieler, die international auffallen.

Die Premier League ist speziell

Zu These 1 sagt Heitz: «Das Faible für junge Spieler wird zwar auch in England immer stärker. Aber für solche, die sich in einer Topliga wie Spanien oder Deutschland bewährt haben. Am liebsten sind den Klubs Spieler aus der eigenen Liga: Die Premier League ist speziell. Die Klubs wollen Spieler, die das Umfeld bereits kennen.» Der FC Basel hingegen findet die Trouvaillen in Österreich (Aleksandar Dragovic), Ägypten (Mohamed Salah) oder Paraguay (Derlis Gonzalez). Heitz: «Wir fischen nicht im gleichen Teich wie die Engländer. Daran wird sich auch nichts ändern.»

Es zeichnen sich aber in der Spieler-Akquisition zwei Konsequenzen ab, die laut Heitz den FCB betreffen: Einerseits könnten Berater von potenziellen FCB-Spielern die englischen Löhne in Verhandlungen als Druckmittel verwenden. Andererseits verschärfe sich der Kampf um die Talente in der FCB-eigenen Nachwuchsakademie. «Die Mittel der englischen Vereine, um unsere Junioren abzuwerben, werden noch grösser. Es liegt an uns, die Spieler und ihr Umfeld davon zu überzeugen, den finanziellen Verlockungen zu widerstehen und bei uns zum Profi zu reifen.»

Fünf FCB-Spieler nach England

Zu These 2: Seit dem Meistertitel 2002, quasi der Nullpunkt der FCB-Dominanz in der Super League, hat der Klub fünf Spieler nach England verkauft und dabei insgesamt 36 Millionen Franken verdient. Wobei allein der Transfer von Mohamed Salah zu Chelsea vor gut einem Jahr 20 Millionen eingebracht hat. Im gleichen Zeitraum haben deutsche Vereine für 19 FCB-Profis 74 Millionen ausgegeben. «Dieses Verhältnis», vermutet Heitz, «wird in etwa so bleiben.»

Soll heissen: Heitz wird auch künftig selten mit Vertretern von Premier-League-Vereinen um Ablösesummen feilschen. Denn: Die Engländer müssen ihren Fans Namen präsentieren – umso mehr, wenn sie künftig noch mehr als bereits heute im Geld schwimmen. Der Schweizer Fussball aber geniesst auf der Insel immer noch einen geringen Stellenwert. Ein Vergleichswert: In der Bundesliga stellt die Schweiz mit 17 Spielern die meisten Gastarbeiter. In der Premier League spielen nur zwei Schweizer, dafür 33 Franzosen und 26 Spanier.

Der Fall Mohamed Salah

Trotz der FCB-Erfolge gegen Klubs von der Insel sagt Heitz: «Eine Transferwelle nach England ist unrealistisch. Dafür müsste sich die Schweizer Nationalmannschaft für einen EM-Halbfinal qualifizieren oder unsere Ausländer mit ihren Nationalteams grosse Erfolge haben.» Er schliesse zwar einen Transfer in der Dimension von Mohamed Salah in Zukunft nicht aus. Doch reiche dafür allein eine gute Performance in der Super League nicht. «Chelsea hat Salah geholt, weil er in vier Spielen gegen sie drei Mal getroffen hat.»

Bluten oder Kassieren werden wegen den englischen TV-Milliarden vor allem die Klubs in der Bundesliga, der Primera Division und der Ligue 1. Doch insgeheim hofft auch der FC Basel, sich künftig öfter ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.